Ab Montag geht nichts mehr: Die Mittlere Brücke, die Hauptverbindung zwischen dem Gross- und Kleinbasel, ist bis zum 13. August für den motorisierten Verkehr gesperrt. Auch Tram und Bus verkehren in dieser Zeit nicht und werden umgeleitet. Dies ist nötig, weil Strassen, Trottoirs, unterirdische Leitungen und Tramgleise sowohl in der Greifengasse als auch auf der Mittleren Brücke erneuert oder ersetzt werden müssen. Man nutze die Gelegenheit, um diese wichtige Stadtachse unter anderem mit breiteren Trottoirs aufzuwerten, teilte das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt (BVD) mit.

Ein bisschen geht doch was: für die Fussgänger und die Velofahrer. Sie dürfen die Mittlere Brücke weiterhin überqueren. Auf demselben Trottoir allerdings. Ein Velostreifen wird nicht angebracht, es wird geteilt, lautet die Devise. Daniel Hofer, Sprecher des BVD, sagt auf Anfrage, man habe mit dem Dienst für Verkehrssicherheit der Kantonspolizei auch darüber diskutiert, eine Fahrspur für die Velofahrer anzubringen. «Wegen des eng bemessenen Platzes wäre das bei hohem Fussgängeraufkommen gefährlicher. Fussgänger könnten auf die Fahrbahn treten und mit den Velofahrenden zusammenstossen, die auf der eigenen Spur schneller unterwegs wären.»

Die Menschen auf zwei Rädern sollen laut Hofer nun «im Zweifelsfall und bei hohem Fussgängeraufkommen» absteigen und das Velo schieben. Verschiedene Infotafeln und Schilder in unmittelbarer Nähe der Brücke fordern dasselbe. «Wenn alle gegenseitig Rücksicht nehmen, sollte dies gut klappen», sagt Hofer.

Skepsis beim Behindertenforum

Auch der VCS beider Basel sah sich zu Beginn der Woche dazu veranlasst, die Velofahrer zur Rücksichtnahme zu ermahnen: Man sei Gast auf dem Brückentrottoir, und deshalb solle es sich lohnen, «Velos nicht über den langen Umweg via Wettstein- oder Johanniterbrücke zu schicken», so der Wortlaut eines entsprechenden Communiqués.

Das temporäre Konzept auf der Mittleren Brücke erinnert an die Mischverkehrskultur auf deutschen Bürgersteigen, die allerdings deutlich breiter sind als das jetzige Trottoir auf der Mittleren Brücke. Eine solche Kultur wie in Deutschland existiert in der Schweiz allerdings nicht. Georg Mattmüller, Geschäftsleiter des Behindertenforums der Region Basel, gibt sich zu Recht skeptisch: «Aufgrund der engen, umständlichen Verhältnisse und der hohen Fussgängerdichte auf dem Trottoir der Mittleren Brücke ist klar, dass ein gewisses Konfliktpotenzial besteht.» Es werde sicher hin und wieder Velofahrer geben, die nicht absteigen, weil sie es pressant haben. Die Gefahr von Zusammenstössen bestehe durchaus, besonders wohl abends, wenn es nicht mehr so viele Fussgänger habe und die Velofahrer meinten, sie könnten durchfahren. «Gerade für Menschen mit einer Behinderung stellen solche Situationen ein Problem dar.»

Mattmüller appelliert deshalb insbesondere an Fahrer von Elektrovelos, die Mittlere Brücke zu umfahren und auf die Johanniter- oder Wettsteinbrücke auszuweichen. «Die E-Biker sind ja ohnehin schnell unterwegs.» Eine grosse Verunsicherung unter den Mitgliedern des Behindertenforums bestehe derzeit trotzdem nicht. «Ich gehe aber davon aus, dass ich gegen Ende Sommer ein paar Reklamationen diesbezüglich auf dem Tisch haben werde.»

Die Kuriere arrangieren sich

Von einer suboptimalen Lösung spricht Jérôme Thiriet. «Aber es geht wohl nicht anders.» Er ist Geschäftsleiter der Basler Kurierzentrale, die dafür bekannt ist, Waren aller Art blitzschnell von A nach B zu liefern. Und gerade deshalb auch so rege gebucht wird. Die Mitglieder der Flotte, die sogenannten «Riders», sind jeweils mit einem Affenzahn unterwegs. Ab Montag bis Mitte August wird das auf der Mittleren Brücke nicht mehr möglich sein. Thiriet versichert, dass seine Mitarbeiter natürlich auch absteigen würden, wenn es nötig sei. «Ich bin zuversichtlich, dass wir uns mit der Situation irgendwie arrangieren können. Sonst weichen wir auf eine andere Brücke aus, wenn wir feststellen, dass für unsere Fahrer durch die Sperrung ein grosser Zeitverlust entsteht.»