Coronavirus
Spickzettel, Überwachung und Absurdes: Online-Prüfungen an der Uni Basel haben ihre Tücken

Die Online-Prüfungen an der Uni Basel eröffnen mehr Mogelmöglichkeiten, erschweren den Studierenden aber auch die Vorbereitung.

Lea Meister
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Früher in analogen Zeiten war das Schummeln noch weit weniger komplex... Im Online-Zeitalter setzt die Uni auf veränderte Testmethoden.

Früher in analogen Zeiten war das Schummeln noch weit weniger komplex... Im Online-Zeitalter setzt die Uni auf veränderte Testmethoden.

bz Archiv

Der Prüfungsstress ist wohl das Einzige, was sich im Alltag der Studentinnen und Studenten an der Uni Basel nicht gross von der Zeit vor Corona unterscheidet. Nicht nur die Vorlesungen finden seit Monaten online statt, auch ein Grossteil der Prüfungen wird vor den Bildschirmen durchgeführt. Doch Online-Prüfungen bringen nicht zu unterschätzende Probleme mit sich. So ist nicht nur die Chance grösser, dass geschummelt wird – Prüfungen werden im Plenum geschrieben, es wird sich mit Mitstudenten ausgetauscht, Spickzettel werden aufgehängt - es ist auch schwieriger, sich auf die einzelnen Prüfungen vorzubereiten, da Online-Vorlesungen inhaltlich und vom Ablauf her nicht mit normalen Vorlesungen vergleichbar sind.

Prüfungen erlaubt, die Vorbereitung aber nicht

«Das BAG hat die Vorbereitung auf sportpraktische Prüfungen verboten, nicht aber die Durchführung ebendieser», äussert sich ein Basler Sportstudent zur momentanen Situation. Die Prüfungen fänden also statt, eine wirkliche Vorbereitung sei aber unmöglich. Es wäre also nur fair, wenn die Uni den Studierenden in gewissen Bereichen entgegenkommen würde, beispielsweise mit einem Bewertungsraster, das die momentanen Umstände berücksichtigt. Auch der Ausfall von Tutoraten, die für viele Studierende gerade in der Prüfungsvorbereitung wichtig seien, sorge für eine deutlich schlechtere Vorbereitung.

Fakultätsübergreifende Regeln zur Durchführung der Prüfungen scheint es keine zu geben. So werden im Psychologiestudium die schriftlichen Prüfungen beispielsweise nicht videoüberwacht, die Studierenden müssen ihre Kameras also nicht einschalten. Vor jeder Prüfung werde ein kleiner Regelkatalog verschickt, so ein Psychologiestudent, man müsse allein arbeiten, das sei klar. Um zu verhindern, dass zu viel gemogelt wird, führt die Psychologiefakultät grösstenteils Open-Book-Prüfungen durch, was auch Matthias Geering, der Leiter der Kommunikation der Uni Basel, entsprechend bestätigt.

«Wir erhalten einen Link per Mail, klickt man diesen an, beginnt die Zeit zu laufen. Grundsätzlich haben wir bei den meisten Prüfungen weniger Zeit zur Verfügung als normalerweise, was es auch viel schwieriger macht, Dinge nachzuschlagen und zu schummeln», beschreibt ein Psychologiestudent eine Prüfungssituation.

Strenge Überwachung mit klaren Richtlinien

Ganz anders geht es in der Wirtschaftsfakultät zu und her. Die Studierenden haben klare Regeln erhalten, so müssen Kamera und Ton stets eingeschaltet sein, damit die Dozierenden überwachen können, was passiert. Mit angestelltem Ton kriegt man mit, wenn jemand die Prüfung fotografiert, oder sich verbal mit anderen austauscht. Dasselbe gilt natürlich für die eingestellten Kameras. Eine Prüfung in einer Gruppe zu lösen ist unter diesen Umständen also nur schwer möglich. Nach einer Probeklausur wurden gewisse Wirtschaftsstudentinnen und -studenten ausserdem darauf hingewiesen, dass die Lichtverhältnisse im Raum stimmen müssten.

«Während der Hauptklausur wird die Aufsicht hier streng durchgreifen, das heisst, wenn Sie die Regeln nicht einhalten, gilt die Klausur als nicht bestanden», so der Wortlaut der Mitteilung an die Studierenden. Für die strikte Überwachung des Prüfungsgeschehens haben manche Bildungsinstitutionen in der Schweiz gar Leute angeheuert, die relativ gut dafür bezahlt werden, Dutzende Studenten beim Schreiben ihrer Prüfungen über Zoom und ähnliche Kanäle zu überwachen. Nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass je nach Studiengang ein oder zwei Dozierende mehrere Dutzend Leute überwachen müssten.

Während die meisten Studiengänge ihre nicht ausschlussrelevanten Prüfungen online durchführen, gibt es auch kritische Stimmen: «In den Naturwissenschaften ist die Skepsis gegenüber Online-Prüfungen gross, weshalb die Prüfungen in der Regel in Präsenz durchgeführt werden», so Geering. «Im ausschlussrelevanten Bereich haben ausserdem mehrere Fakultäten Präsenzprüfungen durchgeführt.»

Grösseres Vertrauen in die Eigenverantwortung nötig

Dass es unter den hiesigen Umständen auch manchmal zu etwas absurden Situationen kommt, ist selbstredend. So berichtet der eingangs erwähnte Basler Sportstudent von einer sehr aufmerksamen Dozentin: «In einer Prüfung bewegte sich ein Student, um seinen Studentenausweis hervorzuholen, da er seine Matrikelnummer nicht auswendig wusste. Sofort wurde er gefragt, was er hier mache und aufgefordert, dies sofort zu unterbinden.» Klar gebe es viel mehr Möglichkeiten zu Schummeln als in einem Prüfungssaal, dagegen könne aber keine Universität etwas unternehmen.

Umso wichtiger sei es deshalb, auf die Eigenverantwortung der Studierenden zu vertrauen und ihnen, wenn möglich, entgegenzukommen, wenn es um die schlechteren Vorbereitungsmöglichkeiten geht. Ausserdem dürfe man nicht vergessen, dass ein Grossteil der Studierenden nicht die Intention habe, bei Prüfungen zu betrügen, so der Sportstudent. «Schliesslich ist es auch eine Frage des Stolzes und dem Bestreben danach, den Stoff zu begreifen und anzunehmen».