«Sie waren in ihrem früheren Leben eine Hexe und haben sich mit Schwarzer Magie beschäftigt», steht auf meiner Karma-Analyse. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Der hagere Mann mit der grau-melierten Wuschelfrisur, der auch als Mitglied der Schweizer Rockgruppe Gotthard eine gute Figur machen würde, brauchte für diese Erkenntnis einzig den Vornamen und das Geburtsdatum.

Und 15 Franken. Herausgefunden hat er das mit der Mondknoten-Analyse. Um meine Unrast aus früheren Zeiten auszugleichen, müsse ich in diesem Leben mein Misstrauen überwinden, gibt er als Rat mit - und entlässt mich zurück in die Realität an die Esonatura-Messe.

Die findet dieses Wochenende in Basel statt. «Wir sind eine Esoterik- und Gesundheitsmesse», erklärt Organisatorin Elisabeth Zazyal. Es ist eine beschauliche Angelegenheit: Rund 50 Aussteller bieten ihre Dienste an und etwa 2000 Besucher werden erwartet. «Wir wollen keine Scharlatane, sondern nur seriöse Leute», erklärt Organisatorin Zazyal. Und wie stellt sie die Seriosität der Aussteller sicher? «Ich kenne die meisten schon lange», meint sie.

Arztkittel stehen für Seriosität

Die Esonatura-Messe tourt durch die Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein. In Bern gibt es sie seit zehn Jahren. In Basel versucht sie, die Lücke zu füllen, die die Aura-Messe vor zwei Jahren hinterlassen hat.

Der Laie staunt über das Angebot: Man kann Lichtkristalle und Energiepyramiden erwerben; Iris-, Puls- und Zungendiagnosen erstellen lassen; indianische Schamanen treffen und sich die Zukunft aus Kaffeesatz, Tarotkarten oder der eigenen Hand lesen lassen. Tatsächlich versuchen die meisten Aussteller, einen möglichst seriösen Eindruck zu erwecken. Es werden Computer zu Hilfe gezogen, auf therapeutische Ausbildungen verwiesen und weisse Arztkittel getragen.

«Instant-Angebote und Collagen»

«Esoterik ist ein weltweiter Trend, der durch Prominenz angetrieben wird», sagt Jacques Picard, Professor für Kulturwissenschaften an der Uni Basel, «Tom Cruise ist bei den Scientologen, Richard Gere bei den Buddhisten und Madonna hat ihren eigenen Kabbala-Rabbiner.»

Allerdings gehe Esoterik noch einen Schritt weiter als diese mystischen Universal-Religionen: «Es werden irgendwelche Elemente zu Instant-Angeboten und Collagen zusammengefügt und als alte, geheime Traditionen verkauft.»

Ums Verkaufen geht es tatsächlich an der Esonaturamesse. Der Eintritt kostet 18 Franken, doch damit ist noch nichts für die Spiritualität getan. Die Angebote reichen von der Budgetvariante einer Blitz-Lebensberatung für zehn Franken bis zu einer ganzheitlichen Tarotkartenlesung beim Medium Maria Magdalena für über hundert Franken. Den Ausstellern bleibt nicht viel anderes übrig: Bestätigen will es keiner, aber ein Stand an der Messe soll über tausend Franken kosten.

«Man darf nicht alles glauben»

Ich entscheide mich für eine Handlesung für vergleichsweise bescheidene 20 Franken. Meine rechte Hand wird eingescannt, die Lebens-, Herz- und alle anderen Linien werden analysiert, ein Blatt Papier wird ausgedruckt. Das Prozedere dauert knapp fünf Minuten.

Immerhin: Nach der eher ernüchternden Karma-Analyse steht hier, ich sei eine milde und freundliche Person. Allerdings bestehe die Gefahr, dass ich mein früh erworbenes Vermögen verschleudere. Die Handleserin mag mich durchschaut haben, doch dass man mit einem Journalistenlohn nur schwer ein Vermögen anhäufen kann, ist ihr entgangen.

Nach der Karma-Analyse, dem Handlesen und einem Aura-Foto (ohne Beratung) ist mein Spesenbudget längst gesprengt. Erleuchtet fühle ich mich dennoch nicht. Das geht anderen Besuchern ähnlich: «Ich bin ein bisschen enttäuscht», sagt Verena Bartlome.

Die 65-jährige Baslerin gehört zum typischen Publikum: weiblich und in der zweiten Lebenshälfte. Sie und ihre Schwiegertochter sind enttäuscht vom Angebot. «Es hat zu viele Kartenleger und kaum Massagen», sagt die freundliche Rentnerin. Und: «Man darf nicht alles glauben.»

«Esoterik verkauft Markenprodukte», meint Kulturwissenschaftler Picard, «die kann man ganz einfach überprüfen: Wirken sie?» Nach meinem Ausflug an die Esonatura-Messe habe ich da so meine Zweifel.