Grundsätzlich sei gut, dass das Bruderholzspital geschlossen werde. Damit würden Überkapazitäten abgebaut, sagt Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Uni Basel. Aber die Vormachtstellung der öffentlichen Spitäler würde ausgebaut. Deren Marktanteil in der Stadt steigt von 62 auf 72 Prozent, im Kanton Baselland sinkt er von 82 Prozent auf 72 Prozent (dies, weil es auf dem Land weniger Privatspitäler gibt).

«Das bedeutet weniger Wettbewerb», sagt er, weil die Basler und die Baselbieter Spitäler nicht mehr in Konkurrenz zueinander stehen. Dass die freie interkantonale Spitalwahl genutzt werde, zeige die Verschiebung nach Basel-Stadt. «Eine derart hohe Marktmacht eines Anbieters führt – wie wir aus der Forschung wissen – zu höheren Preisen und zu schlechterer Qualität der Versorgung.»

Grosser Verwaltungsapparat

«Grösser heisst nicht unbedingt besser», sagt auch Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Internet-Vergleichsdienst comparis.ch. Und oftmals sei es auch so, dass grosse Spitäler einen überproportional grossen Verwaltungsapparat (Overhead) aufgebaut hätten.

Ausserdem sei die öffentliche Hand in einem Interessenskonflikt. Weil die freie Spitalwahl herrsche, müsse der Kanton im Prinzip auch für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. Kantone, die selber Spitäler betreiben oder bloss besitzen, sind daran interessiert, dass zuerst die eigenen Häuser gute Leistungsaufträge bekommen und mit einem lukrativen Leistungsangebot hohe Fallzahlen erreichen.

«Die Kantone üben im Spitalsektor aber immer noch einen grossen Protektionismus aus.» Im Kanton St. Gallen hat das Stimmvolk rund eine Milliarde Franken für Investitionen in die öffentlichen Spitäler bewilligt. Sollte sich herausstellen, dass die damit finanzierten Überkapazitäten zu Betriebsdefiziten führen, werden diese Spitäler im Gegensatz zu defizitären Privatspitälern nicht einfach vom Markt verschwinden. «Das verhindert den Wettbewerb um Effizienz und Qualität, der eigentlich im Krankenversicherungsgesetz verankert wäre», stellt der Comparis-Experte fest.

Die beiden Gesundheitsdirektoren hätten am Montag ein Strategiepapier vorgestellt, «und Papier ist geduldig», sagt Christine Odermatt, Vorstandsmitglied der Patientenstelle Basel. «Die Umsetzung dieser Strategie ist das A und O.» Naturgemäss seien viele Fragen noch offen. Welcher Schwerpunkt wird wo angeboten? Oder müssen beispielsweise Patientinnen und Patienten von Basel oder Frenkendorf auf das Bruderholz, wenn dereinst nur noch dort Tageschirurgie oder andere ambulante Leistungen angeboten werden sollten? Es gäbe beispielsweise keine direkte öV-Verbindung vom Bahnhof SBB auf das Bruderholz, das wäre dringend nötig. Oder könnten auch Privatspitäler den ambulanten Bereich abdecken? Und, ganz wichtig: Wie frei ist die Spitalwahl? Odermatt geht davon aus, dass es wegen der Schwerpunkt-Aufteilung zwischen den Spitälern wohl zu Einschränkungen der Wahlfreiheit kommen wird. Im Prinzip sei aber die verbesserte Zusammenarbeit dringend notwendig.