Die Debatte rund um steigende Krankenkassenprämien ist hitzig und wird vielseits mit Verve betrieben. Vergangene Woche warf die «Rundschau» des SRF das Schlaglicht auf eine vergleichsweise wenig verhandelte Facette: die Löhne der Chefärzte. Ein grosser Teil der Schweizer Chefärzte verdiene zwischen einer halben Million und 1,5 Millionen Franken jährlich – jeder vierte gar darüber. Möglich machen dies undurchsichtige Vergütungsmodelle für die Halbgötter in Weiss. Kaum ein Medienhaus, das diese Geschichte nicht aufnahm – bot sie doch zum ersten Mal seit langer Zeit Einblick in die Portemonnaies der Chefärzte. Und überdies passt es auch zu einer aktuellen Neidkultur, die sich schnell auf der Ebene von Löhnen abspielt.



Am Ursprung der augenblicklichen Auseinandersetzung steht Urs Klingler. Der Spezialist für Vergütungssysteme hat Daten des Bundesamts für Gesundheit zur Grundlage genommen und dabei 174 Spitäler untersucht. Seinen Bericht reicherte er mit einem «White Paper» an, womit er ein neues Vergütungsmodell für Ärzte vorschlägt.

Unispital top, Claraspital baff

Die bz hat Klingler um Daten gebeten, welche die Spitäler der Region behandeln. Ganz grundsätzlich gilt: Sie bewegen sich nicht ausserhalb des nationalen Durchschnitts sondern folgen den Regeln des Markts. Klingler stuft die Vergütung der Chefarzt-Löhne nur in einem Spital als hoch ein: Das Universitätsspital Basel zahlt besonders gut; nimmt in der Rangliste der bestzahlenden Häuser den sechsten Rang ein. Das ist insofern interessant, da das Unispital auch eine überdurchschnittliche Ärzte-Dichte aufweist. Auf einen Arzt kommen nur 5,43 andere Mitarbeiter. Schon der Blick auf den Rest der Rangliste setzt diese Erkenntnisse aber in einen gewissen Zusammenhang. Auf Platz Zwei (schweizweit: zehn) folgt das Kantonsspital Baselland, zweitgrösstes Spital der Region. «Spitäler dieser Grösse bieten ein breites Spektrum und spezialisierte Eingriffe an, was sich auf die Löhne der Chefärzte auswirkt», sagt Klingler.

Durchschnittslöhne nur für Chefärzte weist er auf Ebene Spitäler nicht aus – nur jenen für das gesamte Spitalpersonal. Dieser aber ist wiederum stark davon abhängig, wie gross der Ärzte-Anteil innerhalb der Belegschaft ist. Das bekam insbesondere das Claraspital zu spüren. In einer anderen Auswertung von Klinglers Erhebungen landete das Spital im Hirzbrunnenquartier plötzlich schweizweit auf den vordersten Plätzen. Dann nämlich, wenn man nur die Löhne der Spitalärzte anschaut. «Wir waren erstaunt über diese Resultate», sagt Sprecherin Trix Sonderegger. Inzwischen hat Klingler den Fehler gefunden: Die Belegärzte gingen vergessen. «Das relativiert das Bild», sagt er. Grundsätzlich stimme aber die Beobachtung, dass das Claraspital seinen Ärzten einen guten Lohn zahle. Eine Feststellung, der auch Sonderegger zustimmt.

Klingler bewege sich mit seinen Berechnungen in einem unglaublich schwer durchschaubaren Themengebiet sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier. «Gerade bei Privatspitälern gibt es zahlreiche Mischformen bei der Anstellung von Ärzten», sagt er.

Dem pflichtet auch Felix Schneuwly bei, Krankenkassen-Experte beim Vergleichdienst Comparis. Die Stossrichtung, Transparenz bei den Ärztesalären zu schaffen, sei grundsätzlich richtig. «Auch der Ärztelohn ist kein Tabuthema», meint er. Es sei aber zu prüfen, wie gross der Einfluss der Löhne für den Prämienzahler sei. «Wichtiger als die Höhe der Einkommen ist die Frage nach der Relation zwischen Fixlohn und Mengenanteil». Darin ist er sich mit Klingler einig: Das Schweizer Gesundheitsmodell schafft falsche Anreize für Ärzte.