SVP Basel-Stadt
Spitze der SVP Basel-Stadt nimmt Anwalt Karl Schweizer ins Visier

Karl Schweizer war der Türöffner für die SVP in das Basler Establishment. Nun ist er in Ungnade gefallen. Der Anwalt und ehemalige UBS-Mann mischt die SVP Basel-Stadt auf.

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Neo-Politiker: Der Riehener Anwalt Karl Schweizer (56).keystone

Neo-Politiker: Der Riehener Anwalt Karl Schweizer (56).keystone

Bis vor zwei Jahren war Karl Schweizer – drKarli, wie er in der ganzen Stadt genannt wird – vor allem in den Klatschspalten der Zeitungen präsent. Seit dem 7. Februar 2010 ist er auch im Politteil anzutreffen. Damals wurde er, der ehemalige Liberale, auf der Liste der SVP in den Einwohnerrat der Gemeinde Riehen gewählt.

Ein Erfolg, der für die SVP Basel-Stadt bedeutender war als für Schweizer selber: Mit dem früheren, langjährigen Leiter des Art-Bankings der UBS bekannte sich erstmals ein Repräsentant des traditionellen bürgerlichen Basels zur Partei. Schweizers Vater, der 1997 verstarb und ebenfalls Karl hiess, war eine anerkannte, dominante Persönlichkeit: als Gewerbler (Elektroinstallations-Geschäft Karl Schweizer AG), Ehrengesellschafter und Präsident der IG Kleinbasel, der er rund 30 Jahre vorstand. Zudem sass er für die Freisinnigen im Grossen Rat. Der «König Kleinbasels» wurde Karl Schweizer senior genannt.

Mitglied unzähliger Vereine

Wenn heute von Karl Schweizer die Rede ist, denken die meisten zuerst an den Vater. Karl Schweizer senior ist allgegenwärtig. Doch auch Karl Schweizer junior hat mittlerweile ein grosses Beziehungsnetz: Bekannt ist, dass der aktive Schnitzelbänggler am Fasnachtsdienstag in der Safran-Zunft jeweils den «Striggede-Ball» organisiert, bei dem zahlreiche Prominenz erscheint. Weniger bekannt ist, dass der 56-Jährige auch Mitglied unzähliger Vereine ist.

Schweizer ist Präsident des Vereins zur Förderung der Theater Fauteuil und Tabourettli. Er ist unter anderem auch in der Akademischen Zunft, dem Wurzengraber Kämmerli und dem Sperber-Kollegium dabei. Zu seinen Freunden zählen der ehemalige UBS-Chef Marcel Ospel oder der Immobilienunternehmer Urs Gribi. Antikenmuseum-Direktor Peter Blome ist sein Schwager. Seine Frau Jenny ist eine geborene Hoffmann. Der Wirtschaftsanwalt Sven Hoffmann ist ihr Cousin.

Vor allem Handels- und Wirtschaftsrecht

Beruflich ist der passionierte Jäger Schweizer seit seinem Abgang bei der UBS als selbstständiger Anwalt tätig. Gemäss eigenen Angaben kümmert er sich vor allem um Fälle im Handels- und Wirtschaftsrecht. Zudem hat Schweizer noch eine Handvoll kleinere Verwaltungsratsmandate. Er ist Verwaltungsratspräsident der C. Hepp AG, eines Bodenbelagunternehmens im Kleinbasel und Überbleibsels der Geschäfte seines Vaters. Die Firma, die in Familienbesitz ist, beschäftigt heute rund ein Dutzend Mitarbeiter. Sein gewichtigstes Mandat ist jedoch die Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der BaZ-Holding, in den er Ende 2011 berufen wurde.

Schweizer gilt als gesellig, nett und auskunftsfreudig. Es heisst aber auch, er heische nach Aufmerksamkeit. Seit Jahren wurde über einen Einstieg in die Politik gemunkelt. Bei der UBS, wo er das von seinem Freund Ospel lancierte Art-Banking aufgebaut und seit 1998 geleitet hatte, war er aber zu stark eingespannt. Erst als unter Oswald Grübel
die Abteilung wieder eingestellt wurde und er die Bank daraufhin verliess, fand er die nötige Zeit für die Politik.

Das Verhältnis zur Parteispitze der SVP wurde nur eineinhalb Jahre nach seinem Einzug in den Riehener Einwohnerrat ein erstes Mal getrübt: Im Wahlkampf für die Nationalratswahlen im Oktober 2011 versuchte er mit einer aufwendigen Kampagne einen Sitz zu ergattern. Der bisherige SVP-Vertreter, Präsident Sebastian Frehner, musste um die Wiederwahl bangen. Dies, zumal Schweizer in seinem «überparteilichen Komitee» auch von Exponenten von LDP und FDP unterstützt wurde. Etwa vom ehemaligen Grossratspräsidenten Peter A. Zahn (LDP) oder vom Riehener Gemeinderat Thomas Meyer (FDP). Wie viel Geld er im Wahlkampf investiert hat, will Schweizer nicht preisgeben. «Mehrere hundert Personen haben mich finanziell unterstützt», sagt er nur.

Frehner konnte seinen Sitz verteidigen, die Partei verlor aber 2,3 Prozentpunkte. Die «verstärkte Konkurrenz innerhalb der SVP-Liste» habe der Partei geschadet, kritisierte der frühere Präsident Jean Henri Dunant danach.

Verhältnis endgültig gestört

Seit einigen Wochen ist das Verhältnis zur Parteispitze endgültig gestört. Schweizer gehörte zu den Putschisten um den früheren Vizepräsidenten Bernhard Madörin, die Frehner von der Parteispitze verdrängen wollten. Der Putsch misslang, und nun muss Schweizer von allen Kritikern am ehesten mit Konsequenzen rechnen. Dunant äussert sich gegenüber dem «Sonntag» wenig begeistert über Schweizer und kündigt an, dass die Parteispitze mit ihm eine Aussprache führen werde. Schweizer will zum Machtkampf nichts sagen. «Wir haben intern abgemacht, dass wir uns nicht äussern», sagt er. Der Aussprache sieht er gelassen entgegen. Für ihn sei die Sache erledigt. «Wir müssen jetzt zusammen nach vorne schauen.»

Schweizers Politkarriere hatte vielversprechend begonnen: Nur wenige Monate nach seiner Wahl in den Riehener Einwohnerrat stieg er zum Fraktionspräsidenten und Kassier der Ortspartei auf. Im Gemeindeparlament gehört er zu den aktiveren Mitgliedern, wie ihm Parlamentskollegen attestieren. Als Fraktionschef führt er den harten Oppositionskurs seiner Vorgänger weiter.

Dennoch findet LDP-Fraktionspräsident Thomas Strahm, der Schweizer bereits aus gemeinsamen Zeiten bei den Jungliberalen kennt, dieser sei eine «Bereicherung» für den Einwohnerrat. Er sei nicht immer diplomatisch, aber gradlinig und offen. «Wenn ihn ein Thema interessiert, dann ist er dabei.» Weniger begeistert tönt es bei EVP-Fraktionspräsidentin Christine Kaufmann. «Steuern senken, Steuern senken, Steuern senken – das ist seine Politik», sagt sie über Schweizer. Sein Vorstoss, mit dem er die Einkommens- und Vermögenssteuern herabsetzen wollte, wurde vom Parlament im Mai 2011 jedoch abgelehnt.

Kampf gegen Naturbad

Für eine Kontroverse gesorgt hatte Schweizer in Riehen auch mit seinem nie enden wollenden Kampf gegen das neue Naturbad. Doch auch hier stand er letztlich auf verlorenem Posten: Die Bevölkerung hiess das Naturbad in einer Referendumsabstimmung im April 2010 gut, ein Jahr später wurde die Volksinitiative für ein klassisches Bad zurückgezogen. Schweizers Engagement gegen das Naturbad gab in Riehen noch aus einem weiteren Grund zu reden: Seine Familie hatte in unmittelbarer Nähe des geplanten Standorts Land.

Dieser Tage weilt Schweizer in den Ferien. Erholung kann er gut gebrauchen, denn die Aussprache mit der Parteispitze könnte ungemütlicher werden, als er denkt. Für einige Exponenten der SVP Basel-Stadt ist drKarli zu einer ernsten Bedrohung geworden.