Die Swiss Indoors 2017 waren ein Grosserfolg. Mit Roger Federer hat der Lokalmatador gewonnen und die zahlreich aufmarschierten Zuschauer waren in der teilsanierten St. Jakobshalle bestens unterhalten. Etwas irritiert waren sie lediglich, als ihr Blick an den neuen LED-Banden um das Spielfeld haften blieb. Da wurde für Unternehmen wie Open Limit und SP Group geworben, von denen sie noch nie gehört haben. Bekannt war immerhin das Chiquita-Label, das für den Bananen-Lieferanten des Turniers steht.

Weshalb Open Limit, ein IT-Unternehmen, als Premium-Sponsor des Tennisturniers auftritt, erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Als börsennotierte Start-up-Firma entwickelt sie Technologien für eine sichere Datenübertragung. An der Deutschen Börse wird die Aktie gehandelt, in Baar bei Zug ist die Holding angesiedelt, in Berlin arbeiten die rund fünfzig Mitarbeiter. Den Basler Bezug stellt der ehemalige FCB-Präsident René C. Jäggi her, der Open Limit bis Mitte Jahr präsidierte und zeitweise grösster Einzelaktionär war.

Der eigentliche Zusammenhang erschliesst sich aus einer Börsenmeldung vom vergangenen April. Demnach hat sich Turnier-Präsident und -Eigner Roger Brennwald im Namen der Swiss Indoors AG mit 4,13 Prozent an der Open Limit beteiligt. Zum damaligen Aktienkurs kostete das Paket rund 460'000 Euro. Ein Teil dieser Summe dürfte nun wieder zurückgeflossen sein. Dies, obwohl die Firma mit Refinanzierungsproblemen kämpft und Mitte Jahr das Führungsgremium ausgewechselt wurde.

Das Loch nach Davidoff

Dass die Swiss Indoors bei der Sponsorensuche nicht wählerisch sein können, ist bekannt. Seit dem Ausstieg des langjährigen Titelsponsors Davidoff im Jahr 2010 ringt Brennwald um neue Grossgeldgeber. Der Basler Tabakhändler hatte zu seinen grosszügigsten Zeiten nicht nur das Musikfestival AVO Session finanziert, sondern bis zu fünf Millionen Franken für das Tennisevent aufgeworfen.

Nachdem Brennwald gescheitert war, in Eigenregie einen Hauptgeldgeber zu finden, übergab er diese Aufgabe 2014 dem Ringier-Konzern. Dessen Vermarktungsgesellschaft Infront startete mit Ambitionen, aber ohne Erfolg. Ende 2016 wurde der Vertrag vorzeitig aufgelöst. Was heisst: Brennwalds Vermarktungsteam hatte wenig Vorlauf, um für die diesjährige Ausgabe genügend Sponsoren zu finden.

Das erklärte Ziel, je zehn Premium- und nationale Sponsoren zu präsentieren, wurde verfehlt. Nach eigener Zählung fanden sich in beiden Kategorien je sieben Firmen. Dass die Abschlüsse dabei offenkundig sehr kurzfristig zustande kamen, zeigt das Beispiel Chiquita: Der Tropenfrucht-Konzern war optisch stark präsent, es reichte aber weder zu einem Eintrag im Swiss-Indoors-Jahrbuch noch zu einer Erwähnung auf der Homepage.

Die objektiven Probleme, genügend Sponsoren zu finden, erklären Experten seit Jahren mit den gleichen Argumenten: Das Turnier hat einen rückläufigen Etat, der von 22 Millionen auf immer noch beachtlichen 18,5 Millionen Franken gesunken ist. Für ein mittelständisches Schweizer Unternehmen sind die Swiss Indoors als Werbeplattform zu gross und zu teuer, für internationale Brands jedoch zu klein. Dazu komme, dass die Sponsoren eine Branchenexklusivität zur Bedingung machen. Wenn nun Roger Federer antritt, so garantiert dies zwar Zuschauer, doch es werben in der St. Jakobshalle weder dessen Sponsoren, noch Konkurrenten von Unternehmen, die Federer unter Vertrag haben.

Das Loch mit Prime Energy

Wie heikel es ist, mit dem Nächstbesten einen Deal abzuschliessen, musste Brennwald bereits schmerzhaft erfahren. Ab 2012 trat die Firma Prime Energy des Basler Unternehmers Laurin Fäh als Premium-Sponsor auf. Nach Zahlungsverspätungen im ersten Jahr fielen die Beiträge im zweiten Jahr gänzlich aus. Der Schaden für die Swiss Indoors betrug 600'000 Franken. Die Firma wurde umbenannt und liquidiert, Fäh im August vom Strafgericht Baselland wegen Urkundenfälschung für schuldig gesprochen. Das Urteil wird angefochten und ist nicht rechtskräftig.

Ob in diesem Jahr alle Sponsoren ihre Beiträge bezahlt haben, wollen die Swiss Indoors ebenso wenig beantworten wie Fragen zu Open Limit oder zur SP Group. Managing Direktor Patrick Ammann erklärt pauschal: «Gemäss vertraglichen Abmachungen mit den Partnern dürfen die Swiss Indoors keine Details zu Sponsoring-Abkommen öffentlich bekannt geben.» Ammann bittet um Verständnis.

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Ein Profiteur des guten Rufes

Die Firma SP Group ist neuerdings Premium-Sponsor der Swiss Indoors. Dass niemand sie kennt, hat seinen Grund.

Die Bilder gingen um die Welt. Roger Federer kämpft am Netz um Spiel, Satz und Match. Dahinter prangt an der Bande der Name: SP Group. Der Werbeauftritt erinnert an ein nobles Finanzinstitut. Im Jahrbuch der Swiss Indoors erklärt Christopher Grunder, Verwaltungsratspräsident der Firma: «Als strategischer Partner investieren wir gemeinsam, strategisch und nachhaltig.»

Vom konkreten Nutzen einer solchen Investition hat Turnierdirektor Roger Brennwald profitiert. Gemäss Medienmitteilung hat ihm die Firma in einer Spielpause feierlich ein Sondermodell der sächsischen Uhrenmanufaktur C. H. Wolf im Wert von 10'000 Franken überreicht. Dort ist die SP Group engagiert, hat sie im Juli vermeldet. Der letzte Eintrag auf der Webseite von C. H. Wolf ist allerdings mehr als ein Jahr alt und die angegebene Telefonnummer ist nicht bedient.

Die SP Group (Europe) AG gibt es in dieser Form erst seit einem Jahr. Beinahe im Monatstakt verbreitet sie Goodnews. Im Juli wurde die Übernahme einer liechtensteinischen Finanzfirma myfactor.io AG vermeldet, im August eine Beteiligung an der Fribourger Sorba Absorber GmbH, die ein Verfahren zur Nutzung von Maisstroh entwickelt habe. Die Beteiligung ist allerdings bis heute nicht amtlich vermerkt.

Cocktails aus der Dose

Im September vermeldet die Firma ein Mandat für The Dance AG, die am 25. Mai 2018 in Zürich einen Grossevent starte. Nicht erwähnt wurde, dass sich Grunders Dachgesellschaft, die Workplan Holding, kurz zuvor an der Firma beteiligt hat.

Auch im Immobilienbereich startet die SP Group durch. Ebenfalls im September übernahm sie ein Mandat für die Park Residenz Appenzellerland, ein seit Jahren hängiges 80-Millionen-Franken-Projekt. Projektführend sei die auch von Grunder geführte Falcon Projects AG. Diese hat zwar eine Website, ist aber nicht im Handelsregister eingetragen.

Andere Aktivitäten sind nicht aufgeführt, obwohl auch sie bemerkenswert sind. Anfang 2016 startete Grunder mit Partnern das Projekt Cocktail4you, das die weltweite Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Cocktails in der Aludose vorsah. In diesem Jahr hätte der Markt in England, den USA, Hongkong und den Philippinen aufgerollt werden sollen, im kommenden Jahr Brasilien. Mitte Jahr hat die Revisionsstelle allerdings per sofort ihr Mandat niedergelegt, da die Firma mit 412'000 Franken überschuldet ist, wie das Konkursgericht Zürich feststellte.

Ungünstig verlief der Geschäftsverlauf auch für Finura Consulting, die Grunder seit 2013 führte. Deren Firmenzweck ähnelt jenem, was die SP Group anbietet, doch das Bezirksgericht Dielsdorf erkannte am 6. Januar 2017 auf Überschuldung, nachdem kurz vor Neujahr die Zwischenbilanz deponiert worden ist.

Mit Diamanten in die Zukunft

Die Gruppe schaut aber nicht zurück, sondern voran. Im Februar übernahm Grunder faktisch die kleine US-amerikanische Sustainable Petrolum Group, die mittlerweile Sustainable Projects Group heisst. Das börsennotierte Unternehmen weist in einer aktuellen Bilanz einen Verlustvortrag von 1,2 Millionen Dollar aus. Doch die Zukunft soll goldig sein. Dazu hat die Gruppe in Kanada 13 Claims mit angeblichem Gold- und Diamantenvorkommen übernommen.

Gemäss Vertrag wird die SP Group auch in den kommenden Jahren Sponsor der Swiss Indoors sein. Ein Fragenkatalog der «Schweiz am Wochenende» wurde von der Gesellschaft über Tage nicht beantwortet.