Die Fan-Kutte, die Museumsleiter Hans-Dieter Gerber in den Händen hält, erzählt eine besondere Geschichte: Sie gehörte einem Mitglied des FCB-Fanclubs Mighty Eagles Schaffhausen. Die FCB-Erfolge der Ära Benthaus zwischen 1965 und 1973 sorgten dafür, dass sich auch in anderen Schweizer Städten FCB-Fangruppierungen wie die Mighty Eagles Schaffhausen bildeten. Die anderen Sticker auf der Fan-Kutte stehen symbolisch für die vielen persönlichen Fanfreundschaften, die der Träger der Kutte im Laufe der Zeit geschlossen hat.

Damit distanziert er sich auch klar von Gewalt. Als sich die Fanszene zunehmend radikalisiert, spaltet sich der heutige Fanclub Bebbi 1982 von den Mighty Eagles Schaffhausen ab.
Diese und zahlreiche weitere FCB-Geschichten schlummern in den Archiven des Sportmuseums. An der Museumsnacht werden einige von ihnen im Begehlager auf dem Dreispitz im Rahmen der Sonderausstellung Mythos Rotblau erzählt. Zahlreiche Gäste aus der FCB-Familie sind geladen. FCB-Historiker Josef Zindel referiert zu 125 Jahren FCB. Barbara Bigler, Direktorin Spielbetrieb, diskutiert mit Beni Pfister vor der Fussballkulturbar Didi Offensiv über die Entwicklung des FC Basel vom Nati-B-Club zum millionenschweren Serienmeister und FCB-Fan Lorenz Schumacher präsentiert seine einzigartige Trikotsammlung.

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«Es ist faszinierend, wie viele FCB-Schätze sich auch im Besitz von Privatpersonen befinden», sagt Pfister. Gemeinsam mit dem Sportmuseum will Pfister am Freitag aufzeigen, wie viele unterschiedliche Player sich mit dem Mythos Rotblau auseinandersetzen.

Ein letztes Aufbäumen?

In diesem Jahr könnte das Sportmuseum zum letzten Mal Teil der Museumsnacht sein. Denn nach der Absage des Historischen Museums hängt die Zukunft des Sportmuseums am seidenen Faden. Bis 2019 kann der Betrieb mit 1,7 Stellen auf Sparflamme weiterbestehen. Dann zahlt nur noch Swiss Olympic und diese Gelder reichen nicht mal für die Miete. «Die Museumsstrategie sieht Sport als historisch unwichtig an», sagt Gerber.

Aufgeben will er aber nicht. Das Potenzial für ein funktionierendes Sportmuseum sei vorhanden. «Doch ohne Investitionen lässt es sich nicht entfalten», so Gerber. Ende Januar suchen die Verantwortlichen deswegen in einem zweitägigen Workshop mit interessierten Kreisen eine Lösung. Private Investoren, Standortwechsel und Regionalisierung sind im Gespräch. Sollte sich am Ende aber keine Lösung finden, ist das Sportmuseum 2019 Geschichte.

Was viele nicht wussten: Vom Sportmuseum-Aus wäre auch der FC Basel betroffen. Denn die meisten Ausstellungsobjekte im FCB-Museum sind dauerhafte Leihgaben von Dritten, die dem Sportmuseum zur Verfügung gestellt wurden. Damit die Vitrinen im Joggeli nicht plötzlich leer sind, müsste der FCB mit den Betroffenen neue Leihverträge aushandeln. Das dürfte kaum ein Problem darstellen. Sorgen macht sich das Sportmuseum auch, um die Bewirtschaftung des FCB-Archivs. Denn das Sportmuseum hat sämtliche Dokumente, die ab 1893 bis in die 1980er-Jahre auf dem Estrich des alten Landhofs abgelegt wurden, archiviert. Ohne Sportmuseum könnten die Bestände im Staatsarchiv Basel-Stadt versauern. «Da sind schon viele Kuriositäten drin», sagt Gerber und erzählt von Langrauchwettbewerb unter FCBlern, von der FCB-Kegelsektion und vom Feldberg-Cup, der einmal im Jahr auf schrägem Terrain ausgeführt wurde.

Gerber könnte wohl noch ewig weiterplaudern, wäre da nicht die unsichere Zukunft. Obwohl das Ausstellungsmaterial da ist, will er das Sportmuseum nicht in ein reines FCB-Museum verwandeln. «Wenn wir nur noch auf den FCB und Roger Federer setzten, ist das schon eine kreative Auslegung des Stiftungszwecks», sagt Gerber.

Ausbaufähiges FCB-Museum

Auch Pfister sorgt sich um den Erhalt der FCB-Historie und bringt einen Ausbau des FCB-Museums ins Spiel: «Das im Fanshop versteckte Museum ist für die Fan-Bindung in Basel sicherlich nicht optimal. Das machen viele Vereine in Europa deutlich besser.» Zusammen mit dem Sportmuseum würde Pfister bei einem Interesse des FCB an einem Ausbau auch gerne mithelfen. Der FC Basel selbst konnte gestern noch keine Stellung beziehen.