Untreue
Sprachschul-Chef lebt in Saus und Braus mit veruntreutem Geld

Über Jahre hat ein Geschäftsführer der Sprachschule «The Cambridge Institute» über eine halbe Millionen Franken abgezweigt. Das Basler Strafgericht verurteilte der Mann nun zu einem drei Jahren Gefängnis, 12 Monate davon muss er absitzen.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Der Mann zügelte 600000 Franken aus der Firma ab - um sich ein Luxus-Leben zu finanzieren.

Der Mann zügelte 600000 Franken aus der Firma ab - um sich ein Luxus-Leben zu finanzieren.

Keystone

Er hat seinen ehemaligen Arbeitgeber über Jahre hinweg um rund 600 000 Franken betrogen: Der 49-jährige Angeklagte hatte mit viel Kreativität als Geschäftsführer der Basler Sprachschule «The Cambridge Institute» Firmengelder für seinen luxuriösen Lebensstil verwendet. Das Basler Strafgericht verurteilte ihn deshalb gestern wegen gewerbsmässigen Betruges, Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Ein Jahr unbedingt

Von der gesamten Freiheitsstrafe von drei Jahren sprach das Dreiergericht ein Jahr unbedingt aus -- diese zwölf Monate wird der Mann allerdings wohl zu Hause mit der elektronischen Fussfessel absitzen können. Ausserordentlich lang ist die verhängte Probezeit von fünf Jahren -- bei einem erneuten Betrugsfall innerhalb dieser Frist müsste er die gesamte Freiheitsstrafe von drei Jahren absitzen. In diesem Punkt ging das Gericht weit über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

«Ihnen fehlt jede Einsicht und jede Reue», sagte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone gestern in der Urteilsbegründung. Die Prognose sei schlecht, und deshalb müsste man eigentlich die ganze Strafe unbedingt aussprechen. Allerdings wäre er nach drei Jahren im Gefängnis finanziell völlig ruiniert und der Anreiz für Vermögensdelikte dann wohl noch grösser. «Allein dieser Gedanke hat uns dazu bewogen, ihnen den bedingten Vollzug für einen Teil der Strafe zu gewähren», sagte Giovannone.

600 000 Franken Schaden

Auch die hängige Zivilforderung setzte das Gericht direkt durch: Er muss rund 600 000 Franken an seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückbezahlen. Als Schulleiter hatte er sich die Kurskosten per Einzahlungsschein jeweils auf sein privates Konto überweisen lassen -- erst nach vielen Jahren flog das System durch die Rückfrage eines irritierten Kunden auf. Auch Werbung für die Kurse im Betrag von rund 70 000 Franken zahlte er über seine private Kreditkarte und liess sich über 300 000 Franken von der Firma zurückerstatten.

Der Angeklagte betonte, alle Bezüge seien mit dem Firmeninhaber abgesprochen gewesen. Zudem habe er aus einem früheren Konkurs noch Forderungen offen, zudem habe sich der heutige Firmeninhaber nicht an einen Vorvertrag gehalten. In der Firma sei es üblich gewesen, Beträge in bar an der Buchhaltung «vorbei» zu begleichen. Das Gericht akzeptierte diese Argumenten nicht. «Sie haben neun Jahre lang, wo sie nur konnten, Geld für sich abgezweigt», resümierte Giovannone. Wiederholt war vor Gericht die Rede vom Einfamilienhaus des Angeklagten an bester Lage mit Swimmingpool, trotz seiner hohen Schulden. Der Verurteilte wird den Schuldspruch wohl an die nächste Instanz weiterziehen. Derzeit arbeitet er wieder an einer Sprachschule – wieder in leitender Funktion.