Der Rhein ist grün und rot: Zumindest auf dem Flyer der Polizei, der sich an die Rheinschwimmer richtet. Grün bedeutet Schwimmzone, rot markiert die Gefahrenzone. David (Name geändert) ist soeben in den roten Bereich gehüpft. Er grilliert mit Freunden im Hafengebiet und kühlt sich auch dort im Rhein ab. «Mir war nicht bewusst, dass man hier nicht schwimmen darf. Von einem Verbot habe ich bislang nichts gewusst», sagt er. Er bade oft entlang der Uferstrasse. «Mir gefällt das Ambiente hier. Zudem hat es weniger Menschen als weiter oberhalb im Rhein», sagt David.

Die Hafenbars «Marina», das «Patschifig» oder die «Landestelle» sind schon lange keine Geheimtipps mehr, um laue Sommerabende zu verbringen. Dennoch sitzen die Gäste hier nicht wie auf einer Perlenschnur aufgereiht –, so wie das an den Stadtpromenaden der Fall ist. Auf ein Bad im Rhein wollen viele von ihnen nicht verzichten. Trotz Gefahrenzone. Denn so stuft die Polizei den gesamten Abschnitt nach der Dreirosenbrücke ein. Neben Hindernissen unter der Wasseroberfläche und Untiefen in Ufernähe sei der Hafenbereich vor allem wegen des Schiffverkehrs heikel. «Im oberen Teil der Uferstrasse befinden sich Anlegeplätze für Frachtschiffe. Diese manövrieren dort und stellen für Schwimmerinnen und Schwimmer eine Gefahr dar. Weiter flussabwärts befindet sich ein Steg, an welchem Lotsenboote anlegen und manövrieren», sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel. 

Ein Bad ist an den grünen Stellen erlaubt. Rot markiert die Gefahrenzone.

Ein Bad ist an den grünen Stellen erlaubt. Rot markiert die Gefahrenzone.

Diese beurteilt auch Rebecca Gröli als problematisch. Gemäss der Vizepräsidentin der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) darf insbesondere der Transportverkehr nicht unterschätzt werden, wie sie sagt: «Frachtschiffe bergen für Badende verschiedene Gefahren: Rotierende Schiffsschrauben, Kapitäne, die in verschiedenen toten Winkeln die Schwimmer nicht sehen. Aber auch bei festgemachten Schiffen können sich die Schwimmer an den für sie unsichtbare Ketten verletzten.» Die SLRG-Vizepräsidentin verweist auf den Flyer der Polizei, der die Schwimmzonen aufzeigt: «Die Wegleitung der Polizei ist eindeutig. Daran sollten sich die Rheinschwimmer auch halten.» Wer sich im Rhein abkühlt, sollte im Vorfeld die Informationen durchlesen, empfiehlt Rebecca Gröli, denn: «Ein Fluss birgt Gefahren.»

Wie gross diese sein können, zeigten in der vergangenen Woche zwei tragische Badeunfälle auf. Einer davon ereignete sich im Bereich Ufer- und Westquaistrasse. Dabei wurde ein junger Mann unter die Wasseroberfläche gezogen. Er konnte nur noch tot geborgen werden (bz berichtete). Ob dieser Unfall im Zusammenhang mit der markierten Gefahrenzone steht, ist noch unklar. Der Grund für den Unfall sei Gegenstand der Ermittlungen, sagt Andreas Knuchel.

Auch wenn das Hafenareal mehr Leute anzieht, werde dies am Schwimmverbot nichts ändern. «Aufgrund der Ausgangslage ist eine Aufhebung in diesem Bereich zur Zeit kein Thema», sagt der Polizeisprecher.