Herr Eitel, worüber sprechen wir?

Jan Eitel: Über «Wind». Da hat es das Schicksal aber gut gemeint mit meinem Griff ins Nähkästchen. Wind ist mein steter Wegbegleiter. Meine Eltern waren im Segelclub, ich sass mit vier Jahren bereits im «Optimist», einer kleinen Jolle. Später bin ich zum Windsurfen gewechselt.

Weil es cooler war und bei den Mädchen besser ankam?

(lacht) Nein. Das Faszinierende war für mich die Schnelligkeit. Mit 14 habe ich die ersten Regatten gesurft und war wettkampfmässig bis zum Studium unterwegs. Dann wurde der Sport zur Materialschlacht. Das konnte ich mir als Student nicht mehr leisten. Zudem wurde der zeitliche Aufwand zu gross. Jetzt surfe ich noch hobbymässig. In einer Woche fahre ich zum Beispiel wieder mal nach Südfrankreich. Daher auch meine Faszination fürs Wetter. Man geht ja nur segeln oder surfen, wenn die Wetterbedingungen entsprechend sind.

Wie windig darf es auf dem Wasser sein, ehe Ihnen mulmig wird?

Beim Surfen verträgt es mehr als beim Segeln. Ich gehe zum Teil bei Föhn auf den Urnersee oder nach Südfrankreich bei Mistral, da herrschen Sturmstärken. Mein Rekord liegt bei einem Föhnsturm zwischen 100 und 130 Kilometern pro Stunde. Das war ruppig und nicht mehr schön. Ich kann mich auch an den Sturm Lothar erinnern vor der Jahrtausendwende. Wir waren auf einem Surftrip im Mittelmeer, es war ein ziemlicher Kampf. Mir brach das Brett, einen anderen mussten wir aus dem Wasser holen.

Waren Sie selber auch mal in Gefahr?

Ja, ein paar Mal. Vor Lissabon wurde ich einmal von vielen Wellen gewaschen. Ich hatte keine Kraft mehr, verlor mein Material und konnte nur mit Mühe an Land schwimmen. Ein anderes Mal war ich alleine unterwegs auf dem Neuenburgersee. Ich stürzte bei einem Sprung, dabei verfing sich mein Fuss zwischen dem Mast und dem Band, an dem man den Mast hochziehen kann. Ich war gefesselt und musste mich freistrampeln. Da hatte ich echt Panik. Als ich zurück an Land war, kaufte ich mir einen Fernseher. Ich musste mich ablenken, denn das war mir eingefahren.

Sind Sie allgemein der Adrenalin-Typ?

Es gibt sicher Dinge, wo ich Gas gebe. Beim Skifahren und beim Snowboarden war ich immer ein bisschen der Draufgängertyp. Aber ich muss die Kontrolle haben und vertraue der Technik nicht. Fallschirmspringen oder Bungeejumpen würde ich nie. Und vom Dreimeter-Sprungbrett würde ich auch nicht springen. Einmal, da sprang ich von der Schwarzwälderbrücke in den Rhein. Aber da war Gruppenzwang dabei.

Es ist ja auch nicht jedermanns Sache, vor die Kamera zu stehen und zu einem Millionenpublikum zu sprechen.

Grundsätzlich war ich ein schüchternes Kind. Ich traute mich in der Beiz nicht einmal, Ketchup oder Salz zu bestellen. Meine ein Jahr jüngere Schwester hat das für mich erledigt; das war jeweils ziemlich demütigend. Im Studium habe ich dann gelernt, Vorträge zu halten und vor Leute zu stehen. Als ich beim SRF anfing, habe ich immer gehofft, ich könne etwas im Hintergrund machen. Ich hab mich nicht vor die Kamera gedrängt, sondern bin da langsam reingerutscht. Anfangs habe ich die Mittagssendung gemacht, da schauen ja viel weniger Menschen zu. Man stellt sich beim Moderieren nicht vor, dass da eine Million Menschen zuschauen. Man steht ganz einsam auf dem Dach. Man sagt ja, man solle sich vorstellen, dass man mit dem eigenen Kind spricht. Ich hatte zu meinen Anfangszeiten noch keine Kinder und hab mir einfach immer den Göttibueb vorgestellt.

Sind Sie immer in der Lage, aus dem Stegreif eine Wettervorhersage zu machen?

Das krieg ich hin, auch wenn ich wie jetzt zwei Tage frei hatte. Wir haben jetzt Föhn und zehn Hektopascal Druckunterschied zwischen Lugano und Zürich, was 80 bis 100 km/h Windböen im Urner Reusstal, im Haslital oder auch im Sernftal zur Folge hat. Hier in Basel werden wir davon nur gestreift ...

... gut, den Test haben Sie bestanden. Andere Frage: Könnten Sie sich vorstellen, diesen Job bis 65 zu machen?

Er macht mir wirklich immer noch Freude, weil das Wetter jeden Tag etwas anderes macht. Das Einzige, was mir zu schaffen macht, ist der Arbeitsweg. Mit dem Auto bin ich letztlich schneller, weil der Verkehr abends nach der Sendung nicht mehr so schlimm ist. Wenn ich in der Region Basel so etwas machen könnte, dann wäre das der absolute Traum. Aber das ist nicht möglich.

Und ein Umzug nach Zürich wäre für Sie kein Thema?

Meine Frau und ich mussten uns entscheiden. Auch sie ist in der Region verwurzelt, hat in Oberwil ihre Zahnarztpraxis. Unsere Eltern sind hier und können uns helfen, auf die beiden Kinder aufzupassen. Wir fühlen uns hier in der Region wohl. Ich gehe im Sommer auch gerne im Rhein baden, meine Mutter wohnt im Kleinbasel. Ich könnte den Zürcher Groove nicht wirklich mitmachen. Zürich tickt schon anders.