Vor einem Jahr bespielte die Kunstmesse den Münsterhügel mit verschiedenen Installationen international renommierter Künstler. Es gab noch Anfangsschwierigkeiten. Dieses Jahr wird das St.-Alban-Tal bespielt und ist jedem öffentlich zugänglich. Die Installationen sind genauer noch auf die Spielorte hin konzipiert. Man kann bereits am Nachmittag St.Alban über die Kunst ganz neu entdecken – und man erhält Zugang zum schmucken Barockgarten der Christoph Merian Stiftung mit bezauberndem Blick auf den Rhein.

Wir beginnen mit dem Parcoursschluss, mit der starken Installation «Fairytale People« des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, die er 2007 für die Documenta 12 in Kassel geschaffen hat. Beklemmend wirkt an den Fotografien der 1001 nach Kassel an die Dokumenta gereisten Chinesen schon das Wissen, dass Ai Weiwei als Regimekritiker im Gefängnis steckt. Die Art ehrt mit der Installation auf eindrückliche Weise den politischen Künstler. Zudem scheinen die Fotografien geradezu für die alte Stadtmauer gemacht: Die Chinesen konnten für kurz den sie symbolisch umgebenden Mauern entfliehen. Auch das erzählen ihre Gesichter.

Exotische Atmosphäre am Rhein

Spaziert man auf der Rheinpromenade vor dem Restaurant zum Goldenen Sternen, glaubt man sich in eine andere Welt versetzt. In den Bäumen hangen Ynka Shonibares farbige Drachen. Sie scheinen zu fliegen und sind doch festgemacht. Zur exotischen Atmosphäre tragen zudem die von Federico Herrero aus Costa Rica in fröhlichen Farben bemalten Fischerhäuser bei. Jede ist für sich ein kleines Kunstwerk.

Im Untergrund, im Reservoir am St.-Alban-Rheinweg haben die Kanadier Janet Cardiff « George Bures Miller eine «Blue Hawai Bar» eingerichtet: ein frappierendes Paradox. Sie verlegen die Barwelt in die blau ausgeleuchtete Unterwelt und assoziieren über die Musik an David Lynchs abgründigen Film «Blue Velvet».

Spiel mit Räumen und Orten

Ugo Rondinone platziert im Hof der St.-Alban-Kirche drei Monumentalskulpturen «Scholar Rocks». Sie gleichen im steinernen Material so sehr der Kirchenfassade, als wären beide aus dem gleichen Stein gefertigt. Sie erzählen von Erosion, von Verwitterung, passen auch darin punktgenau zur Kirche. Der Mittelgang der Kirche ist von Kris Martin mit Kupferkonfetti übersät. «Festum II» schafft die Atmosphäre einer vergangenen sakralen Feier, wird damit durch abgestandenen Weihrauchgeruch unterstützt.

Von wunderbarer Ironie ist Anne Chus «A resting Place with William Tell» im altehrwürdigen Haus zum Hohen Dolder mit alten Fahnen. Im oberen Raum steht eine Tellenfigur aus Holz und Filz mit Pfeilbogen. Dahinter liegt ein Apfelhaufen auf dem Tisch. Ein Hinweis auf die hier hochgehaltenen alten Schweizer Mythen von herrlichem Schalk.

Der Kolumbianer Gabriel Sierra inszeniert neue offene Räume im Raum 33 an der St.Alban Vorstadt, gibt dem Haus etwas Theatralisches. Und der US-Künstler Joan Jonas bespielt das Häuschen im barocken Garten der CMS mit der Videoarbeit «Under the Glacier». Sie erzählt anhand übereinanderprojizierter Gletscherbilder und Zeichnungen von Bergformationen ein Stück Naturgeschichte. Wenn das Video Tiefen des Wassers zeigt – sehen wir uns am Rhein, der unter uns durchfliesst.

Art Parcours St.-Alban-Tal, bis 18.6. bis 22 Uhr, am 19.6. bis 19 Uhr.
Art Parcours Night 16.6. ab 21 Uhr.