Grosse Pläne

St. Jakobshalle soll auf die Karte der Grossveranstalter

Von «Musikantenstadl» bis Kampfsport: Auch in der sanierten Halle soll die ganz Bandbreite Platz finden.

Von «Musikantenstadl» bis Kampfsport: Auch in der sanierten Halle soll die ganz Bandbreite Platz finden.

Der alte und neue Geschäftsführer der St. Jakobshalle, Thomas Kastl, hat das Ziel, mehr grosse Konzerte nach Basel zu bringen. Er setzt auf eine grosse Bandbreite bei allen Anlässen, von Musikantenstadl bis Kampfsport.

Herr Kastl, Ihre Rückkehr nach Basel wurde teils von kritischen Tönen begleitet. Wie haben Sie sich eingelebt?

Thomas Kastl: Ich wurde extrem positiv empfangen und habe ein tolles Team. Weil ich schon einmal da war, hatte ich kaum Einarbeitungszeit. Ich konnte mich auch noch als Experte in die Jury-Arbeit einbringen.

Was halten Sie vom Siegerprojekt für die Sanierung?

Ich bin bautechnisch gesehen ein Laie, aber nach meinem Geschmack hat das Schönste und aus Betreibersicht beste Projekt gewonnen.

Im Vorfeld haben Sie gefordert, es müssten deutlich mehr Plätze gegenüber heute geschaffen werden.

Bezüglich der Zuschauer standen falsche Zahlen im Raum. Wenn man die heutigen Vorgaben anschaut, wären es zwischen 7600 und 8300. In dem Segment gibt es keinen Markt für eine grosse Arena. Darum war ich der Meinung, wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, müssen deutlich mehr Leute rein. Ein Problem war, dass man den VIP- und Logen-Bereich abschaffen wollte mit dem Argument, den brauche es nicht. Das ist Quatsch. Die wichtigsten Hallen von Europa machen über 50 Prozent ihrer Einnahmen in dem Bereich. Es ist für uns essenziell, das aufzubauen und das wird nun möglich.

Diese Woche haben Sie ein exklusives Schweizer Konzert angekündet, die Show der Queens of the Stone Age. Ihr Verdienst oder ist das ein Erbstück von Ihrem Vorgänger?

Es wäre einfach zu sagen, die habe ich geholt. Aber das macht niemand, Konzerte holt man nicht, nicht ich und nicht mein Vorgänger. Der Markt funktioniert anders. Eine Show kommt, wenn das Datum und die Bedingungen passen. Enorm wichtig ist, dass man seine Kontakte zu den Anbietern, zu den Kunden, pflegt. Du brauchst ein Team, auf das der Anbieter vertraut. Der Agent sitzt vielleicht in London und hat eine Route, auf der die Trucks zum Beispiel für die Show von Madonna unterwegs sind. Dann schaut er, wer welchen Preis hat und wie viel Kapazität, manchmal kann dann der Künstler mitreden, ob er nach Basel oder Zürich will. Ist Zürich belegt, kriegen wir eine Chance.

Wer sollte aus Ihrer Sicht unbedingt nach Basel kommen?

Da gibts von mir keine Namen. Ich werde viel daransetzen, dass wir 10, 20 oder mehr Konzerte haben werden. Ein Konzert beginnt bei mir bei über 8000 Leuten. Wir verhandeln mit zwei der grössten Schweizer Veranstalter, Good News/ABC und Appalloza. Die waren auch an der Projektvernissage, das zeigt ihr grosses Interesse. Ich sehe es als meine Aufgabe, einen bedeutenden Teil der Grossveranstaltungsszene zu holen, damit die Basler nicht für jedes Konzert nach Zürich müssen.

Was sind die Schwierigkeiten?

Basel.

Wie meinen Sie das?

Wir sind nicht London, Paris oder Amsterdam. Wir sind Basel. «Noch nie gehört», heisst es oft. Wir haben die grösste Schmuckmesse, die grösste Kunstmesse, einen nicht ganz unbekannten Fussballclub. Aber im Vergleich zu Zürich kennt man uns nicht, obwohl wir nicht so viel kleiner sind. Wir müssen auf die europäische Landkarte der Veranstalter und da arbeiten wir daran.

Basel ist aus Veranstaltersicht Provinz. Was hat Sie gereizt, zurückzukommen?

Ich bin ein absoluter Basel-Fan, ich bin seit 28 Jahren in der Region. Basel hat Charme, ohne diesen gross auszuspielen, ein gewisses Understatement beinahe. Aber wenn ich das nüchtern analysiere, sind wir nur eine Stadt mit 172 000 Einwohnern. Das hat Konsequenzen. Wenn wir das Einzugsgebiet vergrössern könnten, einen Teil des Elsasses und vielleicht von Deutschland...

Das funktionierte bisher nicht.

Stimmt, aber noch hat es kein Veranstalter professionell versucht. Es ist nicht einfach und es ist riskant. Täglich fahren 37 000 Leute aus dem Elsass nach Basel zur Arbeit. Da soll mir niemand erzählen, dass einige von diesen nicht auch zum Konzert eines französischen Künstlers wie Christopher May kommen würden.

Werden Sie ins Elsass expandieren?

Ich will es versuchen. Ich bin in Gesprächen mit einem Veranstalter aus der Westschweiz. Ich möchte ein paar Testballone fahren. Aber es ist schwierig. Da spielt natürlich auch der starke Franken eine Rolle.

Wird Kampfsport wieder ein Thema?

Wenn der Markt das her gibt und die Zuschauer das sehen wollen. Ich hätte Freude an einem Kampfsportgefäss. Ich möchte die ganze Bandbreite abdecken, vom «Musikantenstadl» bis zum Kampfsportevent.

Bevor Sie durchstarten, kommt der Umbau. Macht Ihnen das keine Bauchschmerzen?

Nein. Die Freude an der Sanierung ist viel zu gross. Es macht ein nüchternes Einplanen von sehr viel Arbeit nötig und Respekt haben wir schon. Wir haben jetzt noch ein Kalenderjahr, dann werden wir den Kunden nur noch eingeschränkte Zeiträume anbieten können, was nicht den Regeln des Marktes entspricht. Aber wir freuen uns aufs Eröffnen 2017. Dann können wir hoffentlich mit einer spektakulären Veranstaltung Europa zeigen, dass es uns gibt.

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