Wagenplatz
Staatliches «Ultimatum» ist abgelaufen – Wagenleute bleiben stur

Die Besetzer, also die Wagenleute, denken nicht daran, die Fläche wie gefordert um die Hälfte zu reduzieren. Denn die Kunstmesse Scope und der Verein Shift Mode haben den Platz legal gemietet und werden bald mit dem Aufbau beginnen.

Martina Rutschmann
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Die Open-Air-Stube am Hafen wird nur weiterhin geduldet, ...
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«Hafenplatz halbieren?»: Das wollen die Wagenleute nicht.
... wenn die Sofas zusammenrücken.
Bis jetzt machen die Wagenleute noch keine Anstalten, sich zu bewegen.
Am vergangenen Sonntag demonstrierten sie.
Die Wagenleute machen den Platz nicht frei
Was sie vom Staat halten, zeigen sie offen.
Der Verein Shift Mode und die Messe Scope haben den Platz legal gemietet, im Gegensatz zu den Wagenleuten.
Shift Mode sucht immer wieder den Kontakt zu den Wagenleuten, ohne Erfolg.

Die Open-Air-Stube am Hafen wird nur weiterhin geduldet, ...

Roland Schmid

Sie wollen ihren Traum von alternativem Wohnen in der Stadt verwirklichen. Und die Regierung hilft ihnen dabei, indem sie bereit ist, die illegale Besetzung an der Uferstrasse bis auf Weiteres zu dulden. Das teilte die Regierung Mitte April mit. Einzige Bedingung: Die Wohnwagen-Bewohner müssen «ihre» Fläche von aktuell gut 5000 Quadratmetern bis zum 26. Mai um die Hälfte reduzieren, um den legalen, zahlenden Mietern der restlichen Fläche Platz zu machen. 26. Mai? Richtig! Das war gestern Montag.

Und was ist passiert? Nichts.

Die Polizei hat bisher jedoch keinen Auftrag von den Zuständigen in der Verwaltung erhalten, das Gelände zu räumen. Die Besetzer ihrerseits machen trotz der verstrichenen Frist keine Anstalten, diese Aufgabe selber in die Hand zu nehmen. An einer Demo machten sie am Sonntag klar, dass sie nicht vor haben, sich an die Steuer ihrer Wohnwagen zu setzen und diese zusammenzurücken, um weiter gratis auf einer Fläche zu leben, die eigentlich nicht für Wohnaktivitäten gedacht ist und darum nicht legalisiert werden könnte – selbst wenn der Staat es so wollte.

«Wagenplatz bleibt!», skandieren die Besetzer stattdessen und teilen dies auf Transparenten rund um ihre «Wagenburg» mit. Ihrer Meinung nach reichen 2500 Quadratmeter nicht aus für ihre Vision von Wohnen und Alternativkultur. Aktuell leben dort fest 13 Personen, was 400 Quadratmeter pro Kopf bedeutet. Würden die Bewohner der amtlichen Aufforderung nachkommen und ihre Fläche halbieren, wären es noch knapp 200 Quadratmeter pro Person.

Vor drei Wochen war man bei der Verwaltung noch zuversichtlich, dass die Wagenleute ihre Fläche fristgerecht reduzieren: «Sollten sie wider Erwarten den Goodwill der Regierung nicht respektieren, müssten wir Konsequenzen ziehen», sagte damals Roland Frank vom Präsidialdepartement zur bz. Das Wort «Räumung» fiel vonseiten Staat nicht – bis heute nicht. Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt sagte am Montag nur: «Wir führen noch Gespräche.» Die Bedingungen würden nicht geändert.

Die Einzigen, die von Räumung sprechen, sind die Wagenleute selber. Allerdings richten sie die damit verbundenen Ängste und Anfeindungen an die falschen Adressaten. Die Leidtragenden sind mit dem Verein Shift Mode und der Messe Scope die legalen Mieter der Hauptfläche der betroffenen Brache. Sie werden mit E-Mails von Wagenplatz-Sympathisanten überhäuft. «Zeigt gesunden Menschenverstand und sprecht offen mit Euren Mitmenschen! Und klagt um Gotteswillen nicht!», heisst es da.

Scope baut in wenigen Tagen auf

Was die E-Mail-Schreiber offensichtlich nicht wissen: Die Verantwortlichen des Vereins Shift Mode, der die Brache per 1. Mai für eine Zwischennutzung legal gemietet hat, haben allein in der vergangenen Woche vier Gespräche mit Wagenleuten geführt und sie ermutigt, ihre Kulturprojekte legal auf dem Shift-Mode-Platz fortzusetzen – was die Wagenleute jedoch ablehnten.

Weder der Verein Shift Mode, noch deren «Untermieter» Scope haben vor, zu klagen. «Es handelt sich um einen Konflikt zwischen dem Kanton und den Wagenleuten, wir haben damit nichts zu tun», sagt Patrick Tschan von Scope. Tom Brunner von Shift Mode betont, dass es von Anfang an Sache des Kantons war, sich mit den Wagenleuten zu einigen. «Wir wollten uns bewusst heraushalten, auch im Sinne einer guten Nachbarschaft.»

Diese Nachbarschaft ist arg ramponiert, sehen die Wagenleute doch den Verein Shift Mode als Übeltäter. Was die Scope betrifft, so monieren sie, diese würde einen Teil der gemieteten Fläche «nur» als Parkplatz benutzen wollen. Fakt ist: Scope hat eine Fläche von 6000 Quadratmetern und eine zusätzliche Fläche als Umschlagsplatz gemietet - der Vertrag gilt seit Montag. In wenigen Tagen beginnt der Aufbau für die Messe.

Patrick Tschan vergleicht die Situation mit einer Mietwohnung: «Wenn ich diese beziehen will und noch andere Mieter dort sind, rufe ich den Hausbesitzer an.» Das werde er tun, sofern die Wagenleute bis zum Aufbau nach wie vor auf einer grösseren Fläche hausen, als auf den zugesicherten 2500 Quadratmetern. Shift Mode will erste Projekte starten, sobald die Scope vorbei ist.

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