Insinuiert wird: Jeder Staatsangestellte ist einer zu viel, weil er uns Bürgern auf der Tasche sitzt.

Ist das so? Heissen Staatsangestellte nur anders, sind aber in Wirklichkeit immer noch Beamte mit Schirmmütze, Ärmelschoner und Pensionsgarantie? Wäre ein schlankerer Staat nicht besser, agiler – und vor allem günstiger? Gerade aus der Sicht einer Republik sind diese Tendenzen höchst problematisch. Es beginnt damit, dass der Staat als etwas ausserhalb der Bürger gesehen wird. Das ist absurd: Es ist die Gesamtheit der Bürger, die den Staat bildet. Wir sind der Staat, niemand anders. In der Schweiz haben wir, die Bürger, auch das Recht und die Macht, jederzeit ins Gefüge dieses unseres Staates einzugreifen.

Weil wir Bürger den Staat bilden, ist es höchst problematisch, den Staatsdienst zu ächten. Es handelt sich dabei nämlich um nichts anderes als um Dienst am Bürger, an der Allgemeinheit. Preussens König Friedrich II. erhob dieses Gemeinwohl zum höchsten Ziel und sah sich selbst lediglich als ersten Diener des Staates. Dienst an der Allgemeinheit im Sinne solcher Staatsdiener leisten zweifellos Polizisten und Richter, Kindergärtner und Krankenschwestern, Strassenwischer und Steuerbeamte. Einige davon können ihre Arbeit nur neutral ausüben, wenn sie vor dem Zugriff von Politikern gut geschützt sind. Ein Polizist muss etwa dem Stadtpräsidenten eine Parkbusse geben können, ohne seine Entlassung zu fürchten. Eine Lehrerin muss den unflätigen Sohn einer Politikerin strafen können, ohne selbst bestraft zu werden. Staatsangestellte hatten deshalb lange einen besonderen Status und sind auch heute noch zum Teil gut geschützt. Wir bezahlen diese Staatsdiener mit Vorteil auch so gut, dass sie nicht auf private «Zuwendungen» angewiesen sind.

Warum aber ist es sinnvoll, dass die Mitarbeiter des Kunstmuseums oder der archäologischen Bodenforschung beim Staat angestellt sind? Weil sie Aufgaben haben, die im Interesse der Allgemeinheit sind, sich aber im Einzelnen nicht lohnen. Archäologen etwa müssen manchmal Bauarbeiten aufhalten und richten damit finanziellen Schaden an. Im Dienst der Allgemeinheit arbeiten sie trotzdem. Das Kunstmuseum macht mehr als nur Flaggschiffausstellungen mit hohen Einschaltquoten. Es sorgt für die Erhaltung von über 5000 Bildern. Und warum kümmert sich der Staat um das Theater? Weil es im Interesse der Allgemeinheit ist. Die Weisen und die Hofnarren haben immer auch zum Hofstaat gehört, weil sie eine für die Allgemeinheit wichtige Aufgabe erfüllen – auch wenn sie dabei viele verärgern.

Staatsangestellte sind längst keine Beamten mit Schirmmütze und Ärmelschoner mehr. Aber es sind immer noch Diener der Allgemeinheit, Menschen im Dienst von uns Bürgern. Wir Bürger schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir unsere Diener schlechtmachen – und auch, wenn wir sie schlecht besolden.