Wer letzten Sonntag Elisabeth Ackermann, Baschi Dürr oder einen der anderen Kandidaten ins Präsidialdepartement hieven wollte, musste in das Kästchen neben dem gewünschten Namen ein Kreuzlein zeichnen. Das tönt noch nicht wahnsinnig herausfordernd. Doch jetzt folgt der offenbar knifflige Teil. Damit diese Stimme Gültigkeit erhielt, war es gleichzeitig notwendig, dass der Name des Kandidaten auch auf der linken Seite des Wahlzettels, dort wo die Anwärter für ein «normales» Regierungsamt aufgeführt waren, angekreuzt wurde. Sprich: Nur wer einen Kandidaten als «normalen» Regierungsrat wählte, konnte ihn auch als Regierungspräsidenten nominieren.

Viele waren überfordert

Dieses System hat offensichtlich viele Wählende überfordert. Die Staatskanzlei wies 2936 Wahlzettel für das Regierungspräsidium als ungültig aus – das ist jeder 14. und eine Verdreifachung der Anzahl ungültiger Stimmen im Vergleich zu 2012. Warum es zu dieser bemerkenswerten Zunahme gekommen ist, kann Vize-Staatsschreiber Marco Greiner noch nicht beantworten. «Wir analysieren den Prozess erst nach dem zweiten Wahlgang», sagt Greiner. «Aber es ist klar, dass wir mit diesem Ergebnis nicht glücklich sind.»

Die zwei häufigsten Fehler kann er allerdings schon benennen. Einerseits hätten etliche Wählende nur sechs Regierungsräte gewählt – und als siebten dann die Präsidentin oder einen Präsidenten. Andere wiederum haben zwar sieben Regierungsräte angegeben, für das Präsidium aber eine neue, achte Person ins Spiel gebracht. Weil sich die Staatskanzlei schon vorher bewusst war, dass das Wahlprozedere das Potenzial hat zu verwirren, hat sie alles unternommen, um es den Stimmbürgern zu erklären. In einer Medienmitteilung wurde auf die Gefahren hingewiesen, dem Wahlzettel wurde eine ausführliche Anleitung beigelegt, ja sogar ein Video hat die Staatskanzlei gedreht, in welchem sie das Verfahren detailliert erläutert. Und nicht zuletzt wurde für die Gestaltung des Wahlzettels ein Grafik-Büro engagiert, das sonst Beipackzettel für Medikamente entwirft, also darauf spezialisiert ist, wichtige Informationen möglichst einfach rüber zu bringen. Die Uni hat das Verfahren in einem Feldversuch geprüft. Hat alles nichts gebracht, ist man versucht zu sagen. Oder haben die Massnahmen vielleicht sogar ein noch schlimmeres Ergebnis abgewendet?

Weiter wird die Staatskanzlei die Frage untersuchen, ob die hohe Zahl ungültiger Stimmen damit zusammenhängen könnte, dass erstmals maschinenlesbare Wahlzettel verschickt wurden, sprich solche, die man ankreuzen muss. Auf einen Zusammenhang deutet auf den ersten Blick wenig hin, denn – und das ist erfreulich – bei der Wahl für den Regierungsrat füllten nur 163 Stimmberechtigte ihren Zettel fehlerhaft aus, zwei Drittel weniger als bei der letzten Erneuerungswahl.

Kleineres Risiko im 2. Wahlgang

Fakt ist, dass sich die Baslerinnen und Basler voraussichtlich auch in vier Jahren wieder mit diesem Wahlsystem herumschlagen müssen. «Das Gesetz ist eindeutig», sagt Greiner. «Die Person, die das Regierungspräsidium übernehmen soll, muss auf dem gleichen Zettel auch als Regierungsrat gewählt werden.» Der Grosse Rat hatte diesen Text unter anderem aus dem Gedanken heraus abgesegnet, dass im Fall eines zweistufigen Verfahrens – also zuerst der Regierungsrat und dann separat das Präsidium – unter Umständen vier Urnengänge nötig würden und sich der Wahlkampf so um mehrere Monate verlängern könnte.

Für den zweiten Wahlgang vom 27. November droht derweil ein deutlich geringeres Fehlerrisiko. Elisabeth Ackermann, die für das Regierungspräsidium antritt, ist schon als Regierungsrätin gewählt. Und alle anderen, die in die Exekutive wollen, aspirieren nicht auf das Präsidium. Nur wer Eric Weber als neuen Regierungspräsidenten sieht, muss darauf achten, dass er seinen Namen auf beiden Seiten ankreuzt.