Anfang Februar erhielt die Kundschaft der Basler Entsorgungs- und Recycling-Firma Lottner dicke Post. Die Lottner AG informierte über die Anpassung der Vergütungspreise für Wertstoffe, also darüber, dass die Kunden in Zukunft, ja sogar rückwirkend, weniger Geld für ihre Wertstoffe erhalten. Hintergrund ist, dass die Schweizer Papierfabriken, die zu 80 Prozent in die EU exportieren, wegen der Eurokrise vermehrt unter Konkurrenzdruck stehen und deshalb für die Tonne Altpapier und Karton seit 1. Januar 2015 30 Franken weniger zahlen als bisher.

Lottner gibt diesen Preiszerfall, der auch andere Wertstoffe betrifft, weiter. Im Brief lautet das, nicht gerade diplomatisch, so: «Wir sind deshalb gezwungen, unsere Vergütungspreise für Lieferungen bzw. Abholungen von Altpapieren, Kartonagen, Alteisen, Metalle und Kunststoffe rückwirkend im Januar anzupassen.» Ausserdem heisst es noch, «dass wir die genannten Abschläge ab sofort in Kraft setzen müssen».

Besonders einschränken tut dies beim Kanton Basel-Stadt, der im Jahr immerhin 11 000 Tonnen Altpapier und Karton bei Lottner entsorgt und mit den neuen Preisen bis zu 330 000 Franken im Jahr weniger einnimmt. Auch wenn Matthias Nabholz, Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE), die Preiserhöhung von Lottner als «nicht glücklich begründet» empfindet, versteht er im Hinblick auf die Preissenkung der schweizerischen Papierindustrie die Argumentation: «Die Entsorger müssen da natürlich nachziehen, da sie nur ein Glied im ganzen Zyklus sind.»

Kein grosser Betrag

Nabholz verweist darauf, dass der Einnahmeverlust im Gesamtbudget der Abfallrechnung kein grosser Betrag sei. Tatsächlich liegt das operative jährliche Budget laut Peter Schär, Leiter der Stadtreinigung, bei 35 Millionen Franken. Diese Summe beinhaltet allerdings Abfallbeseitigung und Reinigung.

Insbesondere in den herrschenden Sparzeiten pikant ist, dass der Vergütungspreis für Papier und Karton für das Jahr 2015 erst im Dezember 2014 mit Lottner festgelegt wurde. Weil Lottner den Kanton, Vertrag hin oder her, im Januar darüber informiert hat, dass der vereinbarte Preis nicht zu halten sei, ist die Stadtreinigung mit der Firma Lottner im Gespräch, eine Lösung zu finden – also die Mindereinnahmen zu akzeptieren.

So zeigt Peter Schär, ähnlich wie Matthias Nabholz vom AUE, ein gewisses Verständnis für die Situation der Papierindustrie und somit auch für Lottner. «Die Schweizer Papierfabriken müssen mit dem Ausland mithalten und sind direkt vom Euro abhängig. Wir müssen wohl oder übel in Kauf nehmen, dass der bisherige Abnahmepreis für Papier und Karton nicht mehr durchzusetzen ist, auch wenn uns dies schmerzt.»

Die Preisanpassungen gelten ab Aufhebung des Euromindestkurses, das heisst ab 16. Januar 2015. «Wir gehen aber davon aus, dass wir sofort wieder einen besseren Preis erhalten, sobald sich die Konditionen verbessern.»

Philippe Moser, Verkaufsleiter bei Lottner, bestätigt die Abmachungen mit dem Kanton wie auch die Hintergründe der Anpassung der Vergütungspreise. Man sei allerdings noch am Prüfen, wie die genauen Vergütungen aussehen werden. «Wir bemühen uns um eine Lösung», verspricht Moser.

Beizen und Hotels betroffen

Betroffen von den Preisveränderungen ist bei Weitem nicht nur der Kanton. So zahlen Hoteliers und Baizer einen monatlichen Betrag für die Entsorgung von Wertstoffen. Dieser kann für das Abholen von Glas, Papier und Essensresten durchaus 300 Franken betragen. Das könnte teurer werden.

Maurus Ebneter, Delegierter des Vorstands des Wirteverbands Basel-Stadt, ist überzeugt: «Diejenigen, die für die Entsorgung Gebühren bezahlen, müssen meiner Meinung nach mittelfristig damit rechnen, dass diese steigen werden. Solange das gut begründet und nicht rückwirkend geschieht, finde ich das in Ordnung.» Ein rückwirkendes Inkrafttreten findet auch Felix Hauser, Präsident des Basler Hotelierverbands, «problematisch, auch ohne das Geschäft in dieser Branche zu kennen.» Hauser verweist darauf, dass nicht abzusehen war, wie sich der Markt nach dem 15.1.2015, dem Tag der Eurokrise, entwickeln würde, merkt aber kritisch an. «Es ist generell zu beobachten, dass, wenn es in die andere Richtung geht, auch kein Lieferant oder Dienstleister mit Preissenkungs-Vorschlägen auf uns zukommt.»

Der Verkaufsleiter von Lottner bestätigt die Einschätzung von Maurus Ebneter, dass es bei der Entsorgung mittelfristig in Richtung Preiserhöhung gehe. Wie hoch diese seien, vermöge er allerdings noch nicht zu sagen.