40 bis 50 Millionen Franken will das Kantonsspital Baselland (KSBL) in zwei neue Betriebskonzepte stecken: in eine Frauenklinik auf dem Bruderholz und in den Ausbau der Altersmedizin mit zusätzlichen Betten auf dem Bruderholz und in Laufen. Das löst in der Stadt Erstaunen aus. Weniger bei den Spitälern, dafür umso mehr in der Politik. «Da wird in unqualifizierter Weise mit Ideen um sich geworfen, die der Gesundheitsversorgung nichts bringen», sagt Urs Müller, Basta-Grossrat und Mitglied der Gesundheitskommission. Ihn erstaunt besonders die geplante Investition in eine Frauenklinik. Es gebe zwar mehr Geburten, aber wohl nicht genügend Platz für einen weiteren Anbieter.

Über die Kantonsgrenze planen

Insbesondere die Aussage, das KSBL schaue nur auf die Bedürfnisse des Kantons Baselland, kommt nicht gut an. Müller hat eine klare Forderung: «Die Gesundheitsdirektoren müssen dringend in den nächsten Monaten zusammensitzen und die Angebotsplanung der Kantone überarbeiten.» Gehe die gemeinsame Spitalplanung nicht voran, koste das alle viel Geld – Patienten und Prämienzahler.

Auch die Präsidentin der Basler Gesundheitskommission, SP-Grossrätin Beatriz Greuter, bedauert den Baselbieter Alleingang in der Altersmedizin: «Das ist ausserordentlich schade.» Es sei eine kurzfristige Denkweise, nur für den eigenen Kanton zu schauen. Parteikollege Philippe Macherel findet deutliche Worte: «Es erstaunt, dass die gemeinsame Planung für ein Geriatriespital hops gegangen ist und nun genau in dem Bereich ausgebaut wird.»

Konkurrenz gibt sich nüchtern

Die Spitäler auf der anderen Seite der Kantonsgrenze, die Altersmedizin und Frauenmedizin anbieten, nehmen die Ansage des Kantonsspital Baselland als Folge der neuen Spitalfinanzierung und dem stärkeren Wettbewerb unter den Anbietern betont nüchtern «zur Kenntnis».

Zum Beispiel das Bethesda-Spital, das eben die Frauenmedizin erweitert hat. Diese Woche wird das Privatspital seine neue Geburtsklinik eröffnen und würde in direkter Konkurrenz zum KSBL stehen. «Der Markt wird es richten», sagt Spitaldirektor Thomas Rudin. Die Patientinnen würden den Anbieter wählen, bei dem die Qualität stimme. Es sei nach der Restrukturierung nur logisch, dass das KSBL Schwerpunkte bei den Standorten setze. Aber ob es die Richtigen sind, dahinter setzte Rudin ein Fragezeichen. Bereits jetzt seien mit dem Bethesda und dem Universitätsspital Basel (USB) in der Frauenmedizin grosse Kapazitäten vorhanden.

Ähnlich klingt es beim USB: «Es bleibt abzuwarten, was genau gebaut wird», sagt USB-Mediensprecherin Sabina Heuss. Man arbeite sehr gut mit dem Bruderholz zusammen. In gewissen Bereichen sei es möglich, dass dadurch nun eine Konkurrenzsituation entstehe, nicht aber bei den hochkomplexen Fällen, zum Beispiel bei Frühgeburten oder bei der Behandlung von Tumoren. Aber auch Heuss setzt ein Fragzeichen hinter den Bedarf an einer weiteren Frauenklinik: «Ich weiss nicht, ob es noch einen weiteren Player verträgt.»

Wunsch nach Zusammenarbeit

Guido Speck, CEO des Felix-Platter-Spitals, Universitäres Zentrum für Altersmedizin und Rehabilitation, überrascht der angekündigte Ausbau der Altersmedizin wenig: «Der Bedarf im Bereich Alter wird steigen.» Und dennoch: Speck wünscht sich eine offenere Zusammenarbeit in der ganzen Gesundheitsregion Nordwestschweiz. «Der Kanton hört nicht an der Grenze auf», sagt Speck.

Es gebe Felder für eine intensivere Zusammenarbeit, besonders bei der spezialisierten Medizin. Darum will das Felix-Platter-Spital erstmals seit dem Scheitern des gemeinsamen Geriatriespitals wieder einen Schritt nach vorne machen: «Wir haben zusammen mit dem Verwaltungsrat beschlossen, in Kürze auf den Kanton Baselland zu zugehen», so Speck.