Stadt versus Land

Stadt oder Land: Wo spielt die Musik?

Der Basler Pop-Preises. Gehört die Trophäe in die Stadt oder aufs Land?

Der Basler Pop-Preises. Gehört die Trophäe in die Stadt oder aufs Land?

Noch bis zum 9. November läuft auf der Webseite der bz die Abstimmung für den Basler Pop-Preis. Seit letzter Woche sind die Anwärter bekannt – vier Bands aus der Stadt, eine vom Land. Wer soll gewinnen?

Diesmal soll der Prophet im eignen Land etwas gelten

Klare Sache: Der Basler Pop-Preis gehört diesmal ins Baselbiet – der Metalband Schammasch.

Die fünf für den diesjährigen Basler Pop-Preis nominierten Bands fiebern dem 9. November entgegen. Dann entscheidet die Jury, welche Formation die Trophäe gewinnt und die Siegerprämie von 15 000 Franken einstreicht.

Das 60-köpfige Juryboard hat vier Bands aus Basel-Stadt und bloss eine aus dem Baselbiet für die engere Wahl auserkoren. Zwar sind die Städter quantitativ stärker vertreten, die Qualität stammt jedoch aus dem Baselbiet. Nichts gegen die Basler Bleu Roi, Anna Rossinelli, The Lombego Surfers und Klaus Johann Grobe, aber diesmal spielt die Musik zweifellos auf dem Land.

Die Metalband mit dem typischen Baselbieter Namen Schammasch ist der international wohl bekannteste Act im Feld der fünf Nominierten. Die vier langhaarigen Männer kommen unkonventionell daher – alle unter einem Pseudonym. Der Kopf der Gruppe tritt auf der Bühne nur mit Maske auf. An seinem Album «Triangle» hat das Quartett zwei Jahre lang gearbeitet. Bei Kritikern rasen die Herzen, sie sind begeistert und ringen nach passenden Worten. «Triangle» ist von einem kalifornischen Metal-Label veröffentlicht worden.

Wenn es noch eines Beweises bedarf, der das hohe Niveau von Schammasch unterstreicht, dann diesen: Die Baselbieter Band erhält primär Lob und Anerkennung von ausserhalb unserer Region und der Schweiz. Wir Baselbieter sind stolz, auf solche vier Musiker bauen zu können. Sie denken nicht in starren Mustern, sondern arbeiten völlig losgelöst von allem Gewohnten.

Deshalb muss Schammasch in dreieinhalb Wochen mit dem Basler Pop-Preis ausgezeichnet werden. Die Baselbieter verdienen auch auf heimischem Terrain Respekt für ihre Arbeit. Diesmal soll der Prophet im eignen Land etwas gelten.

Gute Musik ist keine Landschaftsmalerei

Musiker leben in Städten, und wenn nicht, dann ziehen sie dorthin. Die einzige Frage: Ist Basel Stadt genug?

Anna Rossinelli wurde bekannt als Strassenmusikerin. Auf Basels Strassen. Ob sie die Schweiz auch am Eurovision Song Contest vertreten hätte, wenn sie ihre Lieder in Buckten vor dem Bahnhöfli zum Besten gegeben hätte? Ich glaube eher nicht. Musiker brauchen die Stadt, ein bisschen Unordnung, ein bisschen Dreck.

Sie brauchen volle Konzertsäle, im besten Fall schwitzende, tanzende (bis vor ein paar Jahren hätte ich noch geschrieben rauchende) Massen, die sie begeistern können. Denn es sind keine Maler oder Dichter, die in der ländlichen Abgeschiedenheit das perfekte Licht oder das lauschige Plätzchen vorfinden, um ihre Werke zu schaffen.

Das sind grosse Worte. Vor allem, wenn ich mich oute und offen dazu stehe: Von den fünf nominierten Bands kenne ich gerade mal zwei; Anna Rossinelli und die Lombego Surfers. Schammasch? Null Ahnung (immerhin stehe ich dazu, nicht wie mein Kollege, der sie alleine ihrer Herkunft wegen in den Basler Pophimmel lobt). Bleu Roi? Noch nie gehört. Klaus Johann Grobe? Spannender Bandname, aber ebenfalls: kein Plan. Und trotzdem erlaube ich mir das Urteil: Es soll eine Basler Band sein, die den Basler Pop-Preis gewinnt, keine aus dem Baselbiet und schon gar keine langhaarige Metal-Band, die ihre Fans irgendwo im hohen Norden hat. Also einfach nicht Schammasch, lieber Kollege.

Bleibt die letzte, entscheidende Frage, mit der ich auch meine offensichtliche Unkenntnis lokalen Musikschaffens begründen kann: Ist Basel gross, vielfältig, dreckig, lebendig, inspirierend und lärmig genug? Eher nicht. Oder denken Sie, dass Robert Zimmermann den Literaturnobelpreis auch gewonnen hätte, wenn er nicht von Duluth/Minnesota nach New York gezogen und sich Bob Dylan genannt hätte, sondern von Grellingen nach Basel?

Wem gönnen Sie den Basler Pop-Preis? Stimmen Sie hier für den Publikumspreis ab!

Falls das Voting nicht erscheint, klicken Sie hier.

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