Was auf dem Areal des Kleinbasler Rheinhafens passieren soll, ist nach dieser Woche wieder völlig offen. Nur eines werde dort sicher nicht gebaut, sagte Baudirektor Hans-Peter Wessels: die Hochhaussiedlung, die unter der Bezeichnung «Rheinhattan» in die politische Debatte Eingang fand.

Ebenfalls in den letzten Tagen zogen die Investoren des Claraturms ihr Baugesuch zurück. Sie wollen zunächst zuwarten, ob das Referendum gegen den Turm zustande kommt. Und im Gundeli wird Kritik laut, die Quartieraufwertung treibe die Mietpreise in die Höhe.

An diesen Projekten zeigt sich exemplarisch, wie widersprüchlich die Debatte in Wohnraumfragen läuft und wie gegensätzlich die Interessen sind. Die Mieter und vor allem der Mieterverband wollen möglichst billige Wohnungen. Darin werden sie von den linken und grünen Parteien unterstützt. Letztere wollen aber auch, dass energetisch nachhaltig gebaut wird, was die Baukosten und damit die Mieten erhöht.

Die Linke will dafür höhere Löhne und Frühpensionierungen für die Bauarbeiter. Auch das erhöht die Baukosten und die Mieten. Wohnviertel sollen sozial möglichst durchmischt sein, dazwischen möglichst viel Grünflächen, verkehrsberuhigt soll die Umgebung sein und öffentliche Nutzungen das Leben angenehmer machen.

Die Wohnungen sollen familienfreundlich, also gross sein und das Quartier möglichst lebenswert angelegt. All diese Dinge sind in der Tat positiv. Aber sie haben eben auch ihren Preis. Baut man verdichtet, also in die Höhe, wirft das Hochhaus unvermeidlich einen Schatten.

Nimmt man die gesamtschweizerisch ansteigenden Mietpreise hinzu und wirft noch Investoren in den Topf, die - verständlicherweise - eine Rendite erwirtschaften möchten, hat man ein fast unentwirrbares Knäuel an Interessen vor sich. Und das noch bevor man sich überlegt, dass die meisten Mieter ein Interesse daran haben, dass es ihrer Pensionskasse gut geht und die ihr Geld auch auf dem Immobiliensektor arbeiten lässt.

Die Politik hat in den letzten Monaten auf dieses Problemfeld auf zwei Arten reagiert: kurzfristig mit Pflastern auf einzelne Wunden im System. Und grundsätzlich mit einer immer stärker ideologisch gefärbten Debatte, in der die alten Vorstellungen von sozialistischer Gleichmacherei und neoliberalem Glauben an die Weisheit des Marktes aufeinanderprallen.

Wenn die Linke 4-Zimmer-Wohnungen für 2500 Franken als Luxusappartements bezeichnet, und die Rechte bei jeder Zonenplanung eine Enteignung wittert, kommen wir nicht weiter. Das Resultat ist vielmehr eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und Konzepten, die zu einer Überregulierung des gesamten Sektors führen, uns aber einer Lösung keinen Schritt näherbringen. Es ist nötig, jetzt einen Schritt zurück zu machen und fern jeder Ideologie Lösungswege zu finden.

Es darf der Politik nicht darum gehen, die Bürger zu erziehen. Auch nicht darum, eine Welt zu schaffen, in der arme Schlucker und Millionäre in gleich grossen Wohnungen in derselben Strasse leben. Dass es in einer Stadt ärmere und reichere, lebendige und ruhige Quartiere gibt, gehört zu ihren ureigensten Eigenschaften. Das sollte man beim Ruf nach «Durchmischung» bedenken. Die ist wünschenswert, aber nur in gewissen Grenzen sinnvoll.

Es ist nicht Aufgabe des Staates, uns vorzuschreiben, wie, wo und mit wem wir zu wohnen haben. Seine Aufgabe kann es nur sein, Extreme zu verhindern. Doch die haben wir zum Glück nicht; keine hektargrossen Schlösser, keine Sozialhilfe-Hochhaussiedlungen. Umso unverständlicher sind extreme Forderungen.