Musiksaal
Stadt zahlt, fordert aber Namenswechsel fürs Stadtcasino

Die Stadt scheint die Pläne Herzog & de Meurons für den Erweiterungsbau des Casino-Musiksaals willkommen zu heissen. Doch die Rolle des Kantons bei der Sanierung ist umstritten. Gefordert wird ein Namenswechsel.

Hans-Martin Jermann
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Herzog & de Meuron wollen die Anbauten von 1938 an den Musiksaal (rechts) entfernen.

Herzog & de Meuron wollen die Anbauten von 1938 an den Musiksaal (rechts) entfernen.

Kenneth Nars

Das Projekt der Architekten Herzog & de Meuron scheint der Sanierung des Stadtcasinos zum Durchbruch zu verhelfen - zumindest in gestalterischer Hinsicht: Das am Montag präsentierte Umbaukonzept, das die historische Architektur des Musiksaals einbezieht, wird in der Stadt gut aufgenommen.

So sieht die Vision von Herzog & de Meuron für das Basler Musikzentrum aus
3 Bilder
Übersicht über die Gebäude
Das Foyer von innen.

So sieht die Vision von Herzog & de Meuron für das Basler Musikzentrum aus

Visualisierung/Herzog&deMeuron

Zur Rolle des Kantons bei der Sanierung stehen indes Kontroversen bevor: Während Linke wie Basta-Grossrätin Heidi Mück den Kantonsbeitrag an ein starkes Mitspracherecht knüpfen möchten, fordern umgekehrt rechtsbürgerliche Kreise, dass der Staat auf eine Beteiligung ganz verzichtet. SVP-Grossrat Joël Thüring ist überzeugt, dass das öffentliche Interesse am Stadtcasino zu gering sei, als dass dies einen Zuschuss von knapp 40 Millionen Franken an die Sanierung rechtfertigen würde.

«Stadtcasino ist Challenge League»

Den Hinweis, dass der Kanton etwa die Hälfte der Erweiterung des Kunstmuseums berappe, kontert Thüring: «Das Kunstmuseum spielt in der Champions League. Was im Stadtcasino geboten wird, gehört in die Challenge League.»

Bei der Casino-Gesellschaft, der Eigentümerin, schüttelt man darüber den Kopf: Als eines von wenigen Konzerthäusern arbeite die Casino-Gesellschaft ohne betriebliche Subventionen, gibt deren Präsident Christoph B. Gloor zu bedenken. Die Gesellschaft leiste einen substanziellen Beitrag an das kulturelle Leben der Stadt.

Zusammenarbeit zwingt zur kostensparenden Planung

Sollte der Grosse Rat wider Erwarten den Kantonsbeitrag verweigern, würde dies wohl den Betrieb verteuern. Gefährdet wäre das Umbauprojekt wohl nicht, stellt Gloor klar. Um an zusätzliche Mittel zu kommen, prüft die Casino-Gesellschaft zudem, den Kopfbau von 1938, in dem heute unter anderem das Restaurant Papa Joe's untergebracht ist, zu verkaufen. Allerdings würde dann die Möglichkeit wegfallen, dass die Gesellschaft nach 2027, wenn die Mietverträge auslaufen, an einer Gesamtplanung für ein neues Musikzentrum mitwirken kann.

Der Deal mit der Regierung zwingt die Casino-Gesellschaft ohnehin zu einer kostensparenden Planung: Gemäss Regierungsbeschluss beteiligt sich der Kanton nämlich maximal zu 49 Prozent an den geschätzten 77,5 Millionen. Wird der Umbau teurer, liege dies vollumfänglich in der Verantwortung der Casino-Gesellschaft, betont Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement. Bereits gestern begründete er den gegenüber bisherigen Verlautbarungen weitaus höheren Kantonsbeitrag: «Im Gegensatz zu bisherigen Sanierungskonzepten bietet sich nun ein echter Mehrwert für die Musikstadt Basel.»

Name «Casino» soll wegfallen

Klar ist für Bischof aber, dass der Kanton im Rahmen der Beteiligung mit der Casino-Gesellschaft strategische Ziele vereinbaren will. Dazu gehört für ihn eine Debatte über den Namen des neuen Musikzentrums: Bischof lässt durchblicken, dass der Name «Casino» für die Ausstrahlung eines Musikhauses mit Sinfonie- und Kammerkonzerten nicht sehr glücklich ist. Bei der Casino-Gesellschaft hört man dies zum ersten Mal, wie Gloor klarstellt. Er sagt aber auch: «Reden kann man mit uns über alles.»

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