Basler Fasnacht

Stadtdyfeli ernten viel Lob: Erst die Enttäuschung, dann die Motivation, Gutes zu tun

Mayke von den Stadtdyfeli und Baschi Seelhofer von «Be aware and share» waren mitten in der Planung ihres bevorstehenden Charity-Events «Art for Peace», als auf einmal die Fasnacht abgesagt wurde.

Die beiden machten kurzen Prozess und entschieden sich dafür, die Fasnachtstage für eine «Hauruck»-Aktion zu nutzen: Gemüse, Früchte, Süssigkeiten – alle überschüssigen Lebensmittel verschiedener Wagencliquen sollen gesammelt und an Bedürftige und soziale Institutionen gespendet werden (die bz berichtete). Die Aktion verbreitete sich rasant schnell auf Facebook. Entsprechend viel Ware kam am Montag auch zusammen. Zweieinhalb Paletten Süssigkeiten, eine halbe Tonne Gemüse und knapp zwei Tonnen Orangen. Auch Wasser wurde gespendet. Alle gesammelten Güter werden direkt verteilt.

Die Stadtdyfeli sammeln, sortieren und verteilen noch bis Dienstagabend.

Die Stadtdyfeli sammeln, sortieren und verteilen noch bis Dienstagabend.

Ein Grossteil der Abnehmer befindet sich in Quarantäne: Alleine in Riehen wurden Dutzende «Säggli» an Familien verteilt, die derzeit in Quarantäne sitzen müssen. «Es ist ganz einfach, wir haben geklingelt, die Säcke hingestellt und sind wieder gegangen. So besteht auch keine Ansteckungsgefahr», sagt Mayke gegenüber der bz. Die Papiersäcke, in welchen die Lebensmittel transportiert und abgeladen wurden, spendete der Coop beim Bahnhof St. Johann, rund 50 Stück an der Zahl. Die Adressen der Familien habe man in Listenform erhalten, selbstverständlich wahre man aber die Privatsphäre eines jeden Einzelnen. Bei den gespendeten Lebensmitteln gehe es nicht darum, die Zubereitung von Mahlzeiten zu ermöglichen, sagt Mayke, sondern, den in Quarantäne verweilenden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. So steht auf einigen Schachteln auch «Crazy Face», gefüllt sind sie mit diesen grauslig sauren Kaugummis, die einen das Gesicht verziehen lassen. In Zeiten wie diesen bestimmt eine willkommene Abwechslung.

Erst die Enttäuschung, dann die Motivation, Gutes zu tun

Neben der Wagenclique Stadtdyfeli haben sich noch zwei weitere Wagencliquen an der Aktion beteiligt. Für die Stadtdyfeli hat die Aktion eine spezielle Bedeutung, haben sie doch im 2020 ihr 25-Jahre-Jubiläum. Dass die Fasnacht ausfalle, sei allen nahe gegangen, mittlerweile sei man aber «darüber hinweg», sagt ein Cliquenmitglied. Am Freitag habe es noch sehr geschmerzt, jetzt seien sie einfach froh, etwas Gutes tun zu können. Und die Aktion findet Anklang – es sind einige Medienvertreter vor Ort beim Zollhaus im St. Johann, wo die Güter gesammelt und auch abgeholt werden können. Auch Comité-Obfrau Pia Inderbitzin habe sich bei der Clique gemeldet. In einem Mail habe sie sich bedankt und zur tollen Idee gratuliert und den Involvierten viel Erfolg gewünscht. «Diese Anerkennung, die unsere Aktion erfährt, tut gut und bestärkt uns in unserer Sache», sagt ein Cliquen-Mitglied. Es bleibe mit grosser Wahrscheinlichkeit nichts übrig, sagt Mayke sichtlich zufrieden.

Von Schimpansen und haltbaren Kaugummis

Mit anderen Problemen hat derzeit der Zoo Basel zu kämpfen: Ihre Futterlager seien voll, lässt die Kommunikationsabteilung verlauten. Auch, weil das Futter jeweils bereits im Voraus bestellt werde. Orangen und Bananen würden ausserdem nur in geringem Masse verfüttert. Schimpansen würden zu den wenigen Tieren gehören, die Orangen essen, allerdings nur eine pro Tag.

Ganz alles werden aber auch die Stadtdyfeli nicht hergeben, sagt ein Cliquenmitglied lachend. Gewisse Kaugummis seien schliesslich bis im April 2021 geniessbar, die könne man also durchaus auch bis nächstes Jahr behalten, wenn Frau Fasnacht endlich wieder aus der Quarantäne entlassen wird. Alle anderen Lebensmittel werden noch bis heute Abend an Altersheime, Kinderheime, Kitas, Asylzentren, Tischlein deck dich und Familienhäuser verteilt.

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