Arbeiten, wohnen, Freizeit, Kultur – die Entwicklung des Areals erscheint recht offen. Wie wird die Ideenentwicklung ablaufen?

Thomas Kessler: Das ist sehr klar vorbereitet. Das Projekt hat mehrere Faktoren, die den ganzen Kanton betreffen. Es werden zwei dynamische Quartiere verbunden, die Stadt der kurzen Wege wird im Herzen der Regio vernetzt und vielfältig belebt. Es profitieren die umliegenden Quartiere, aber auch im trinationalen Kontext ist diese Entwicklung bedeutend, weil die Leute aus der ganzen Region arbeiten kommen und die Firmen international tätig sind. Der Perimeter des Beteiligungsverfahrens ist deshalb der ganze Kanton; Frankreich und Deutschland sind über das Projekt Dreiland einbezogen.

Konkret: Gibt es dazu Vernehmlassungen oder Workshops?

Am Mittwoch ging der erste Doodle für einen Termin raus, auf dem sämtliche Stadtteilsekretariate zur Auslegeordnung und Definition des Verfahrens begrüsst werden. Beim Verfahren soll wirklich repräsentativ gearbeitet werden und nicht tagespolitisch. Klybeckplus ist ein Generationenprojekt mit einer sehr organischen Entwicklungsmöglichkeit. Wir haben mehrere Monate Zeit, diesen Prozess vorzubereiten – und Jahre für die effektive Beteiligung. Schon vor der Testplanung wird das jetzt streng nach Paragraf 55 der Kantonsverfassung umgesetzt. Das heisst: Ab heute beginnt der Beteiligungsprozess für dieses spannende Generationenprojekt.

Wer hat die Federführung?

Für das Beteiligungsverfahren liegt sie bei der Kantons- und Stadtentwicklung. Die formelle Anfrage an uns ist gemäss kantonalem Leitfaden des Bau- und Verkehrsdepartementes erfolgt – der guten Ordnung halber. Das Verfahren hat eine hohe politische, gestalterische und identitätsstiftende Bedeutung. Wir werden jetzt dafür sorgen, dass diese Beteiligung garantiert ist.

Diese Teile des Klybecks werden in den nächsten Jahren umgenutzt.

Diese Teile des Klybecks werden in den nächsten Jahren umgenutzt.

Welche Rolle spielen Novartis und BASF als aktuelle Immobilienbesitzer in diesem Prozess?

Eine ganz zentrale. Wir sind in einer verbindlichen Partnerschaft. Es geht um die Frage, wer was besitzt und wie man wo Einfluss nehmen kann und soll. Es gilt auch, die Vorgaben der Denkmalpflege zu berücksichtigen. Diese hat bereits im Vorfeld definiert, welche Gebäude erhaltenswert sind.

Welche zum Beispiel?

Das markanteste etwa ist das Novartis-Hochhaus am Rhein, das als epochentypischer Zeitzeuge definiert wurde. Und für das Gebäude gibt es bereits fixfertige – nicht bestellte – Umnutzungspläne und Ideen von Architekturbüros. Aber über die Aktivierung dieser Ideen entscheidet dann Novartis. Novartis ist sehr daran interessiert, die Kleinbasler Seite in einer optischen und ästhetischen Wechselwirkung mit dem Novartis Campus architektonisch weiter zu entwickeln. Das schöne Ufer auf Campus-Seite soll im Kleinbasel gespiegelt werden. Nutzungen und Umgestaltungen sollen in einem grossen Kontext gesehen werden. Auch der ehemalige Ciba-Hauptsitz ist erhaltenswert. Es gibt eine ganze Liste solcher Bauten.

Auch Novartis hat laut Stadtentwickler Thomas Kessler weiterhin ein Interesse am Klybeck-Areal.

Auch Novartis hat laut Stadtentwickler Thomas Kessler weiterhin ein Interesse am Klybeck-Areal.

Wie verlief die erste Informationsveranstaltung für die Quartiervereine?

Es gab sehr quartierspezifische Bedürfnisse – etwa, dass man die historischen Grenzen der früheren Gemeinde Kleinhüningen betonen solle, dass so man identitätsbewahrend agieren solle. Es haben sich aber nur Repräsentanten der direkt anliegenden Quartiervereine und Stadtteilentwicklung geäussert. Das zeigt, dass die Vorstellung, dass das Projekt den ganzen Kanton betrifft, noch nicht angekommen ist. Wir müssen die breiten Wechselwirkungen noch mehrmals kommunizieren.

Das Projekt dürfte auch Ausstrahlung über die Landesgrenzen haben ...

Sicher. Auch die ansässigen Firmen sind ja global aufgestellt. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass zwei Drittel der Bewohner im Quartier umziehen, ein Drittel zieht zu. Wichtig ist, dass die Entwicklung von Arbeitsplätzen und Wohnraum harmoniert. Das ist entscheidend, weil Basel hier gegenüber den Standortkonkurrenten wie Boston oder Schanghai einen grossen Vorteil hat: Die Wege in diesem dichten Cluster sind extrem kurz, die Lebensqualität ist hoch. Die Kleinteiligkeit und die Durchmischung sind enorme Vorzüge. Es ist eine dichte Form von wohnen, arbeiten und Freizeit, mit kurzen Wegen, schlicht und einfach: nachhaltig. Die Entwicklung des Klybecks wird im Dreiland und international Bedeutung erlangen. Wir sind daran, das Herz einer trinationalen Region zu entwickeln.