Die Verantwortlichen der Basler Kantonalbank (BKB) können von Glück reden. Die Negativschlagzeilen gehören diese Woche für einmal nicht der BKB, sondern den Basler Verkehrs-Betrieben. In der Basler Politik steht die Staatsbank dennoch weiterhin ganz oben auf der Agenda. Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats untersucht die Vorkommnisse um die Kursmanipulation bei den Partizipationsscheinen. Und hinter den Kulissen hat die Suche der politischen Parteien nach einer Alternative zum umstrittenen Interimspräsidenten Andreas Sturm seit den Fraktionssitzungen vom Montagabend Fahrt aufgenommen.

Die BKB-kritische SP-Grossrätin Dominique König sagt: «Es hat sich bestätigt, dass fraktionsübergreifend Vorbehalte gegenüber einer Wahl von Sturm bestehen.» Es werde geschaut, ob sich eine Gegenkandidatur aufbauen lasse. FDP-Präsident Daniel Stolz sagt, es würden «ernsthafte Gespräche» geführt. «Wenn man Kritik an einer Person übt, steht man auch in der Pflicht, sich um eine Alternative zu bemühen.»

An vorderster Front agieren Exponenten von SP, SVP, FDP und Grünem Bündnis. Involviert sind gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» insbesondere Tanja Soland (SP), Joël Thüring (SVP), Daniel Stolz (FDP), Urs Müller (Basta) und Elisabeth Ackermann (Grüne). Die übrigen Fraktionen halten sich zurück oder sind nicht gefragt: die LDP, weil der abgetretene Bankratspräsident Andreas Albrecht Sturm als seinen Nachfolger installieren möchte. Die GLP, weil Sturm dieser Partei angehörte. Und die CVP, weil ihr Bankrat Markus Lehmann durch die Aufträge, die er für die Bank ausübt, ebenfalls angeschlagen ist.

Die Gegner Sturms sind sich bewusst, dass die Suche nach einem Gegenkandidaten schwierig ist. Denn die Zeit ist knapp. Bereits am 6. Januar haben die Fraktionen über das neue Bankratspräsidium zu entscheiden. Die offizielle Wahl im Grossen Rat ist am 8. Januar vorgesehen. Bei Personalgeschäften sind im Parlament zudem keine Diskussionen zugelassen. Damit eine Gegenkandidatur mehrheitsfähig ist, muss sie also bis spätestens Ende Jahr aufgegleist und breit abgestützt sein.

Die Parteiexponenten suchen nach einer möglichst unabhängigen Persönlichkeit, die parteiübergreifend auf Akzeptanz stösst. «Es braucht jemand Neutrales mit Know-how, der wieder Ruhe in die BKB bringen kann», sagt König. Und Basta-Präsident Urs Müller ergänzt: «Die Politik bringt es immer wieder fertig, kurzfristig jemanden aus dem Hut zu zaubern.» Ob dies auch diesmal gelinge, sei völlig offen.

Eines scheint jetzt schon klar: Die «breite politische Unterstützung», die Sturm Anfang Dezember in einem Interview in der «Basler Zeitung» einforderte, wird er nicht erhalten. Und falls es seinen Gegnern nicht gelingt, eine Gegenkandidatur aufzutreiben, haben sie bereits Alternativszenarien. Um etwa Zeit zu gewinnen, erwägen sie, auf eine Verschiebung des Wahltermins zu drängen. Oder Sturm nur befristet zu wählen, damit dieser nicht fest installiert wird. Stolz sagt, er sei für ein «vorsichtiges» Vorgehen. «Wir müssen eine gute Lösung finden und dürfen nicht vom Regen in die Traufe kommen.»

Eine Befürworterin solcher Alternativszenarien ist SP-Ständerätin Anita Fetz. «Ich schlage vor, die Wahl des Bankratspräsidenten um drei bis sechs Monate zu verschieben. Dies wäre dann genug Zeit, um einen neuen Präsidenten zu finden», sagt die frühere Bankrätin.

Gemäss jetzigem Stand ist es fraglich, ob es den Politikern gelingt, eine Gegenkandidatur zu stellen. Die Parteienvertreter hinterlassen einen eher unstrukturierten Eindruck. Die Namen, die SVP-Sprecher Joel Thüring ins Spiel bringt – BLT-Chef André Dosé, Multiverwaltungsrat Rolf Soiron oder Arbeitgeber-Präsident Marc Jaquet –, dienen höchstens der Verwirrungstaktik. Es gibt aber auch Personen, die infrage kommen würden. Geeigneter wäre etwa der Ökonom und Unternehmensberater Wilhelm Hansen. Der in Basel wohnhafte Hansen ist Bankrat der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Von 2008 bis 2011 war er Präsident der BLKB, ehe er das Amt an Elisabeth Schirmer-Mosset weitergab. Hansen sitzt in weiteren Führungsgremien. Er ist Vizepräsident der Privatbank Scobag und Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baselland.

Hansen sei ein «interessanter Name», sagt Stolz. BLKB-Mann Hansen ist auch insofern interessant, als die Finanzkommission, die derzeit das neue BKB-Gesetz berät, gemäss Präsident Patrick Hafner (SVP) beschlossen hat, eine «breite Auslegeordnung» zu machen und die BLKB als «gutes Vorbild» zu nehmen. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» winkt Hansen jedoch ab: Er stehe für das BKB-Präsidium nicht zur Verfügung.

Die Absage zeigt, dass sich die Suche nach einem Sturm-Ersatz tatsächlich schwierig gestalten dürfte. Falls doch noch ein Gegenkandidat gefunden werden sollte, wäre dies vor allem für die LDP schmerzhaft. Da dieser Kandidat im Falle einer Wahl im Bankrat den Platz von Albrecht einnehmen würde, verlöre die Partei ihren einzigen Sitz im dreizehnköpfigen Gremium.