Ein Blick

Ständig unter Strom – Ein-Blick in den Basler Flipperclub

Rund 50 Flipperkästen stehen im Klublokal in Münchenstein.

Rund 50 Flipperkästen stehen im Klublokal in Münchenstein.

Fünfzig Flipperkästen, sechs Freunde und ein beliebter Treffpunkt für Familien. Wir blickten in die Welt des Basler Flipperclubs.

Es fiepst und piepst, es scheppert und klingelt, während Männer gebeugt über blinkenden Maschinen stehen, hadernd und die Arme verwerfend hier, lachend und mit strahlenden Augen jubilierend dort. Freitagabend, Gewerbegebiet in Münchenstein. Zwischen Autocenter und Handwerkstadt findet sich seit März letzten Jahres das Lokal des Flipperclubs Regio Basel, gegründet 2015.

Sechs Freunde, die übers Flippern zusammenfanden, haben hier ihre über 50 Flipperkästen unter einem Dach vereint. Es ist zwar schummrig, man trinkt Bier und isst Hotdogs, alles untermalt vom Klangteppich der «Pinball Machines», wie sie auf Englisch heissen. Manch einer trägt Leder, Totenköpfe auf T-Shirts, die Frauen sind in der Unterzahl, und Einlass gibts erst ab 20 Uhr.

Von Spielhölle aber, womöglich erste gedankliche Verbindung, ist das alles weit entfernt; schliesslich ist das Lokal auch ein beliebter Treffpunkt für Familien. Dann spielen Kinder um Punkte und Ehre. Ausserdem kann man beim Flippern nur verlieren. «Irgendwann geht jede Kugel ab», sagt Alain, der sich schon als Kind vorgenommen hat, mit dem ersten eigenen Geld einen Flipperkasten anzuschaffen. Bei einem blieb es längst nicht.

Wenn er vom Flippern spricht, von den Slingshots und Bumpers, den Targets und Multiballs, dann kommt er ins Schwärmen. Dann erzählt er, dass ein Flipperautomat keineswegs seelenlose Maschine sei, die nur piepst und blinkend klingelt. Natürlich geht es primär darum, eine polierte Kugel mittels der beiden Flipper möglichst lange im Spiel zu halten.

«Doch jeder Kasten erzählt seine eigene Geschichte, hat seine Geheimnisse.» Sie zu lüften, die Seele des Automaten zu entdecken, das bedeute Flippern, schwärmt Alain.

Und dann ist da die ganze Technik. Ein Kilometer Kabel verbirgt sich in jedem Automaten – mindestens. Nur hat keiner des flippernden Sextetts beruflich mit Elektronik zu tun. Das Wissen komme aber automatisch, sagt Alain.

Lediglich während des halben Klubabends werde gespielt. «Die andere schrauben und löten wir.» Zur Anschauung öffnet er einen der über 50 Automaten, «Medieval Madness» von 1997, ein Klassiker, in dem man bei entsprechender Präzision eine Burg zum Detonieren bringt. Kabelwuste kommen zum Vorschein, Spulen, Transformatoren, Sicherungen. Allein für das Ersetzen der zahllosen Glühbirnchen mit LED hat er Stunden investiert.

Doch bei aller Begeisterung: «Letztlich ist jeder Flipper ein Gebrauchsgegenstand», erzählt Thommy. Darum will er betont haben, dass das hier keineswegs ein Museum sei, selbst wenn die ältesten Geräte aus den 1950er-Jahren stammen. «Denn Flipper sind zum Flippern da. Was bringt es, wenn sie Staub ansetzen?» Niggi, der sich selbst als «Langzeitgeschädigter» bezeichnet, Reiner und Andy, schliesslich Präsident Ramon, viertbester Flipperer der Schweiz, pflichten bei.

Auf der Flipper-Weltrangliste mit weltweit rund 20 000 Registrierten figurieren 1000 Spieler unter Schweizer Flagge. Das Basler Sextett zählt wiederum zu den Top 50 der Schweiz. Im Oktober trifft sich die europäische Elite in Münchenstein zum zweiten Mal. Noch in den 1980er-Jahren, als die aufkeimende Videospielindustrie den Flipperautomaten fast den Garaus machte, hätte niemand mehr damit gerechnet.

Auf der Homepage www.flipperclubbasel.ch läuft ein Countdown. Steht er auf Null, findet der «Friday Flip» statt; der nächste am 16. Juni ab 20 Uhr. Einmal pro Monat öffnet der Klub jeweils am Freitag- und Samstagabend; für Kinder samstags von 16 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Franken für Mitglieder oder 20 Franken für Einsteiger, die eine Tagesmitgliedschaft lösen. Der Eintritt berechtigt zum freien Spiel auf allen Geräten – und vor allem: zum Fachsimpeln, bis alle Ohren klingeln. 

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