Eine Wurst und ein grosses Bier vor dem Match gehört für viele FCB-Fans dazu. Ob der Gaumenschmaus noch vor oder bereits im Stadion stattfindet, ist für den Fan Gewöhnungssache. Für den FCB hingegen bedeutet «im Stadion», dass die Kasse klingelt. Und «vor dem Stadion», dass ihm Einnahmen entgehen, die im Portemonnaie von unabhängigen Standbetreibern landen.

Nun scheint es beim Fussballclub Bestrebungen zu geben, mehr von diesem Kuchen abzubekommen. Am Mittwoch schenkt vor dem Gartenbad St. Jakob die Cateringfirma Wassermann erstmals mit offizieller Bewilligung Bier aus. Dies bestätigt Jost Waldispühl, Leiter Gastronomie bei der zuständigen St. Jakobshalle. Der FCB hat seit 2014 eine wesentliche Beteiligung an der Firma, die auch in der Messe und im Stadtcasino als offizieller Caterer auftritt. Mehrheitsaktionär ist Frank Wassermann, der bis 2014 in der Allianz Arena das Catering von Bayern und 1860 München kontrollierte.

Offiziell begründet wird der Stand vor dem Stadion mit dem neuen Mehrwegbecher-Konzept. «Es geht uns primär darum, den Zuschauern vor dem Stadion eine Möglichkeit zu bieten, nach dem Match das Depot für die Mehrwegbecher zurückzuerhalten. Dass wir am Stand auch Getränke verkaufen, ist, damit wir die Rückgabestelle auch wirtschaftlich betreiben können», sagt Waldispühl.

Ungewisse Zukunft

Mehrere Standbetreiber wittern hingegen Expansionspläne. Durch die Baustelle bei der St. Jakobshalle wäre die Voraussetzung auf jeden Fall günstig: Der Kiosk im Turm der Joggelihalle, der während den Fussballspielen an bester Lage auf eigene Rechnung Dosenbier verkauft hat, ist weg. Der Vertrag mit dem Inhaber wurde aufgelöst, der Turm abgerissen. Ebenso musste der grosse Eiche-Stand vor der St. Jakobshalle wegen der Baustelle zunächst auf die Traminsel und schliesslich auf einen abgelegenen Ersatz-Standort beim St. Albanteich ausweichen.

Für Ernst Eiche bedeutet der schlechtere Standort deutliche Umsatzeinbussen. «Nun kommen nur noch diejenigen Kunden zu uns, die unbedingt eine Eiche-Wurst wollen. Aber wenns regnet, dann gehen auch diese direkt ins Stadion und machen nicht den Umweg über uns.» Er hoffe, dass er seinen Stammplatz nach Abschluss der Umbauarbeiten zurückerhalte und werde sicherlich bei einer allfälligen Ausschreibung mitmachen. «Aber es ist gut möglich, dass Wassermann ebenfalls ein Angebot unterbreitet und den Zuschlag bekommen wird», sagt Eiche. Waldispühl hingegen sagt, dass «im Moment nicht geplant ist, ausserhalb des Stadions weitere solcher Stände zu eröffnen.»

Zwei weitere, unabhängige Stände werden auf Muttenzer Boden betrieben. Diese erhalten jeweils von der Gemeinde eine Bewilligung für Gelegenheitswirtschaften, wie Peter Holzherr, Leiter Abteilung Sicherheit, auf Anfrage der bz sagt. Die beiden Stände, darunter der Appenzeller-Stand beim Kunsthaus, liegen auf Privatgrundstücken.

Expansion ohne Bewilligung

In Münchenstein ist der neue Wassermann-Stand der einzige Anbieter auf Gemeindegebiet, der während FCB-Matches Alkohol ausschenken darf, sagt Guido Siegrist, Leiter Allgemeine Dienste und Sicherheit auf der Gemeindeverwaltung. Dass der Stand nun eine Bewilligung hat, sei einzig durch seine Intervention geschehen. Er sei selber FCB-Fan und habe den Stand beim ersten Heimspiel der Saison gesehen und habe danach nachgefragt.

Tatsächlich hat die Catering-Firma zum Saisonauftakt ohne Bewilligung ausgeschenkt. Waldispühl sagt: «Wegen der Sommerferien hat es uns nicht gereicht, die Bewilligung bei der Gemeinde Münchenstein einzuholen.» Jonas Blechschmidt, Leiter Gastronomie beim FCB, konnte gestern keine Stellung nehmen.