Auch Daten sind eine Frage der Interpretation. Bislang hiess es stets, der Basler Standplatz für Fahrende werde im Sommer 2018 eröffnet. So steht es im Ratschlag aus dem Jahr 2016, so bestätigte es auch das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) in einem Bericht der bz vom vergangenen September.

Doch gemäss dem Departement dauert der Sommer kalendarisch ja bis 22. September, also eigentlich bis in die erste Oktoberwoche hinein. Und auf diese hatte das BVD die Eröffnung des Neubaus an der Friedrich-Miescher-Strasse auch geplant. Termingerecht, im Sommer.

Und deshalb betrage die aktuelle Verzögerung auch nicht mehr als zwei Monate, wenn die Eröffnung nun neu per Dezember 2018 geplant sei – so die Herleitung von Catherine Gritti, Sprecherin im BVD.

Schuld sei eine Firma, die zu spät anliefere, sagt Gritti auf Anfrage der bz: «Es handelt sich dabei um einen Lieferanten für ein Abrechnungssystem.» Dieses sei nötig, weil die Fahrenden für den Bezug von Wasser und Strom bezahlen müssten.

Oft vertrieben

Der geplante Standplatz hat eine bewegte Geschichte. Einst legten die Fahrenden in der Nähe des Hafenareals an. Dort mussten sie einer Trendsporthalle weichen. Im Jahr 2016 zogen sie auf das DB-Areal, wo sie jedoch von Naturschützern vertrieben wurden. Es hätte dort seltene Flora und Fauna, so die Begründung von Pro Natura. Um Konflikten mit den Naturschützern aus dem Weg zu gehen, zogen die Fahrenden wenig später nach Allschwil weiter.

Auch dort blieben sie nicht lange: Nach Anschlägen mit Brandsätzen unter einem Wohnwagen und wüsten Beschimpfungen verliessen die Fahrenden das Gebiet schon bald. Die Baselbieter Polizei nahm Ermittlungen auf, die Fahrenden kamen auf einem Basler Privatgelände unter. Ihren Verbleib hielten sie aus Angst vor weiteren Übergriffen geheim.

Neugebauter Platz

Später entstand im St. Johann-Quartier ein Provisorium. 2016 bekräftigte der Grosse Rat, geltendes Bundesrecht zu erfüllen und segnete einen definitiven Durchgangsplatz an der Friedrich-Miescher-Strasse oppositionslos ab. Der Ort hatte sich in einer längeren Standortevaluation durchgesetzt.

Seit April entsteht dort der 1,4 Millionen teure Neubau. Er bietet Toiletten, Duschen und Abwasserentsorgung für zehn Stellplätze. Durch die Verzögerung werden die Fahrenden jetzt nicht heimatlos: Das BVD hat prophylaktisch die Betriebsbewilligung für das Provisorium im St. Johann bis Ende 2018 verlängert. Der Vertrag mit den dortigen Betreibern sei zudem verlängerbar, bestätigte das BVD im Artikel der bz vom September 2017.