Die Befürworter eines Grossbasler Rheinuferwegs zwischen Wettsteinbrücke und Mittlerer Brücke erhalten prominente Unterstützung: Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» hat sich Jacques Herzog den Initianten um den früheren Grossratspräsidenten Daniel Goepfert (SP) angeschlossen. Der Stararchitekt hatte sich in der Vergangenheit immer wieder zur Basler Stadtentwicklung vernehmen lassen. Nach der Auseinandersetzung um den Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals auferlegte er sich jedoch Zurückhaltung. Bei der Abstimmung über den Claraturm Ende 2013 schwieg er.

Dies mit gutem Grund. Bei der Debatte um den Spitalneubau hat sich Herzog den Ruf eines schlechten Verlierers eingehandelt, da er in eigener Sache intervenierte. Er wehrte sich gegen den Entscheid der Jury, die im Mai 2013 die Zürcher Architekten Giuliani und Hönger und nicht ihn zum Wettbewerbssieger gekürt hatten. Erst ein halbes Jahr später akzeptierte er den Juryentscheid, als sich die Regierung weigerte, die beiden Büros ihre Projekte noch einmal überarbeiten zu lassen.

Trotz dieser Vorgeschichte mischt sich Herzog bei der Initiative für einen Rheinuferweg, über die am kommenden 18. Mai abgestimmt wird, nun erneut in die Basler Politik ein. Sein Engagement bei den Befürwortern begründet er gegenüber der «Schweiz am Sonntag» so: «Eine Fussgängerverbindung zwischen Wettsteinbrücke und Mittlerer Brücke fehlt offensichtlich und ist für viele Bewohner und Besucher unserer Stadt ein echtes Bedürfnis.» Der Architekt stellt sich einen «leichten Steg vor, der die steinerne Böschung nicht konkurrenziert und gegenüber der historischen und vertrauten Front mit dem Münsterhügel natürlich wirkt und nicht abriegelnd in Erscheinung tritt».

Zusammen mit Herzog unterstützt auch dessen Büropartner Pierre de Meuron den Rheinuferweg. Das Engagement des Duos ist ein Zeichen dafür, dass der Abstimmungskampf nun doch noch Fahrt aufnimmt. Nächste Woche werden die Befürworter eine Medienkonferenz abhalten, übernächste Woche die Gegner.

Über den Rheinuferweg wird in der Basler Politik schon seit Jahren heftig gestritten. 2002 gab die Christoph-Merian-Stiftung ein erstes Projekt auf, nachdem das Appellationsgericht eine Beschwerde der Freiwilligen Basler Denkmalpflege gutgeheissen hatte. 2011, knapp zehn Jahre danach, nahm Goepfert die Idee wieder auf und lancierte mit einem breit abgestützten Komitee im Rücken eine Initiative.

Im Hinblick auf die Volksabstimmung hat Goepfert die Liste der Unterstützer nun sukzessive erweitert. Mit Remo Gysin und Ralph Lewin sind auch zwei alt SP-Regierungsräte dabei. «Wohl die meisten Einwohner von Basel schätzen einen Spaziergang entlang dem Rheinufer sehr», sagt Lewin. So wie er sich als Regierungsrat im Rahmen des Projekts «Novartis Campus Plus» für die Realisierung einer Rheinuferpromenade vom St. Johann bis zur Dreiländerbrücke in Frankreich eingesetzt habe, unterstütze er nun als Privatperson auch einen Rheinuferweg zwischen Wettsteinbrücke und Mittlerer Brücke.

Das Budget für den Abstimmungskampf wollen derzeit weder die Befürworter noch die Gegner des Rheinuferwegs offenlegen. Auch die im Verein «Unser Stadtbild» organisierten Gegner sind nicht untätig geblieben. Neu sind der WWF Region Basel und Grossrat Heiner Vischer (LDP) dem Verein beigetreten. Dies bestätigt Präsident Christian Eich, der auch die Freiwillige Basler Denkmalpflege präsidiert. Am 1. April, eine halbe Woche nach den Befürwortern, will Anwalt Eich den Abstimmungskampf offiziell lancieren. Man darf gespannt sein, ob es ihm dann auch gelingt, einen Promi wie Jacques Herzog zu präsentieren.