Familiengarten-Initiative
Stararchitekt Roger Diener: «Wessels ist verantwortungslos»

Am 15. Mai kommt es zum grossen Showdown: Dann entscheidet das Basler Stimmvolk, ob es die Initiative «Rettet die Familiengärten» oder den Gegenvorschlag dazu annimmt – oder gar beide Vorlagen in die Wüste schickt.

Yen Duong
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Architekt Roger Diener kritisiert Baudirektor Hans-Peter Wessels heftig.

Architekt Roger Diener kritisiert Baudirektor Hans-Peter Wessels heftig.

Für den Basler Stararchitekten Roger Diener gehen sowohl Initiative als auch Gegenvorschlag zu weit. Er wird zwei Mal ein Nein in die Urne legen – alles andere kommt für ihn nicht infrage.

Hartes Geschütz fährt Diener gegen Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) auf: «Die Haltung von Herrn Wessels ist verantwortungslos und absolut unverständlich», sagt er gegenüber der bz. Grund für Dieners Ärger: Wessels setzt sich für den Gegenvorschlag ein.

Zudem ist er den Familiengärtnern mit seinem «Gegenvorschlag plus» noch mehr entgegen gekommen. Dies, nachdem der Grosse Rat im Januar den Freizeitgärtnern bereits Zugeständnisse gemacht hatte. «Schon der Gegenvorschlag des Grossen Rats ist überflüssig – mit diesem hätte ich aber besser leben können als mit demjenigen der Regierung», meint Diener.

«Übles Spiel der Familiengärtner»

Mit der Vorlage von Wessels kann der Kanton bei den geplanten Stadtrandentwicklungen nur noch zusätzlichen Wohnraum für 3500 Personen schaffen – vorgesehen waren ursprünglich 4500. «Ich bin empört darüber, dass Hans-Peter Wessels den Stimmbürger unterschätzt und bereit ist, Bedingungen einzugehen, die er nicht sollte», nervt sich Diener.

Was für viele Basler nicht nachvollziehbar ist: Trotz Kompromiss wird die Initiative nicht zurückgezogen, obwohl die Mehrheit der Familiengärtner den Gegenvorschlag bevorzugt. Diener, der bei den Testplanungen der Stadtrandentwicklung Ost beteiligt ist, überrascht dies nicht: «Das war von Anfang an ein übles Spiel der Familiengärtner», ist er überzeugt. Die Initiative sei rücksichtlos und verlange im Interesse von wenigen «ausserordentlich viel».

Derzeit bereiten sich gleich drei Komitees auf die Abstimmung vor. Gegründet wurde das Komitee «für ein Ja zum Gegenvorschlag und Nein zur Familiengarten-Initiative». Die Grünen und der WWF der Region Basel haben das Komitee aus der Taufe gehoben. Ihm gehören unter anderem SP-Nationalrätin Silvia Schenker und Grünen-Grossrätin Mirjam Ballmer an.

Für ein doppeltes Nein am 15. Mai setzt sich das Komitee «für eine nachhaltige Stadtentwicklung» ein. Dieses wurde vom Gewerbeverband und der Handelskammer beider Basel lanciert. Am 4. April wird dieses Komitee seine Kampagne gegen die Familiengärtner präsentieren.

Präsident Schneider abgetaucht

Auch die Familiengärtner befinden sich bereits in den Startlöchern, um für ein doppeltes Ja zu werben. Nicht mit von der Partie sein wird aber Christian Schneider, Präsident des Zentralverbands der Familiengartenvereine. Er tritt Anfang Mai von seinem Amt zurück und zieht somit seine Konsequenzen daraus, dass die Familiengärtner trotz Einigung die Initiative nicht zur Ablehnung empfehlen. Gerne hätte die bz mit Schneider über seinen Rücktritt gesprochen. Jedoch scheint er seit über einer Woche abgetaucht zu sein.