Bildung

Starke Schule beider Basel setzt Erziehungsdepartement unter Druck

Die Initiative der Organisation Starke Schule richtet sich gegen die sogenannten Passepartout-Lehrmittel in den Fächern Französisch und Englisch. (Symbolbild)

Die Initiative der Organisation Starke Schule richtet sich gegen die sogenannten Passepartout-Lehrmittel in den Fächern Französisch und Englisch. (Symbolbild)

Lehrpersonen sollen selber aus einer Liste auswählen können, welche Lehrmittel sie im Unterricht einsetzen.

In Baselland ist die Organisation Starke Schule beider Basel schon seit Jahren ein Stachel im Fleisch der Bildungsdirektion. Gleich reihenweise reicht die Interessengruppe um den früheren Landrat (Grüne-Unabhängige) und Mathematik-Lehrer Jürg Wiedemann Initiativen ein – und setzt so die Bildungsverantwortlichen unter Druck.

Nun lanciert die Starke Schule ihr erstes Volksbegehren im Kanton Basel-Stadt. Das Ziel: Die Lehrpersonen sollen selber aus einer Liste auswählen können, welche Lehrmittel sie im Unterricht einsetzen. Konkret richtet sich die Initiative gegen die sogenannten Passepartout-Lehrmittel in den Fächern Französisch («Milles feuilles» und «Clin d’oeil») und Englisch («New World»). Diese sind nach einem anderen Ansatz aufgebaut. Die Fremdsprache soll nicht via Wörter- und Grammatikpauken erlernt werden, sondern analog der Muttersprache vor allem über das Hören. Die Passepartout-Lehrmittel werden seit Jahren stark kritisiert.

Cramer reagiert schon vorsorglich

Bisher hat das Erziehungsdepartement Basel-Stadt an den Passepartout-Lehrmitteln festgehalten. Zu denken geben dürfte den Verantwortlichen allerdings ein jüngstes Ergebnis: Im Baselbiet wurde vor drei Monaten die gleichlautende Initiative der Starken Schule mit eindrücklichen 85 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen. Ab dem Sommer gilt im Landkanton neu Lehrmittelfreiheit – auch wenn es noch einige Probleme bei der Umsetzung gibt (die bz berichtete).

Bildungsdirektor Conradin Cramer (LDP) hat der Starken Schule diese Woche ein Schnäppchen geschlagen. Einen Tag bevor die Initiative offiziell gestartet wurde, kündigte das Erziehungsdepartement am Dienstag an, den Lehrpersonen künftig mehr Spielraum bei der Auswahl der Unterrichtsmaterialien lassen zu wollen – bisher allerdings erst im Fach Mathematik. Für die Fächer Deutsch und Französisch wurden konkrete Entscheide in den nächsten Monaten angekündigt.

«Es geht nicht um ein Verbot von Passepartout»

Für das Initiativkomitee sind diese Ankündigungen allerdings noch zu wenig. Es brauche eine Gesetzesänderung, die garantiert, dass neben den Passepartout-Lehrmitteln weitere verwendet werden können, so Wiedemann. Es gehe aber nicht darum, die Passepartout-Lehrmittel zu verbieten, so das Komitee, dem unter anderem die neue Nationalrätin Katja Christ (Grünliberale) und die Parteispitze der kantonalen FDP angehören. Vielmehr geht man davon aus, dass an den Schulen freiwillig auf die Passepartout-Materialien verzichtet wird.

Auch die Gewerkschaft Erziehung des VPOD meldete sich gestern zu Wort. Sie teile die von vielen Lehrpersonen geäusserte Kritik an den verschiedenen Lehrmitteln. Doch das Beispiel Baselland zeige, dass die Umsetzung nicht so schnell passieren könne, da alternative Lehrmittel in der entsprechenden Qualität noch gar nicht vorhanden seien.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1