CNN-Starreporter
Starreporter Richard Quest: «Warum schliesst der Weihnachtsmarkt so früh?»

CNN-Starreporter Richard Quest ist zurzeit in Basel zu Besuch. Im Interview spricht er über die Stadt Basel, die Roche und den Steuerstreit der Schweiz mit der EU – und er erklärt, welche Hindernisse ihn überraschen, wenn er ein Glas Glühwein will.

Hans-Martin Jermann
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Richard Quest über Basel und die Schweizer Wirtschaft. Juri Junkov

Richard Quest über Basel und die Schweizer Wirtschaft. Juri Junkov

Mister Quest, Sie waren am Wochenende in Basel. Worum ging es?

Richard Quest: Ich habe ein Interview geführt mit Roche-CEO Severin Schwan. Ich habe ihn über sein Unternehmen befragt und dann über das europäische Marktumfeld, die Krise in der Eurozone, den starken Schweizer Franken.

Was war Ihr Eindruck von der Roche?

Faszinierend. Was ich zuvor nicht wusste: Wie gross die Anlagen hier in Basel sind. Ich wusste nicht, dass Roche hier auch im grossen Stil produziert. Ich dachte, hier seien in erster Linie die Forschung und die Verwaltung des Unternehmens ansässig.

Roche und Novartis sind wichtig für die Region. Wie beurteilen Sie die Risiken dieser Abhängigkeit?

Eine starke Abhängigkeit von dominanten Branchen ist für eine Region immer mit Risiken verbunden. Aber ich würde mir deswegen keine allzu grossen Sorgen machen. Erstens, weil Roche und Novartis in ein Umfeld – die Schweizer Wirtschaft – eingebettet sind, das sehr solide ist. Zweitens sind die Life-Sciences weniger anfällig für Krisen als andere Branchen. Medikamente braucht es immer. Lassen Sie es mich so formulieren: Wenn Ihre Stadt wirtschaftlich abhängig ist von zwei einzelnen Unternehmen, dann kann ich mir keine zwei besseren vorstellen als Novartis und Roche.

Sind Sie das erste Mal hier in Basel?

Nein, nein. Ich war etwa vier, fünf Mal hier.

U nd was ist Ihr Eindruck?

Beginnen wir am Flughafen. Total verwirrend. Liegt der Basler Flughafen in der Schweiz oder in Frankreich?

Der Flughafen liegt auf französischem Staatsgebiet, er verfügt aber sowohl über einen Schweizer als auch einen französischen Zollsektor. Man kann also aus der Schweiz an den Flughafen, ohne eine Zollkontrolle zu passieren.

Genau das meine ich. Und wenn man am Flughafen den Sektor wechseln will, dann muss man irgendwo nach oben und dann wieder nach unten. Bizarr.

Und die Stadt selber?

Die Stadt ist sehr reizend und charmant. Aber warum schliesst der Weihnachtsmarkt da draussen an einem Freitagabend um 20 Uhr? Da wollen die Leute doch raus gehen, zuerst vielleicht was essen gehen, dann gemütlich über den Markt schlendern, Geschenke einkaufen, sich an einem Glühwein mit Schuss erfreuen. Wissen Sie, weshalb der Markt so früh schliesst?

Ich nehme an, dass irgendein Gesetz den Markt dazu verpflichtet.

Ich verstehe das nicht. Gerade weil es eine saisonale Besonderheit ist, sollten die doch bis 22 oder 23 Uhr offen haben. Oder ist dieser frühe Schluss am Ende typisch schweizerisch, nach dem Motto: Die Menschen könnten sich zu stark amüsieren?

Reden wir über die Wirtschaft: Die Schweiz steht wegen Steuerfragen international in der Kritik. Ist unser Bankgeheimnis für die Menschen in Ihrer Heimat ein Thema?

Es ist nicht so, dass die Menschen deswegen auf die Strasse gehen würden und ihre Regierung dazu auffordern, etwas gegen diese bösen Schweizer und ihre Steuergesetze zu unternehmen. Die wirtschaftliche Lage ist in Europa aber sehr ernst. Die Regierungen müssen ihren Bürgern harte Sparprogramme schmackhaft machen: Sie streichen bei der Bildung, bei Sozialleistungen, bei öffentlichen Dienstleistungen. Kein Wunder, suchen sie auf Seite der Einnahmen nach Möglichkeiten, die Lage zu verbessern. Die Steuerhinterziehung stellt einen Knüppel dar, mit dem man leicht auf die Schweizer prügeln kann. Das macht sich für die Politiker gut. Sie hören meinen sarkastischen Ton. Aber aus der Sicht dieser Länder ist das eine verständliche Reaktion.

Was würden Sie vorschlagen, wenn Sie Berater der Schweizer Regierung wären?

Aufgeben! Spass beiseite: Der Steuerstreit ist ebenso sehr eine PR-Schlacht wie eine inhaltliche Auseinandersetzung. Das Problem: An der PR-Front hat die Schweiz bereits verloren. Die öffentliche Wahrnehmung in der EU ist: Die Schweiz ist ein sicherer Hafen für Menschen, die ihr Geld illegal verstecken. Wir beide wissen: Es gibt noch viele andere Häfen für Steuerflüchtlinge. Aber das sind kleine Inseln, irgendwelche kuriosen Regimes, keine Länder im Herzen Europas mit starker Wirtschaft und internationaler Anerkennung.