Indian Festival
Statt indischem Paradies gabs ein richtiges Bollywood-Drama

Die Preispolitik und die Organisation des indischen Festivals waren mehr als fragwürdig. Besucher erheben schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter, weil sie für teure VIP-Tickets nur sehr wenig und immer wieder das Gleiche vorgesetzt bekamen

Andrea Mašek
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Bollywood-Show: Unter dem Titel «A Taste of Paradise» wurden die Besucherinnen und Besucher empfangen. Fotos: Martin Töngi

Bollywood-Show: Unter dem Titel «A Taste of Paradise» wurden die Besucherinnen und Besucher empfangen. Fotos: Martin Töngi

«A Taste of Paradise», das Paradies versuchen – mit diesem Werbeslogan werden die Besucherinnen und Besucher des Indian Festivals vor dem Rhypark empfangen. Mmh, das Shah-Rukh-Khan-Menu müsste Frau unbedingt probieren. Noch besser aber wäre es, wenn der berühmte Filmschauspieler und -produzent selbst in Basel wäre, schliesslich steht er wie kein Zweiter für den Glamour Bollywoods.

Dennoch haben sich sechs St. Gallerinnen dieses Wochenende auf eine grosse Bollywood-Show gefreut. Es sind Lehrerinnen und Schülerinnen einer Bollywood-Tanzgruppe. Sie haben Kurse abgesagt, Geld zusammengekratzt, sich für 320 Franken VIP-Tickets geleistet, Hotelübernachtungen gebucht, um am Samstag das paradiesische Indien zu geniessen. Für eine war dies sogar ein Geburtstagsgeschenk. Was sie jedoch erleben, ist ein richtiges Bollywood-Drama.

Festivalbesucher sind stinksauer

Die Künstlerinnen und Künstler seien gut gewesen, versuchen sie noch etwas Positives zu sagen. Die bz kann das bestätigen. Am Freitag hat die zwölfköpfige Jaipur Maharaja Brass Band das Festival eröffnet. Unheimlich schnell sind die rajasthanischen Lieder, herrlich die Spiel- und Tanzfreude der Musiker. «Wer in Indien Hochzeit feiert, muss einfach eine Brassband einladen», erklärt der Dirigent und lässt ein Liebeslied anstimmen. Die indische Liebe ist offensichtlich sehr feurig. Und glücklich, denn der nachfolgende Song «Happiness» klingt sehr ähnlich.

Nicht glücklich, sondern stinksauer sind aber die St. Gallerinnen – über die «katastrophale Organisation». Drei Mal hätten sie am Samstagnachmittag dasselbe Programm präsentiert bekommen, weil zu wenig Künstler da waren. Man habe nie gewusst, wer auf der Bühne – angekündigt waren vollmundig zwei Bühnen – stehe. An den Zeitplan habe sich niemand gehalten. Als die bz zur Bollywood-Show eintrifft, ist die längst vorbei.

Willkürliche VIP-Ticketpreise

Die Frauen erzählen, am Nachmittag seien viele Leute demonstrativ aufgestanden und gegangen. Später sei es besser geworden, allerdings sei man im Saal quasi eingesperrt gewesen. «Ich war da aber bereits so wütend, ich habe nicht einmal mehr die Show geniessen können», sagt eine. Als VIP seien sie nie behandelt worden. Versprechungen seien nicht eingehalten worden. Immerhin durften sie doch einige Künstler treffen und die Jüngste kann sich kurz auf der Tabla, der traditionellen Trommel, versuchen. Dann der Paukenschlag: Sie erfahren, dass andere vor Ort bloss 130 Franken für ein VIP-Ticket bezahlt haben.

Als sie ihr Geld von den Veranstaltern zurückfordern, verweisen diese auf Ticket Corner, wo die Billette ausgestellt wurden. Der bz wollen die Veranstalter keine Auskunft geben. Dafür reden andere: Vom Künstler bis zur Reinigungsfirma, alle fühlen sich auf die eine oder andere Art betrogen. Ob die St. Gallerinnen zum Schluss wenigstens noch etwas zu Essen erhalten haben? Bei nur zwei Essständen ist das nicht sicher. Sicher aber ist, dass ein bitterer Nachgeschmack zurückbleibt.