Wenn ein Bischof und ein Ökonom über Wert und Werte im Gesundheitswesen debattieren, kann die Luft schon mal knistern. So geschehen am Forum Gesundheitswirtschaft in Basel, als Bischof Felix Gmür mit Axel Mühlbacher, Professor für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Neubrandenburg, sich in der Wertefrage zu einigen versuchten.

Mühlbacher hielt die Effizienz im System für das höchste Gut, Bischof Gmür aber war keinesfalls einverstanden: «Effizienz kann doch nicht alles sein! Liebe kann alles sein, nicht aber Effizienz», sagte er.

Kosten wachsen, Finanzen drücken

Wert und Werte sind tatsächlich wesentliche Faktoren in einem System, das von Kostenwachstum, Finanzdruck und einem rasant grösser werdenden Portfolio an Leistungen und Angeboten geprägt ist. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger weiss das: Er muss derzeit schliesslich die gemeinsame Spitalgruppe beider Basel durchbringen. Im Herbst kommt die Vorlage vor die Parlamente in Basel-Stadt und Baselland.

Engelbergers Departement war massgeblich am Forum beteiligt. Die Besetzung dieses Jahr war sehr regional geprägt: Von Direktoren privater und öffentlicher Spitäler über Ärzte, aber auch nationale und internationale Entscheidungsträger referierten und diskutierten.

Klar blieb allerdings: Es geht dann doch ums Geld. Welche Leistungen dafür zu erhalten sein sollen, wurde nicht im Detail diskutiert, wie auch: Es läuft dabei vom Hundertsten ins Tausendste, die Entwicklung in der Forschung ist rasant. Gleichzeitig befindet sich das Schweizer Gesundheitssystem einer Schwelle, Massnahmen wie Spitalgruppen können richtungsweisend sein, worin sich das Fachpublikum anlässlich der Diskussionen grundsätzlich einig war.

FMH-Präsident: Wir haben Zeit

Und die Podien waren prominent besetzt: Jürg Schlup, Präsident der Ärztegesellschaft FMH, sagte etwa, die Zeit sei auf der Seite der Ärzteschaft. Überstürzte Massnahmen oder gar Regulatorien seien aus seiner Sicht nicht angebracht. Dem widersprach Anne Lévy teils deutlich: Die Direktorin der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel-Stadt steht selbst in einer Situation zwischen Unterfinanzierung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und einem hohen Leistungsanspruch. Der Verteilungskuchen im öffentlichen Bereich müsse korrigiert werden.

Die Theologin Ruth Baumann von der Stiftung Dialog und Ethik in Zürich relativierte allerdings: Von zu schnellen Eingriffen riet sie ab, riet aber dazu, die Stufenproblematik zu thematisieren. Leistungen für die Gesundheit sollten nicht nach nackten Preisen beurteilt werden, wie das wegweisende Myozyme-Urteil des Bundesgerichts es nahelegen könnte. Eine Sensibilität sei nötig. Politisch sei das Bewusstsein dafür vorhanden, bestätigte schliesslich Michael Jordi, Sekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Schweiz.

Das Thema der Finanzierung zog sich auch weitgehend durch die Symposien der Tagung. Auch hier zeigte sich: Mit dem Thema Geld lockt man Gesundheitsverantwortliche aus der Reserve. Nicht, dass die Wertefrage dabei vernachlässigt wurde, im Gegenteil. Was schliesslich blieb, war die Frage was sollen öffentliche Hand und Private für welche Leistungen ausgeben. 

Unterstützung von santésuisse

Und das zu beantworten, versuchten Engelberger selbst, SVP-Nationalrat Heinz Brand, Präsident des Versicherer-Verbandes santésuisse, und Thomas Gasser, Noch-Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Basel. Für Brand war klar: «Es gibt noch massives Sparpotenzial im System.» In ihm fand Engelberger auch einen entscheidenden Fürsprecher der Spitalregion, die, wie es der Regierungsrat sagte, zu einer wirtschaftlicheren und patientenfreundlicheren Gesundheitsversorgung beitragen soll.

Thomas Gasser, Dekan der Mediziner an der Uni Basel pflichtete bei: Wesentlich in der Planung sei eben auch, dass der Forschung Rechnung getragen werde, deren Kosten zwar genauer aufgerechnet werden könnten als sonstwo, doch deren Wert sich selten in nackten Zahlen zeige. Einigkeit bestand auch darin, dass die Patienten wieder stärker den Wert der bezogenen Leistungen wahrnehmen sollen. Damit die Versicherung eben nicht zu einer Art Gesundheits-Flatrate verkommt, die Kosten weiter und weiter nach oben treibt.