Nachhaltigkeit und Verdichtung. Diese beiden Schlagwörter hört man dauernd in politischen Diskussionen rund ums Thema Stadtentwicklung. Doch nicht nur die Politik beschäftigt sich mit damit, sondern auch die Kunst. Livia Matthäus, Studentin am Institut Hyperwerk der Hochschule für Gestaltung und Kunst, stellt sich bereits seit geraumer Zeit die Frage «Wie wollen wir in Zukunft leben?»

Eine Antwort hat die 26-Jährige bis jetzt noch nicht gefunden. Doch sie hat das Streitthema Stadtentwicklung zu ihrer Diplomarbeit gemacht: «In meinem Studium in Prozessgestaltung beschäftige ich mich damit, was Design und Kunst für eine Rolle in unserer Gesellschaft spielt.»

Das viertägige Festival «Stattutopie», das Matthäus im Rahmen ihrer Diplomarbeit organisiert, soll «eine Plattform für Diskussionen schaffen». Gemeinsam mit Mitstudierenden veranstaltet sie verschiedene Workshops, in denen die Teilnehmenden die Stadt Basel von einer anderen Seite kennen lernen können, neue Arten des Kochens entdecken dürfen oder andere Wohn- und Lebensformen vorgestellt bekommen.

Zusätzlich zu den interaktiven Kursen hat Matthäus verschiedene Experten eingeladen: Bastiaan Frich vom Urban-Agriculture-Netz Basel berichtet darüber, wie die Bewegung auf das Problem des heutigen Lebensmittelkonsums und der Verschwendung aufmerksam machen will. Ein anderer Gast ist Andrea Hofmann vom Raumlabor Berlin: Sie und ihr Team haben es sich zum Ziel gesetzt, alternative Strategien zur Stadterneuerung und -planung attraktiver zu machen. Ausserdem versucht das Raumlabor Berlin, dass sich die Bevölkerung stärker an der Gestaltung des gemeinsamen Lebensraums beteiligt.

Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die Studentin Livia Matthäus: «Ich möchte den Fokus auf die Bürger setzen. Es soll niemand ausgeschlossen werden aus der Planung unserer Zukunft.» So gibt sie den Gästen des Festivals «Stattutopie» die Möglichkeit, ihre Traumstadt zu bauen: Beim sogenannten «Stadtspiel» kann jeder und jede die Stadt Basel so gestalten, wie er oder sie es wünscht.

Zum Beispiel der Hafen

Was mit den Visionen und Ideen geschieht, die am Festival «Stattutopie» entstehen, will Matthäus noch nicht festlegen. Sicher ist aber, dass sich die Ergebnisse des Anlasses nach dessen Ende nicht in Luft auflösen sollen: «Ich möchte das Projekt weiterziehen. Meine Idee wäre, dass ich alle Inputs des Festivals in einer Publikation zusammenfasse, die ich dann auch an die Zuständigen der Stadtentwicklung von Basel weitergeben kann.» Ausserdem würde Matthäus gerne die Projektplattform weiterbetreiben. Denn obwohl sie im September ihr Studium am Institut Hyperwerk abschliesst – das Thema Stadtentwicklung betrachtet sie als nicht abgeschlossen.

Auch für die Stadt Basel hat Livia Matthäus Visionen: So wünscht sich die 26-Jährige, dass neue Beteiligungsformen ausprobiert werden, wenn es um die Gestaltung des Lebensraumes geht. Ausserdem fordert sie speziell von den zuständigen Politikern «mehr Mut zu Experimenten». Gerade die Fläche im Hafen habe grosses Potenzial für verschiedene Nutzungsformen und Projekte. Matthäus: «Basel soll ein Beispiel für andere Städte setzen.»

Fünf Highlights des «Stattutopie»-Festivals in der Basler Markthalle

Info: Festival «Stattutopie»: 14. bis 18. April. Jeweils von 9 Uhr bis open end. Veranstaltungsraum «F», Markthalle. Weitere Informationen unter www.stattutopie.ch.