Mein 2013

Stefan Lauber: Herr der hunderttausend Koffer auf dem Euro-Airport

Ein kurzer Blick von Stefan Lauber auf die Etikette genügt: «Dieser Koffer geht nach Berlin.»

Ein kurzer Blick von Stefan Lauber auf die Etikette genügt: «Dieser Koffer geht nach Berlin.»

Der 54-jährige Stefan Lauber leitet das Swissport- Gepäckteam auf dem Euro-Airport. Eine besondere Herausforderung seien jeweils die Spitzenzeiten am Morgen mit 12 bis 15 Flugzeuge in einer Stunde, so Lauber.

In grossen Schritten geht Stefan Lauber durch die Gepäckhalle, grüsst links und rechts, «Salut Joris, bonjour Jean!» Man spricht französisch hier, ganz offensichtlich. Im Moment ist relativ wenig los, die einzelnen Gepäckstücke kommen lediglich im Halb- oder Viertelminutentakt vom Eincheckbereich in die Halle hinunter.

Hier, auf dem Niveau des Vorfeldes, werden die Gepäckstücke nach Destinationen/Flügen sortiert auf Wagen geladen. Und zwar von Hand. Zuvor sind sie durch den Röntgenapparat, danach wird jedes einzelne Gepäckstück mittels «Scan» identifiziert: der «Barcode» auf der Gepäcketikette weist das Gepäckstück dem Inhaber (Passagier) zu; es werden Destination, Kurs und OK-Status geprüft.

«In den Morgenspitzen, wenn in einer Stunde 12 bis 15 Flugzeuge rausgehen, ist das schon eine grosse Herausforderung», sagt Lauber. «Und sehr anstrengend. Es muss sehr speditiv und fehlerfrei gearbeitet werden.» Im Sommer kommt dazu, dass die Temperaturen auf dem Vorfeld oder in den Bäuchen der parkierten Flugzeuge bis zu 45 Grad betragen.

Lauber ist gewohnt zu organisieren, und das macht er exakt, ohne Zweifel. Fehler dürfen da keine passieren. Jeder, der mal einen Koffer vermisst hat, weiss, wie ärgerlich das ist.

Er erklärt, knapp, präzis, fast militärisch, worum es geht. «Wir müssen flexibel sein.» Manchmal kommen verspätete und verfrühte Flugzeuge gleichzeitig. Eine Riesenherausforderung.» Die Anlage ist manchmal am Anschlag, die neue vollautomatisierte Gepäcksortieranlage ist erst für 2017 geplant. «In diesem Jahr haben wir mit im Schnitt rund 130 Mitarbeitern 55 120 Tonnen verladen.

Pro Mitarbeiter sind das 440 Tonnen pro Jahr», so Lauber. Ein Gepäckstück wiegt durchschnittlich 13 Kilo. In diesem Jahr fertigte Swissport 5,3 Millionen Passagiere ab, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Entlad gibt es strenge zeitliche Vorgaben: Im Linienverkehr hat der erste Koffer in 15 Minuten, der letzte in 25 Minuten nach der Landung im Empfangsbereich zu sein.

Lauber ist aber auch stolz auf sein Team, wie er mehrfach betont. Wie sie gemeinsam Grosses leisten um die Fluggäste zu deren Zufriedenheit zu bedienen. «Die Zusammenarbeit ist extrem wichtig.» Und wie wertvoll diese sei, zeige sich, wenn Flexibilität gefordert ist.

Das war schon bei seinen früheren Jobs bei der Crossair als Einsatzleiter und bei Swissair Ground Services so, sagt der gebürtige Walliser. 2003 durchliefen der Euroairport und die Angestellten harte Zeiten: Das Eurocross wurde abgebaut. «Ich musste 50 Mitarbeitenden künden. Da erlebt man plötzlich Schicksale. Und lernt andere, bisher unbekannte Seiten von Mitarbeitern kennen.» Lauber wird nachdenklich.

Erfreuliches? Ja gewiss. Hunde! Manchmal werden Tiere transportiert, in Spezialboxen. Die Frachträume sind klimatisiert und innerhalb der Druckkabine. Einmal ist ein Hund entwischt. Das arme Tier irrte auf dem Vorfeld umher. «Ich bin den Umgang mit Hunden gewohnt. Ich habe sein Vertrauen gewonnen und konnte ihm habhaft werden.»

Eine andere Hundegeschichte: Ein Airbus kommt aus Montreal. Als die Swissport-Mannschaft die Frachtluke öffnet, erscheint zwischen Tor und Container eine vorwitzige Schnüffelnas’… Der fidele Hund ist ausgebüxt, hat es irgendwie fertig gebracht, die mehrfach gesicherte Box zu öffnen und durch die engen Maschen des Frachtnetzes zu schlüpfen. Ein Ding der Unmöglichkeit, behaupten Fachleute.

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