Alles ist wie vor einem ganz normalen Flug. Eine Flugbegleiterin instruiert die Passagiere, wie sie das wohl schon hunderte Male gemacht hat. Die Sicherheitsgurten müssen fest angezogen werden, die Schwimmweste findet sich unter dem Sitz, das Handy ist auf Flugmodus umzustellen, Rauchen nicht gestattet.

Doch so normal ist sie dann doch wieder nicht, die Einführung: Sie findet nicht an Bord statt, sondern in einem Zelt. Und als die junge Dame die Funktion des Spuckbeutels – bekannter unter dem Namen Kotztüte – erläutert, wird klar, dass sich ein Zeppelin doch stark von einem Flugzeug unterscheidet: «Wenn es jemandem übel werden sollte: Benutzen sie doch bitte, bitte diesen Sack. Nicht alles aus dem Fenster lassen!»

Fliegen bei offenem Fenster: Das gibt es nur bei einem Zeppelin. Aber weshalb nur sollte es einem beim Dahingleiten mit der Riesen-Zigarre übel werden? Beim Demonstrationsflug für die Medien am Montag schaukelte das Luftschiff zwar ein wenig. Aber jedes Tram ruckelt stärker.

Nach Basel gebracht hat den Zeppelin die Fluggesellschaft Edelweiss. Sie begeht ihr 20-Jahr-Jubiläum mit Rundflügen mit dem Koloss. Noch bis zum Montag dreht er seine Runden über dem Rheinknie; zwölf Passagiere finden in der Kabine Platz.

Basel ist nach Zürich die zweite Station auf der Jubiläums-Tournee. Start- und Landeort sind die Fussballfelder auf der Brüglinger Ebene in Münchenstein. Dort hat die Airline einen kleinen Flughafen eingerichtet. Neben dem Zelt für die Instruktionen gibt es auch einen Schalter fürs Check-in.

Die Hitze stört den Zeppelin nicht

Die Piloten könnten das Luftschiff auf bis zu 120 Stundenkilometer beschleunigen. Doch das war am Montag gar nicht nötig. Die 300 Meter Reiseflughöhe sind rasch erreicht; es weht ein mässiger Wind, unter dem Paronamafenster im Heck – es ähnelt demjenigen der Tango-Trams der BLT – gleiten in aller Ruhe Joggeli, Rhein, Roche-Turm, Badischer Bahnhof, Hafen, Dreiländerbrücke und die Einkaufstouristen vor dem Marktkauf vorbei.

«Ein wenig kühler dürfte es schon sein», sagt Fritz Günther, einer der beiden Piloten, als er beim Kraftwerk Kembs gerade das Wendemanöver einleitet. Nicht wegen des Zeppelins, wie er sagt («die Hitze ist dem so ziemlich egal»), aber wegen ihnen beiden und den Passagieren. «So kommen wir schon ein wenig ins Schwitzen – trotz offener Fenster.»

Edelweiss hat das Fluggerät bei der Zeppelin Luftschifftechnik gechartert. Diese hat ihren Sitz in Friedrichshafen, in der Stadt also, wo vor über hundert Jahren die Ära der Gas-Giganten begann. Die «Hindenburg», das grösste je gebaute Luftfahrzeug, läutete den Niedergang ein: Sie verbrannte 1937 beim Landeanflug. Ihr Rumpf war 245 Meter lang – der Edelweiss-Zeppelin hätte darin locker dreimal Platz.

Beim Wort Zeppelin schwingt noch immer die Katastrophe mit. Auf die Hindenburg angesprochen, winkt Pilot Fritz Günther aber ab. «Was wir heute fliegen, ist mit damals nicht zu vergleichen: Das ist ein ganz anderer Stand der Technik.» Eine Explosion wie 1937 sei nur schon deshalb ausgeschlossen, weil heutige Modelle nicht mit Wasserstoff, sondern mit Helium befüllt werden – und Helium ist nicht brennbar.

Dann bittet die Flugbegleiterin die Passagiere, sich hinzusetzen und anzuschnallen. Die Landung steht bevor. Alles ist wie bei einem ganz normalen Flug. Wenn da nur die offenen Fenster nicht wären.