Der Glarner Politiker This Jenny starb im Kantonsspital Glarus – mit der Sterbehilfeorganisation Exit. Das wäre in Basel nicht möglich. Grossrat Luca Urgese (FDP) will dies nun ändern. Mit einer Motion fordert er, dass den Sterbehilfeorganisationen Zugang zu allen öffentlich unterstützten Spitälern, Alters- und Pflegeheimen gewährt wird. Bislang regelt jede dieser Institutionen in Basel selber, ob sie den begleiteten Freitod intern akzeptieren oder nicht.

Luca Urgese war im November Mitorganisator des Freiheitspodiums zum Thema Selbstbestimmung im Alter. «Dort wurde die Problematik diskutiert, dass gewisse Institutionen die Sterbehilfe nicht zulassen», sagt der FDP-Politiker. Stossend sei für ihn insbesondere, dass die Patienten oder Bewohner häufig keine oder eine beschränkte Wahl haben, in welchem Spital oder Altersheim sie untergebracht werden. Widerstand gegen den Vorschlag von Urgese kündigt die EVP an. «Das ist ein Widerspruch zum Auftrag eines Spitals. In den Altersheimen steigt zudem der Druck auf die Bewohner, die leben wollen, sich aber als Belastung für ihr Umfeld empfinden», sagt EVP Co-Präsidentin Brigitte Gysin.

Unterschiedliche Regeln

Wie Claudia Roche, Geschäftsführerin des Verbands gemeinnütziger Basler Alterspflegeheime (VAP), bestätigt, regeln die Heime den Zugang unterschiedlich: «Jedes Heim ist verpflichtet, seine Haltung zu formulieren und darüber die Bewohner zu informieren.» Eine Übersicht, welche Einrichtungen die Sterbehilfe zulassen respektive verbieten, hat weder der VAP noch das Gesundheitsamt.

Gemäss Bernhard Sutter, Geschäftsführer von Exit, lassen rund die Hälfte der Alters- und Pflegeheime in der Schweiz den assistierten Suizid zu. «Exit begleitet eher selten Menschen, die in Altersheimen leben. Das sind etwa 15 Prozent von all unseren Begleitungen», sagt Sutter. In Basel erlaubt unter anderem das Bürgerspital die Sterbehilfe – es ist der grösste Anbieter von stationärer Pflege für betagte Menschen in Basel. «Wir lassen Sterbehilfeorganisationen sowohl für die Beratung als auch für den Vollzug in die privaten Räumlichkeiten von unseren Bewohnern», sagt Doris Fritschi. In den letzten fünf Jahren haben sich fünf Bewohner des Bürgerspitals bei einer Sterbehilfeorganisation angemeldet. Schlussendlich seien drei Personen auf diesem Weg aus dem Leben geschieden, sagt Fritschi.

Obwohl die Zahlen gering sind, erachtet Bernhard Sutter von Exit die Motion von Luca Urgese insbesondere für die Bewohner in Alters- und Pflegeheimen als bedeutend: «Wenn ihnen verwehrt wird, im eigenen Bett zu sterben und sie in ein anonymes Sterbezimmer transportiert werden müssen, ist das unmenschlich.»

Sterbebegleitung im Spital selten

Noch seltener als in Alters- und Pflegeheimen begleitet Exit Patienten in Spitälern. Gemäss Sutter hängt dies damit zusammen, dass die Patienten – im Gegensatz zu den Bewohner von Altersheimen – über private Räumlichkeiten verfügen. «Sie ziehen es vor, zu Hause und im Kreis der Angehörigen zu sterben», sagt Bernhard Sutter.

Gemäss Martin Conzelmann, Chefarzt im Felix Platter-Spital, treten pro Jahr ein bis zwei Patienten aus dem Spital aus, um mit einer Sterbehilfeorganisation ihr Leben zu beenden. Im Gegensatz zum Universitätsspital können die Patienten des Felix Platter-Spitals die Organisationen für Beratungsgespräche empfangen. Sowohl das Uni-Spital wie das Felix Platter-Spital lehnen die begleitete Sterbehilfe in ihren Räumlichkeiten ab. «Das Personal in einem Spital ist mit dem Thema assistiertem Suizid überfordert. Die ganze Ausbildung ist auf Akutsomatik, Rehabilitation und Palliativ Care ausgerichtet. Assistierte Suizide werden ausgeklammert, da sie nicht zum Kerngeschäft des Spitals gehören», sagt Martin Conzelmann. Im Kanton Glarus erlaubte es das Spital dem Politiker This Jenny und sprach von einer Ausnahme. Die Basler Regierung muss nun eine einheitliche Regelung beschliessen.