Das ist absoluter Rekord. Gleich 797 Steuerpflichtige haben sich im letzten Jahr im Kanton Baselland selbst angezeigt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Sie alle haben die Chance ergriffen, sich einmal im Leben «straflos» selbst anzeigen. Nur die hinterzogenen Steuern und Verzugszinsen für die abgelaufenen zehn Jahre müssen bezahlt werden.

Seit der schweizweiten Einführung dieser «kleinen Steueramnestie» im Jahr 2010 waren es noch nie so viele Selbstanzeigen. Damit sind unter dem Strich knapp 102 Millionen Franken an bisher nicht versteuertem Vermögen offen gelegt worden – meist aus Bankguthaben, Wertschriftendepots oder Stiftungsvermögen.

Und gerade auch bei ausländischen Liegenschaften werde eine massive Zunahme der Fälle festgestellt, erläutert Clemens Frei von der Baselbieter Steuerverwaltung. In einem der Fälle handelte es sich gleich um 13,4 Millionen Franken, die nachdeklariert wurden. Für den finanziell geplagten Landkanton zahlt sich das in klingender Münze aus: 6,4 Millionen an Nachsteuererträgen kann er einstreichen. Weitere 1,3 Millionen Franken fliessen dem Bund zu.

Schweizweiter Trend

Eine neue Höchstzahl vermeldet auch Basel-Stadt mit 381 Selbstanzeigen. Dabei seien über 782 Millionen Franken nachdeklariert worden, sagt Kaspar Sutter. Wie der Generalsekretär des Basler Finanzdepartements vorrechnet, flossen der Staatskasse dadurch über 11 Millionen Franken an Nachsteuern und Verzugszinsen zu.

Die beiden Basel liegen damit im Trend. Schweizweit hat die Zahl der Selbstanzeigen in letzter Zeit zugenommen. Gleich mehrere Kantone meldeten für 2016 eine Rekordzahl. Die Steueramnestie bescherte den Kantonen in den vergangenen Jahren Einnahmen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe. Eine nationale Statistik fehlt. Doch laut dem Bundesrat sind bis im vergangenen Frühjahr rund 22'000 Selbstanzeigen eingegangen und Vermögen von sagenhaften 24,7 Milliarden Franken offengelegt worden.

Diese Zahlen dürften weiter zunehmen. Das gestiegene Interesse reuiger Steuersünder dürfte vor allem daher kommen, dass die Banken seit Anfang Jahr Informationen über Finanzkunden sammeln. Der Bund wird diese ab kommendem Jahr im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs (AIA) mit dem Ausland austauschen. Und doch: Die Dunkelziffer bleibt hoch. Wie viel Schwarzgeld Herr und Frau Schweizer noch immer bunkern, weiss niemand. Gemäss «NZZ am Sonntag» gehen vorsichtige Schätzungen von 10 bis 20 Prozent der Vermögen aus, das würde rund 150 Milliarden Franken entsprechen.

Weiter steigende Zahlen erwartet

Experten gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Selbstanzeigen in nächster Zeit weiter zunehmen wird. Denn kommendes Jahr wird der automatische Informationsaustausch auf mehrere lateinamerikanische Länder ausgedehnt.

Und in der Schweiz hätten grosse Gruppen von Steuerpflichtigen dieser Länder Bankkonten, die potenziell bisher in der ausländischen Steuererklärung nicht erfasst worden seien. Experten erwartet deshalb, dass die Selbstanzeigen aus diesem Kreis in den nächsten Monaten zunehmen werden.