Showroom

Stiftung öffnet neues Fenster auf die Kunst

Elisa Bergel Melo verwandelt die Inselwelt der Karibik in «Final Form» zu einem imaginären Archipel.

Elisa Bergel Melo verwandelt die Inselwelt der Karibik in «Final Form» zu einem imaginären Archipel.

Die Kulturstiftung Basel H. Geiger hat ihren neuen Ausstellungsraum an der Spitalstrasse mit karibischer Kunst eingeweiht.

Das Erfolgsgeheimnis lag schon immer in der Formel, in diesem Fall: KBH.G. Die Abkürzung steht für Kulturstiftung Basel H. Geiger und prangt in Grossbuchstaben am ehemaligen Fabrik­gebäude an der Spitalstrasse 18, das einst Dieter Behring gehörte. «Ironie der Geschichte», bemerkt Stiftungsdirektor Raphael Suter in seiner Begrüssungsrede trocken, hatte der Finanzbetrüger doch einst an eben diesem Standort ein Museum geplant.

Nun wird also tatsächlich eröffnet – kein Museum allerdings, sondern ein neuer Showroom für Kunst: «One Month After Being Known In That Island» heisst die erste Ausstellung zur jungen Kulturszene der Karibik, mit dem die KBH.G ihren Einstand gibt. Benannt ist die Stiftung nach dem Basler Pharmazeuten und Industriellen Herrmann Geiger (1870–1962), der aus der Goldenen Apotheke Basel (kurz: Gaba) heraus mit Zahn- und Mundpflegeprodukten ein Grossunternehmen startete.

Der Weg von der Basler Pharmafirma Gaba («Elmex») zum Artspace führte über die 1930 in Basel geborene Enkelin und Millionenerbin Sibylle Piermattei-Geiger. Diese hatte 2009 in ihrer toskanischen Wahlheimat Cecina die Fondazione Geiger gegründet, mit der sie ein Kunst- und Veranstaltungshaus betrieb. «Sie legte Wert darauf, dass die Eintritte gratis waren, ebenso wie die Ausstellungskataloge», erklärt Suter.

Dasselbe Rezept gilt auch für den neuen Ausstellungsraum, den Sibylle Geiger ihrer Heimatstadt Basel vermacht. 2018 überführte sie die Fondazione in die KBH.G und zog aus gesundheitlichen Gründen zurück in die Schweiz. «Es ist der einzige Wermutstropfen, dass sie heute nicht hier sein kann», bedauert der Direktor: Die Mäzenin verstarb diesen Sommer mit 89 Jahren.

Neue Horizonte für ­Museumsmuffel

Einen Kunstraum in Basel gründen, ist das nicht wie Wasser in den Rhein tragen? Suter kennt den Einwand und räumt ihn gleich selber aus. «Natürlich ist eine solche Institution nicht wirklich nötig», sagt er, doch beabsichtige man durchaus nicht, in Konkurrenz zum bestehenden kulturellen Angebot zu treten. «Wir wollen mit unserem Konzept eine Nische füllen und auch Leute ansprechen, die nicht so oft in Museen sind.» Es gehe darum, neue Horizonte zu öffnen, so Suter, der das Pathos augenblicklich relativiert.

Für die architektonische Öffnung des früheren Gewerbegebäudes war das Architekturbüro Christ & Gantenbein zuständig, das an derselben Adresse domiziliert. Da der Showroom Kunst ausstelle und verhandle, habe man ebenerdig zur Strasse hin ein Schaufenster eingerichtet, so Architekt Emanuel Christ. Die Räumlichkeiten sind in schlichtem Weiss gehalten, ein genoppter «Pirelli»-Kautschukbelag bedeckt den Boden – eine dezente Referenz an Sibylle Geigers einstige Wahlheimat Italien.

Ausgangspunkt für die erste Ausstellung ist der Basler Friede von 1795, wie Kuratorin Albertine Kopp ausführt. Mit dem auf neutralem Basler Boden unterzeichneten Vertrag wurde der zweijährige Krieg zwischen der Ersten Französischen Republik und der spanischen Monarchie offiziell beendet – und die frühere Insel Hispaniola willkürlich in das heutige Haiti und die Dominikanische Republik aufgeteilt.

Die Künstlerinnen und Künstler thematisieren ihr fragmentiertes Erbe, für das Hispaniola stellvertretend steht, auf unterschiedliche Weise. «Den verschiedenen Identitäten entsprechen verschiedene Medien», so Kopp. Die Venezolanerin Elisa Bergel Melo imaginiert die unzähligen Inseln der Karibik zu einem neuen Archipel, das dem Publikum wie ein Puzzle erscheint: Alles gehört zusammen, kein Teil ist zu viel. Und Minia Biabiany aus Guadeloupe lässt in einer Videoinstallation ein altes Kinderlied erklingen, mit dem ferne Orte herbeigeträumt werden: Das Meer trennt nicht nur, es verbindet.

«Kollaborationen waren uns wichtig», sagt Kopp, «nicht nur vor Ort in der Karibik, sondern auch in Basel.» So zeigt das Stadtkino karibische Filme, ­«Radio X» sendet Künstler-
gespräche, die Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW einen Podcast. Leicht bauschen sich die Banderolen an der Fassade des alten Fabrikgebäudes. Die KBH.G nimmt Fahrt auf.

Meistgesehen

Artboard 1