Virtuelle Treffen
Stiftung Selbsthilfe reagiert: Ab Mittwoch gibt es Gruppen für Coronabetroffene

Die Psychiatrien der Region Basel sind ausgelastet. Knapp ein Jahr nach Beginn der Pandemie ist der Wunsch nach Gesprächsrunden zu Coronathemen gross.

Silvana Schreier
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Aufgrund der aktuellen Situation müssen sich sämtliche Selbsthilfegruppen im virtuellen Raum treffen.

Aufgrund der aktuellen Situation müssen sich sämtliche Selbsthilfegruppen im virtuellen Raum treffen.

Kenneth Nars

Es gibt mehr als 2'500 Selbsthilfegruppen schweizweit. Sie bestehen aus Personen, die ein Anliegen teilen oder sich in einer ähnlichen Situation befinden. Für gewöhnlich treffen sie sich in den Räumlichkeiten der regionalen Zentren oder im privaten Umfeld. Seit Beginn der Coronapandemie muss sich die Stiftung Selbsthilfe Schweiz aber neue Wege suchen, um die Menschen zu vernetzen. Und auch die Themen, mit denen sich die Personen beschäftigten, änderten sich. «Alleine während der ersten Welle haben wir über 300 Anfragen erhalten», sagt Sarah Wyss, Geschäftsführerin der Stiftung Selbsthilfe Schweiz und Basler SP-Nationalrätin.

Bald fand die erste Selbsthilfegruppe zusammen: Einsamkeit und Isolation lautet das Gesprächsthema. Bis heute unterhalten sich die Gruppenmitglieder darüber, wie sie die Zeit während der Pandemie und in den Lockdowns meistern. Daneben gibt es eine Gruppe, die Ängste und Verunsicherungen im neuen Alltag bespricht. Die Erfahrungen dieser beiden Selbsthilfegruppen haben die Stiftung nun dazu bewogen, sieben weitere ins Leben zu rufen, die sich mit Auswirkungen der Coronapandemie beschäftigen.

«Corona steht im Weg» – auch jungen Menschen

Mittwochabends gibt es eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch Erkrankten. Eltern von psychisch erkrankten Kindern können sich untereinander austauschen, und wer von finanziellen Existenzängsten geplagt wird, findet eine separate Gruppe von entsprechend Betroffenen. Für Menschen, die unter Langzeitfolgen einer Coronaerkrankung leiden, wird ein eigener virtueller Raum eingerichtet. Dasselbe gilt für Trauernde, die jemanden aufgrund des Coronavirus verloren haben. Zuletzt will sich die Stiftung auch an junge Erwachsene richten: 18- bis 35-Jährige finden in der Gruppe «Corona steht im Weg» Anschluss. Wyss sagt:

Wir starten mit diesen Gruppen einen Versuch, einen Beitrag zur schwierigen Situation zu leisten.
Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss ist Geschäftsführerin der Stiftung Selbsthilfe Schweiz.

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss ist Geschäftsführerin der Stiftung Selbsthilfe Schweiz.

zvg

Der psychische Stress hat seit dem ersten Lockdown deutlich zugenommen. Das zeigt die neueste Umfrage der Universität Basel. Der Anteil Personen in der Schweiz mit schweren depressiven Symptomen betrug während des Lockdowns im April rund 9 Prozent, im November stieg er auf 18 Prozent. Besonders betroffen sind junge Leute und Menschen, die durch die Pandemie finanzielle Einbussen erfahren. Bereits im vergangenen Oktober lancierte die psychiatrische Klinik Sonnenhalde in Riehen eine Selbsthilfe-App. Zehn Module sollen den Nutzenden dabei helfen, die Krise besser zu überstehen.

Die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe der Stiftung Selbsthilfe Schweiz ist kostenlos; das Angebot richtet sich vorerst an Erwachsene aus der Deutschschweiz. Finden sich jeweils vier bis fünf Personen, startet die Gruppe Anfang Februar mit virtuellen Treffen. Eine Fachperson begleitet die ersten Treffen und moderiert die Gespräche. Anschliessend sollten sich die Gruppen selbstständig treffen. «Wir spüren aus den vielen Anfragen heraus, dass der Wunsch nach Austausch sehr gross ist», so Wyss. Noch lieber würden sich die Menschen jedoch persönlich treffen. Dies will die Stiftung ermöglichen, sobald die Situation dies zulasse.