Titanwurz
Stinkende Blume war für Basel Gold wert

25 000 Neugierige haben über Ostern den Botanischen Garten Basel gestürmt um den blühenden Titanwurz zu bestaunen - ein bisher einmaliges Spektakel.

Birgit Günter
Merken
Drucken
Teilen

Der riesige Besucheransturm während der Ostertage auf die blühende Titanwurz hat sogar die höchsten Erwartungen der Verantwortlichen des Botanischen Gartens Basel übertroffen. «Gerechnet haben wir mit rund 10000 Besuchern», erklärt Kurator Heinz Schneider. «Das absolute Maximum, von dem wir ausgegangen sind, waren 20000 Besucher.» Gekommen sind jedoch über 25000.

Die Folge: Der Botanische Garten musste das Personal laufend aufstocken. Die extra zur Besucherinformation gedruckten Flyer gingen aus. Auch die 500 T-Shirts mit dem Aufdruck «Basel stinkt anders» sowie das eigens kreierte «Titanwurz-Parfum» waren im Nu ausverkauft. Bei Eintrittspreisen von 10 Franken (respektive 5 Franken am Ostermontag) spülte der Anlass viel Geld in die Kasse des Botanischen Gartens. Das, was nach Abzug der Kosten für die Sicherheit, Infrastruktur und weiteres übrig bleibt, soll wieder der Öffentlichkeitsarbeit dienen – zum Beispiel in Form von kostenlosen Ausstellungen. Den genauen Gewinn wollte Schneider nicht preisgeben.

Eindrücklich waren die Warteschlangen: Diese erstreckten sich bis zu einem halben Kilometer über den Petersplatz und weiter entlang des Kollegiengebäudes. Die maximale Wartezeit betrug dennoch nie mehr als eine Stunde. «Wir haben die Szenarien im Voraus extra mit den Studierenden geprobt», so Schneider. Als ideal hat sich herausgestellt, dass Gruppen à 30 Personen zwei Minuten vor der Blume verweilen können.

Grosses Interesse aus aller Welt

Für diese kurze Verweildauer hätten die meisten Leute durchaus Verständnis gehabt, erzählt der Kurator. Ehrfürchtig «wie in der Kirche vor dem Alter» seien die Besucher jeweils vor der zwei Meter hohen Blume gestanden. Das bunt gemischte Publikum kam grösstenteils aus der Region; es gab jedoch auch solche, die zum Beispiel extra aus dem französischen Lyon angereist waren.

Wie gross das Interesse an der Basler Sensation war, zeigen auch die Zugriffe auf die entsprechende Website: Diese verzeichnete an den beiden wichtigsten Blühtagen je 100000 Zugriffe. Die Webcam-Bilder gingen um die Welt: Sogar die englische BBC und das indonesische Fernsehen berichteten aus Basel.

Geruch machte einigen zu schaffen

Einmalig ist auch der Geruch, mit dem der «Penis der Titanen» Aaskäfer und Fliegen zwecks Bestäubung anlockt: eine Mischung aus Aas, Fisch und Fussschweiss. Am intensivsten war der Duft in der Nacht auf den Karsamstag zwischen 2 und 4 Uhr. Die meisten Leute haben dies tapfer ertragen, nur eine Person hat sich ins Gewächshaus erbrochen. Bei längerer Aufenthaltsdauer hat sich der Geruch in den Kleidern festgesetzt: Der Wachmann ist, als er nach Hause kam, vom Hund angeknurrt und von der Katze angefallen worden, weil diese den Fisch gerochen hatte.

Besuche sind seit gestern bei der mittlerweile verwelkenden Blume nicht mehr möglich, weil das Gewächshaus wieder mit den ausquartierten Orchideen gefüllt wird. Die Webcam bleibt vorläufig in Betrieb. Nach dem Verblühen wird die Knolle umgetopft und weiter gepflegt. Dabei soll sie wieder an Gewicht zulegen. Da grössere Knollen in der Regel grössere Blumen erzeugen, ist die Titanwurz beim nächsten Blühtermin möglicherweise noch grösser. Erwartet wird, dass dies in rund drei Jahren der Fall sein wird.