Tag der offenen Tür
Stören im Luxushotel Les Trois Rois ist erwünscht

Einmal einen Rundgang im Basler Nobelhotel Les Trois Rois machen, Einblicke in die Hotellerie-Berufe erhalten: Diese Wünsche werden am Sonntag interessierten Jugendlichen gewährt. Hotel-Direktor Reto Kocher erklärt das Prinzip.

Muriel Mercier
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Die Suite Napoleon ist nach dem französischen General benannt, weil er einst in diesem Zimmer gegessen hatte. Der damalige Hotelbesitzer hegte möglicherweise die Hoffnung, Napoleon käme zurück. Was allerdings nie geschah.

Die Suite Napoleon ist nach dem französischen General benannt, weil er einst in diesem Zimmer gegessen hatte. Der damalige Hotelbesitzer hegte möglicherweise die Hoffnung, Napoleon käme zurück. Was allerdings nie geschah.

Kenneth Nars

Eindrücklich. Wenn sich der Gast im «Les Trois Rois» durch die Drehtüre schiebt, steht er in einem strahlenden mit Teppichen ausgelegten Foyer. Von oben herab funkeln zwei riesige Kronleuchter in die Säulenhalle. Die Wände und die Säulen sind marmoriert. Letztere bestehen aus Holz. Aber die Idee war es nach dem Abriss 2004, das Nobelhotel wieder so zu rekonstruieren, wie es einst gebaut worden ist. Dafür wurden extra drei Historikerinnen engagiert, die im Altbau recherchierten, wie das Original daherkam. Denn der Neubau sollte möglichst wie damals nachgestellt werden.

Was den Historikerinnen gelungen ist. Caroline Jenny, Mediensprecherin des Hotels, führt die bz durch das älteste Stadthotel der Schweiz. Sie erzählt, dass es auf schrägem Fusse steht, denn das Rheinufer sei seit dem 17. Jahrhundert – 1681 wurde das Haus schriftlich erstmals erwähnt – um 18 Zentimeter gesunken. «Beim Neubau wurde die Schräge nachgeahmt, denn das macht die Seele des Hotels aus.» Keine einfache Angelegenheit für das Hotelpersonal. Bestellt jemand eine Suppe aufs Zimmer, ist es eine Herausforderung für den Room-Service, dass diese trotz schräger Schwelle im Teller bleibt.

Blick hinter die Kulissen

Die Eigenheiten des Nobelhotels, auf die vor allem die Hotelgäste treffen, sollen jetzt der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden. Vor allem den Jugendlichen, die davor stehen, eine Lehrstelle zu suchen. Das Hotel Les Trois Rois gewährt diesen am Sonntag einen Einblick hinter die Kulissen ihres Betriebes. Dies unter dem Motto «Please Disturb», das schweizweit von der Hotellerie Suisse organisiert wird.

Hotel-Direktor Reto Kocher ist begeistert und überzeugt von dieser Idee. Er wisse aus der Hotel-Branche, dass es nicht einfach ist, qualifizierte Lehrlinge in der Hotellerie zu finden.

Herr Kocher, kennen Sie das Problem, keine Lehrlinge zu finden?

Reto Kocher: Nein, wir haben glücklicherweise genug Anfragen von interessierten Jugendlichen. Aber die Berufsbilder entsprechen nicht immer den Vorstellungen der Jungen, die sie in der Schule vermittelt bekommen.

Ist diese Tatsache der Grund dafür, dass Sie am Sonntag Ihr Hotel für alle, die sich für die Schweizer Hotellerie interessieren öffnen?

Wir bekommen regelmässig Anfragen von Leuten, die sich einen Rundgang durch das «Trois Rois» wünschen. Das muss aber geplant werden und deswegen ist es selbstverständlich, dass wir am Sonntag die breite Öffentlichkeit einladen. Und den Jugendlichen können wir gleichzeitig die spannenden Hotellerie-Berufe vorstellen.

Damit meint Kocher unter anderem die Floristen, Mitarbeiter in der Lingerie und Küche, die in seinem Haus auf erstaunlich kleinem Raum im Untergeschoss arbeiten. Drei Floristen sorgen dafür, dass jeden Tag frische Blumen für Ambiente sorgen: in den Zimmern, den Restaurants, im Foyer, auf dem Flur. Es sind nur wenige Quadratmeter, auf denen sie die Sträusse kreieren. Im Nebenzimmer stehen zwei Damen und bügeln die Kittel der Köche. Auf effiziente Art: Die Arbeitskleidung wird über eine Puppe gehängt, in die warme Luft geblasen wird. Die Köche bereiten die Menus für ihre Gäste in einer kleinen Küche vor –, dafür auf zwei Ebenen.

Die Lehrlinge stellen den Job vor

Damit die angehenden Lehrlinge erfahren, was sie bei Hoteljobs erwarten würde, geben die Lehrlinge des Hotels Les Trois Rois selber Auskunft. Es werden Blumen geschnitten, Servietten gefaltet, Betten bezogen.

Ein Beispiel: Wer sich für den Room-Service interessiert, wird die Suite, in der Napoleon einst gegessen hatte, betreten. Im Grün- und Gold-Ton sind die Wände gestaltet, die Möbel und Bilder sind antik. Wie alle, die im Hotel stehen – ausser die im Foyer. Die Einzel-Zimmer erscheinen in Gelb-Gold, die Doppelzimmer in Blau- oder Rot-Gold.

Für Hotel-Direktor Reto Kocher ist es ein unglaubliches Geschenk, am Rhein eines der grössten Hotels Europas zu führen. Auch wenn es einer hohen Preisklasse angehört, ist die Auslastung gut.

Reto Kocher: Es ist nicht selbstverständlich, von lokalen Gästen so akzeptiert zu werden, wie wir es sind. Und seit dem Umbau 2006 strahlen das Hotel und die Mitarbeiter eine Einheit aus.

Please Disturb Sonntag, im Hotel Les Trois Rois ab 13 Uhr. Andere Hotels in Basel finden Sie auf www.pleasedisturb.ch. Geöffnet ab 11 Uhr.

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