Basler
Strafe für Attacke auf Ehefrau und Nebenbuhler reduziert

Das Basler Appellationsgericht hat am Dienstag die wegen Gewaltdelikten gegen einen Türken ausgesprochene Strafe von 13 auf 12 Jahre reduziert. Der heute 34-jährige Mann hatte seine damalige Ehefrau gewürgt und einen Nebenbuhler mit verletzt.

Merken
Drucken
Teilen
Messerattacke (Symbolbild)

Messerattacke (Symbolbild)

Keystone

Der Mann hatte Ende September 2007 die von ihm getrennt lebende Ehefrau unangemeldet aufgesucht. Als ihm angesichts eines romantisch gedeckten Tisches und der Aufmachung der Frau klar wurde, dass sie auf einen anderen Mann wartete, rastete er aus. In Anwesenheit des dreieinhalbjährigen Sohnes ging er auf die Frau los und würgte sie.

Als der Nebenbuhler eintraf, attackierte er diesen mit einem Messer und verletzte ihn schwer. Der Frau gelang es, mit dem Sohn zu flüchten. Im September 2008 verurteilte das Basler Strafgericht den Angreifer wegen versuchter vorsätzlicher Tötung der Ehefrau und wegen versuchten Mordes des Nebenbuhlers zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren.

Veteidigung appelliert

Gegen dieses Urteil hatte die Verteidigung appelliert. Das Appellationsgericht hielt an den Schuldsprüchen fest, senkte jedoch das Strafmass auf 12 Jahre. Dies begründete die Vorsitzende des Gerichts damit, dass im Unterschied zum Strafgericht beim Angriff auf die Ehefrau nicht von einem direkten, sondern lediglich von einem indirektem Tötungsvorsatz auszugehen sei.

Umstrittene Gutachten

Abgewiesen hat das Appellationsgericht den Antrag des Verteidigers für die Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens. Die Verteidigung hatte die Unabhängigkeit des von den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel erstellten Gutachtens in Frage gestellt. Im Fokus stand dabei die Rolle des damaligen stellvertretenden Leiters der Forensisch-Psychiatrischen Klinik der UPK.

Der heutige Chefarzt der Forensisch-Psychiatrischen Klinik war an einem früheren Gutachten beteiligt gewesen. Im zweiten Verfahren sei er nicht in die Begutachtung involviert gewesen, weil er als klinikinterner Supervisor in der Therapie tätig gewesen sei, sagte er vor Appellationsgericht. Am Strafgericht habe er das Gutachten erläutert, weil weder der Arzt, der das Gutachten verfasst hatte, noch der Klinikleiter abkömmlich gewesen seien.

Gutachter widersprechen sich

Die beiden Gutachten waren zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangt: Das frühere ging von einer leicht reduzierten, das aktuelle hingegen von einer vollumgänglich erhaltenen Schuldfähigkeit aus. Auch gestützt auf eine Prüfung durch eine unabhängige Expertin kam das Appellationsgericht zum Schluss, dass das Gutachten verwertbar sei, hielt die Vorsitzende fest.

Bestätigt hat das Appellationsgericht auch die Vollziehbarkeit einer Vorstrafe. Damit muss der Türke auch eine wegen häuslicher Gewalt verhängte Strafe von 18 Monaten absitzen. Der Mann war 1995 in die Schweiz gekommen; das Paar hatte 1999 geheiratet.