Strafgericht
Fünf Jahre nach Therwiler Fasnachtsprügelei: Drei Freisprüche

Nach dem wüsten Streit an der Fasnacht 2016 gab es am Strafgericht in Muttenz kaum Beweise, drei Freisprüche und 2400 Franken Haftentschädigung.

Patrick Rudin
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Im damaligen Asylheim an der Bahnhofstrasse ereignete sich der Streit 2016.

Im damaligen Asylheim an der Bahnhofstrasse ereignete sich der Streit 2016.


Martin Toengi (Archiv)

«Scheiaweia »sei damals gewesen, so der 36-jährige Hauptangeklagte am Freitag im Strafgerichtszentrum in Muttenz. Es war Fasnacht im Februar 2016 in Therwil, dies auch in und um das damalige Asylheim an der Bahnhofstrasse herum. Warum es zum Streit kam, blieb diese Woche im Gerichtssaal zum grossen Teil ungeklärt. Mangels Beweisen wurden alle drei Angeklagten aus dem Leimental freigesprochen.

Die Aufnahme einer Überwachungskamera im Inneren des Asylheims wurde am Freitag im Gericht vorgespielt: Nach unauffälligem Geplaudere in einem schmalen Gang packt der heute 36-Jährige einen Asylbewerber am Kragen, drückt ihn an die Wand und verpasst ihm eine Ohrfeige. Der Angegriffene kann schliesslich fliehen, die restlichen Anwesenden verlassen den Ort.

Ging es um Belästigung?

Eine Viertelstunde später traf man sich vor dem Heim erneut, und der Konflikt eskalierte. Laut dem Asylbewerber sei es schon im Heim darum gegangen, dass angeblich ein anderer Asylbewerber zuvor eine Frau belästigt hatte. Der 36-Jährige habe ihn zwingen wollen, den Namen des Übeltäters zu verraten und habe ihn deshalb bedroht.

Der 36-Jährige hingegen sagte, man sei quasi eingeladen worden und habe ganz normal miteinander gesprochen. Worum es dann beim Streit gegangen sei, wisse er nicht mehr so recht. Die Sache sei aber danach erledigt gewesen.

Vor dem Heim habe ihn der Asylbewerber dann plötzlich mit einem Messer angegriffen, er habe sich wehren müssen und ihm das Messer schliesslich abgenommen. Wegen des Messerangriffs läuft gegen den Asylbewerber selber ein Verfahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung, er ist allerdings nach zwei Einvernahmen abgetaucht und inzwischen zur Verhaftung ausgeschrieben.

Auch ein Polizist war dabei

Pikant an der Geschichte ist, dass nebst einem 33-jährigen Bekannten aus Ettingen auch ein 51-jähriger Basler Polizist in jener Nacht dabei war: Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er hätte deeskalierend eingreifen müssen. Vor allem aber unterstellte sie ihm, bewusst Spuren vernichtet zu haben, indem er das Klappmesser zunächst einfach in die Hosentasche gesteckt habe, bevor er es später der Polizei übergab.

Staatsanwältin Erika Kremniczky klagte die Beteiligten wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung, Nötigung oder Gehilfenschaft dazu an, den Basler Polizisten zudem wegen Begünstigung. Sie forderte für alle drei Männer bedingte Geldstrafen.

Einzelrichterin Irène Laeuchli hingegen entschied, im Überwachungsvideo sei nichts von einem Eindringen der drei Angeklagten ins Asylheim zu sehen. Die Ohrfeige wäre als Tätlichkeit ohnehin schon verjährt, und der Rest reiche nicht für eine Nötigung. Beim späteren Vorfall vor dem Heim sei die Beweislage noch schlechter, hier sei wohl der Asylbewerber der Aggressor gewesen. Er habe auch sehr widersprüchlich ausgesagt. Der 36-Jährige habe dort zwar zugeschlagen, dies sei aber durch Notwehr gedeckt.

Entschädigung für 12 Tage Haft

Die Rolle der anderen zwei Angeklagten blieb unklar. Der 51-jährige Polizist betonte, er habe das Messer rasch aus dem laufenden Kampf entfernen wollen. Laeuchli sagte dazu, in solch einer Situation könne man auch von einem Polizisten nicht erwarten, dass er sich zuerst die Handschuhe anzieht und dann das Messer in einer Plastiktüte sicherstellt. Damit gab es auch punkto Begünstigung einen Freispruch.

Der 36-Jährige sass damals für zwölf Tage in Untersuchungshaft, er erhielt deshalb eine Haftentschädigung von 200 Franken pro Tag, insgesamt 2400 Franken. Die Staatsanwaltschaft kann das Urteil noch weiterziehen.