Punkt 17 Uhr warf der 47-jährige Christoph Egger am Montag einen ungläubigen Blick zu seinem Verteidiger, dann kam der Polizist und nahm ihm die Fussfessel ab: Die fünf Richter lehnten eine Verwahrung ab, sahen in einer weiteren stationären Therapie wenig Sinn und entliessen den Mann daher mit Auflagen in die Freiheit. Direkt danach fuhr er zum Gefängnis, um seine Sachen zu packen.

Das Basler Appellationsgericht hatte ihm im November 2012 eine stationäre Therapie aufgebrummt, nachdem er via Webcam vor Minderjährigen masturbiert hatte. Durch das Einbeziehen der Jugendlichen gilt das nicht bloss als Exhibitionismus, sondern als Sex mit Kindern und eröffnet damit die Möglichkeit für eine Verwahrung. Das Strafgesetzbuch verlangt dafür allerdings eine Traumatisierung der Opfer, was im hiesigen Fall nicht gegeben war.

Damit schied eine Verwahrung aus, und die diversen teuren, stationären Therapien der letzten Jahre haben ebenfalls nicht funktioniert. Das Gericht auferlegte ihm nun eine ambulante Behandlung sowie die weitere Einnahme von Lucrin: Faktisch entspricht dieser einer chemischen Kastration, dies war bislang auch die favorisierte Therapie von Egger.

Vor der stationären Massnahme arbeitete er als Altenpfleger. Nach seinem Gang an die Medien ist es aber fraglich, ob ihn heute jemand einstellt.

Vollständige Kastration?

Wie am Rand der Verhandlung bekannt geworden ist, beabsichtigt er inzwischen sogar, sich einer vollständigen medizinischen Kastration zu unterziehen, damit er nicht mehr unter den Nebenwirkungen des Medikaments leidet. Die stationäre Therapie hat er stets abgelehnt: Die erste Vollzugslockerung im Februar 2014 nutzte er zur Flucht. Ein paar Wochen später wurde er in Berlin festgenommen, zurück in der Schweiz unternahm man einen neuen Therapieversuch, diesmal in einer stationären Anstalt bei Solothurn.

Die Gutachter haben seine Rückfallgefahr stets kritisch gesehen, vor allem aufgrund seiner Vergangenheit. Egger leidet nebst der Pädophilie auch an einer Persönlichkeitsstörung. «Gewalt war nie mein Ding», hatte er mehrfach öffentlich betont. Das stimmt so allerdings nicht: Nebst seinen Verurteilungen wegen Sex mit Minderjährigen gab es früher auch Schuldsprüche wegen sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und Kindsentführung. Diese liegen allerdings 15 bis 20 Jahre zurück.
Für den gestrigen Entscheid punkto Verwahrung durfte das Gericht nur die Sache mit dem Webcam beurteilen: Ohne weitere Delikte sei die Verwahrung keine Option, befand das Gericht. Staatsanwältin Eva Eichenberger will allerdings weiterhin dafür kämpfen, dass Christoph Egger verwahrt wird: In einigen Monaten landet der Fall vor dem Basler Appellationsgericht. Dort wird es nochmals um die Frage gehen, ob der Mann verwahrt wird, ein weiterer Therapieversuch in einer geschlossenen Klinik infrage kommt oder ob Egger in Freiheit leben darf.