Honorare abgezweigt
Strafgericht zieht Vermögen vom ehemaligen Finanzchef ein

Die Strafe fiel nicht ganz so hoch aus wie von der Staatsanwaltschaft beantragt: Das Basler Strafgericht verhängte am Montag gegen den ehemaligen Finanzchef der Nationale Suisse-Versicherung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Patrick Rudin
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Da Nationale Suisse-Versicherungsgebäude an der Steinengraben in Basel.

Da Nationale Suisse-Versicherungsgebäude an der Steinengraben in Basel.

Juri Junkov

Im Hauptanklagepunkt folgte sie der Staatsanwaltschaft, kam aber in einigen Nebenpunkten zu Freisprüchen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert, davon ein Jahr unbedingt. Ein Teil der Freisprüche ging allerdings auch auf eine lückenhafte Anklageschrift zurück.

Konkret hatte der 46-jährige Jurist und Immobilientreuhänder die Berater- und Vermittlungshonorare für diverse Bauprojekte abgezweigt. Eigentlich hätten die Honorare an die National Immobillien AG (Niag) gehen sollen, doch einen Teil der Beträge liess er sich über eine anonyme und von ihm kontrollierte Firma selbst ausbezahlen. Vor Gericht hatte er energisch betont, dies sei alles so abgesprochen gewesen. "Die Akten zeichnen ein anderes Bild", widersprach Gerichtspräsident Dominik Kiener gestern während der Urteilsbegründung.

«Ein völlig falsches Bild vermittelt»

So habe sich etwa der Architekt eines Bauprojektes aufgrund der erhaltenen Rechnung erkundigt, weshalb das Honorar nicht an die Niag zu überweisen sei. Der Angeklagte erwiderte, die Ansprüche der Niag seien an eine Subunternehmerfirma abgetreten worden. "Sie haben ihn angelogen und ein völlig falsches Bild vermittelt. Sie haben dann dafür gesorgt, dass die Niag ihren Honoraranteil nicht erhält. Dazu hatten sie keine Erlaubnis, und das wussten sie auch", sagte Dominik Kiener. Wenig konnte das Gericht auch mit der Behauptung anfangen, es sei dem Angeklagten nie um das Geld gegangen. "Ihr Lohn war üppig, der Bonus auch", so Kiener.

Mehrfachte qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung lautet der Tatbestand im Fachjargon, wobei das Gericht bei einigen Punkten zu Freisprüchen kam. So habe der Angeklagte teilweise durchaus mit offenen Karten gespielt, auch sei es ihm als Verwaltungsratspräsident der Niag erlaubt, über die Höhe gewisser Honorare zu entscheiden. Einige der Konstrukte des Angeklagten bezeichnete Kiener in einer Randbemerkung trotz Freispruchs allerdings als "Steuerhinterziehung oder gar Steuerbetrug".

Diverse Kontosperren

Bereits während des Strafverfahrens hatte die Staatsanwaltschaft diverse Kontosperren beim Angeklagten veranlasst, insgesamt verfügte der Mann über Vermögenswerte von rund 1,5 Millionen Franken. Rund 1,1 Millionen Franken sprach das Gericht als Schadenersatz der Nationale Suisse zu, dies entspricht ungefähr der Höhe der abgezweigten Gelder.

Dazu kommen saftige Verfahrens- und Gerichtskosten sowie die Anwaltshonorare der Nationale Suisse, die der Verurteilte ebenfalls übernehmen muss. Ausnahmsweise sprach das Gericht der Nationale gar zusätzliche 50'000 Franken in einem Anklagepunkt zu, der rein strafrechtlich zu einem Freispruch geführt hatte.

Dazu kamen 100'000 Franken für externe Buchprüfer, die im Auftrag der Nationale Suisse die Buchungen über Jahre zurück untersucht hatten. Für die Deckung dieser gesamten Kosten zog das Gericht das gesperrte Vermögen des Mannes kurzerhand ein. "Überschlagsmässig kommt das ungefähr hin", meinte Dominik Kiener trocken. Alle Beteiligten können das Urteil noch ans Appellationsgericht weiter ziehen.