Appellationsgericht

Strafmilderung für Zürcher Ex-Hooligan, der 2009 im Joggeli randalierte

Polizisten begleiten die Basler Fans (im Bild auf der Hohlstrasse) ins Stadion. (Symbolbild/Archiv)

Polizisten begleiten die Basler Fans (im Bild auf der Hohlstrasse) ins Stadion. (Symbolbild/Archiv)

Die Verwüstungen im St. Jakob-Park vom November 2009 sind nun strafrechtlich aufgearbeitet: Ein Zürcher Fan erhielt am Dienstag von der zweiten Instanz eine Strafmilderung.

Es waren wüste Szenen im November 2009 im Joggeli vor dem Spiel FCB gegen FCZ: Im FCZ-Gästesektor randalierte der Mob, Verpflegungsstände wurden geplündert, 50 Kilogramm schwere Gasflaschen und herausgerissene Sitze flogen durch die Gegend. Die meisten vermummten Täter kamen unerkannt davon, 17 Männer landeten schliesslich vor dem Basler Strafgericht und erhielten im November 2013 zumeist bedingte Freiheitsstrafen oder bedingte Geldstrafen.

Lediglich zwei Männer wurden zu teilbedingten Strafen verurteilt, einer davon zog die Sache weiter. Beim heute 25-jährigen Mann ging es am Dienstag vor dem Basler Appellationsgericht vor allem um die Frage, ob er mit dem zweimaligen Werfen eines sechs Kilo schweren Stuhles eine schwere Körperverletzung der Polizei oder der Sicherheitsleute im Stadion in Kauf genommen hatte.

Das Strafgericht ging damals von Eventualvorsatz punkto schwerer Körperverletzung aus und sprach eine teilbedingte Strafe von 27 Monaten aus, 9 Monate hätte der Mann absitzen müssen. Das Appellationsgericht reduzierte das Strafmass gestern auf 21 Monate und setzte die ganze Strafe zur Bewährung aus.

Beim Stuhlwurf gegen Polizisten mit Helm und Schutzanzug könne man ihm eine versuchte schwere Körperverletzung «ganz knapp» nicht nachweisen, fand das Gericht. Daher gab es einen Schuldspruch wegen sogenannter versuchter einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, was zu dem milderen Strafmass führte. Auch die lange Zeitdauer seit den Ausschreitungen führte zur Strafmilderung.

Bei seinem zweiten Wurf auf Protectas-Mitarbeiter am unteren Ende einer Treppe hingegen habe der Mann schwere Körperverletzungen in Kauf genommen. "Das ist ein Verhalten, welches unter keinen Umständen tolerierbar ist", kommentierte Gerichtspräsident Claudius Gelzer gestern die Attacken.

Der 25-jährige Mann ist im letzten Herbst Vater geworden und hangelte sich die letzten Jahre mit Teilzeitjobs durch, nun will er eine Ausbildung machen. Mit der Hooligan-Szene habe er nichts mehr zu tun.
Er ist serbischer Staatsbürger, durch die Delikte wackelt seine Aufenthaltserlaubnis. In Zürich ist noch ein Verfahren aus dem Jahr 2013 gegen ihn hängig. Das Urteil kann noch weitergezogen werden, vor dem Bundesgericht werden allerdings nur noch Rechtsfragen geklärt. Die Urteile gegen die 16 anderen Männer sind inzwischen rechtskräftig.

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