Strafprozess

Strafprozess: Sexueller Übergriff an der Fasnacht

Kinder Umzug

Sexueller Übergrif an der Basler Fasnacht.

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Passanten eilten an der letzten Fasnacht einer jungen Frau zu Hilfe. Ein junger Marokkaner muss sich wegen sexueller Übergriffe vor dem Strafgericht verantworten. Der Vorfall ereignete sich am Fasnachtsmontag.

Es war kurz vor Mitternacht am Fasnachtsmontag im vergangenen Februar, als paar Fasnächtler im Vorbeigehen am Leonhardsberg Schreie hörten: Es dachten sie an einen Streit, doch dann rief eine Frau eindeutig um Hilfe und sackte schliesslich bewusstlos zu Boden.

Gestern sass deshalb ein 35-jähriger Marokkaner vor dem Strafgericht: Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt.

Der genaue Hergang blieb vor Gericht unklar. Sicher ist, dass die Frau den Mann wenige Minuten zuvor an der Fasnacht kennen gelernt hatte.

Kumpel wartete auf Rückkehr

Ein Kumpel wartete bei der Gerbergasse auf ihre Rückkehr von der Toilette, doch irgendwie landete sie mit ihrer neuen Bekanntschaft am Leonhardsberg.

Kurz zuvor hatte sie sich übergeben, sie stand unter dem Einfluss eines Joints, mehrerer Dosen Bier und eines psychisch dämpfenden Neuroleptikas.

Der Kumpel erreichte seine Bekannte schliesslich auf dem Mobiltelefon, hörte aber minutenlang lediglich Weinen und Stöhnen. Laut dem Angeklagten habe sie mit ihm auf die Toilette gehen wollen, um Sex zu haben, nach einem Anruf auf ihrem Mobiltelefon hingegen habe sie plötzlich angefangen zu schreien wie eine Verrückte.

Zeugen hatten allerdings klar gesehen, dass er sie an die Wand gedrückt habe. Bevor sie bewusstlos wurde, sprach sie von einer Vergewaltigung.

Aussagen waren widersprüchlich

Die Aussagen des Angeklagten waren gestern vor Gericht teilweise widersprüchlich zu denen in der Voruntersuchung - sie widersprachen auch zu einem guten Teil den Schilderungen unabhängiger Zeugen.

Sicher ist nur, dass er die Hose offen hatte und sie bereits halb entkleidet war. Während der Aussage der Frau musste der Angeklagte gestern den Gerichtssaal verlassen. Sie hingegen betonte, sich kaum an etwas erinnern zu können.

Der Marokkaner hatte einen abgelehnten Asylantrag, im Februar galt nach Marokko ein Abschiebestopp. Die Polizei nahm ihn direkt am Leonhardsberg fest, seither sitzt er in Untersuchungshaft, die Frau wurde nach einer Untersuchung im Spital wegen Eigengefährdung vorübergehend in die geschlossene Abteilung der Psychiatrischen Klinik eingewiesen.

«Keine schlechten Absichten gehabt»

Für Staatsanwältin Eva Eichenberger war aufgrund der Aussagen der Frau und der Zeugen klar, dass es sich hier um eine sexuelle Nötigung sowie eine versuchte Vergewaltigung handle.

Der Mann sei nebst einer illegalen Einreise bereits als Ladendieb aufgefallen, sie beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. «Eine teilbedingte Strafe hätte nicht die erforderliche Warnwirkung», so Eichenberger.

Die Opfervertreterin forderte eine Genugtuung von 10 000 Franken, auch seien künftige Therapiekosten vom Angeklagten zu übernehmen.
Der Verteidiger hingegen forderte einen Freispruch:

Klar sei nur, dass beide sich umarmt und berührt hätten. Man könne seinem Mandanten höchstens sexuelle Belästigung vorwerfen. «Ich bereue, dass ich das alles verursacht habe.

Ich habe keine schlechten Absichten gehabt», sagte der Angeklagte laut seinem Dolmetscher. Das Urteil fällt heute Dienstag.

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