Federer

Strassen sind nach No-Names benannt – Federer muss warten

Dem berühmtesten Schweizer aller Zeiten wird zu Lebzeiten keine Strasse gewidmet. Keystone

Dem berühmtesten Schweizer aller Zeiten wird zu Lebzeiten keine Strasse gewidmet. Keystone

Der Blick auf die Basler Strassennamen verrät: Viele der Namensgeber kennt keiner mehr. Unter den Paten für Strassennamen befinden sich sogar Kriegsverbrecher. Eines aber eint sie: Sie sind alle tot.

Roger Federer bekommt in seiner Geburtsstadt Basel, wo er Tennis spielen gelernt hat, keine Strasse, die seinen Namen trägt (bz von gestern) – Grund genug, sich mal anzusehen, wer denn die Namens-Paten sind. Da wäre zum Beispiel Hermann Albrecht, ein Schriftsteller und Pfarrer. In Basel ist er heute weitgehend unbekannt. Kein Wunder, Albrecht war Deutscher und studierte bloss einige Jahre in Basel. Andreas Ryff war ein reicher Tuchhändler und Politiker im 16. Jahrhundert, die Ryffstrasse hat also nichts mit Raureif zu tun.

Vergessene Basler Grössen

Fatio ist nicht ein Dorf im Tessin, sondern der Nachname von Johannes Fatio, einem Aufrührer gegen die Zunftherrschaft in den 1691er Unruhen. Immerhin, der Mann hat etwas geopfert für die Ehre eines Strassennamens: Er wurde hingerichtet und sein abgeschlagener Kopf auf dem Rheintor aufgespiesst. Karl Rütimeyer ist ein vergessener Prominenter jüngeren Datums, er lebte bis 1895. Warum er aber eine Strasse und obendrein noch einen Platz bekommen hat, ist eine andere Frage.

Langer Weg zum Strassennamen

Bis eine Strasse einen Namen bekommt, ist der Weg mühsam. Walter Oswald, Kantonsgeometer und Vorsitzender der zuständigen Nomenklatur-Kommission erklärt: «Jeder Basler kann jederzeit einen Antrag stellen, wir prüfen dann.» Allerdings seien die Chancen nicht besonders hoch: «In über 99Prozent der Fälle ist die Antwort ein Nein». Das Hauptargument gegen die Umbenennung einer Strasse ist die Neuadressierung. Laut Oswald würde dies zu einem enormen Aufwand für alle an der Strasse ansässigen führen. Nun, vielleicht würden die Bewohner der Redingstrasse das gerne in Kauf nehmen, wüssten sie, wer Ital Reding war. Der Schwyzer Hauptmann war im Alten Zürichkrieg verantwortlich für das Blutbad von Greifensee, ein Massaker, dem über sechzig Bauern zum Opfer fielen, die sich bereits ergeben hatten. Reding liess sie hinrichten, vom Knaben bis zum alten Mann «mit grisem Bart», wie der Chronist berichtet.

Neue Strassen kommen in Basel nur selten zum bestehenden Stadtplan hinzu. Die Nomenklatur-Kommission amtet auch erst seit den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Das führt zur Situation, dass wichtige Menschen aus der jüngeren Vergangenheit, wie Henri Guisan und Theodor Herzl nur ein Strässchen in den Aussenquartieren für sich beanspruchen dürfen, während andere, weniger Bekannte, im Zentrum oder bei grossen Verkehrswegen zum Zug kommen.

Strassennamen unklarer Art

Aber zurück zu Roger Federer und seiner Strasse. Laut Walter Oswald ist es «gängige Praxis, dass Personen nur dann einen Strassennamen bekommen, wenn sie tot sind». Und da wohl alle Roger Federer ein langes und glückliches Leben wünschen, dürfte dies das vorläufige Ende aller Träume von einer Roger-Federer-Allee sein. Es sei denn, in den Basler Amtsstuben zieht ein wenig Offenheit ein und man benennt eine Strasse um, bei der nicht einmal die Experten wissen, wieso sie heisst, wie sie heisst: zum Beispiel den Rennweg oder die Wanderstrasse – wobei Letztere sogar an Federers ehemaligem Trainingsgelände vorbeiführt.

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