Zusammen mit dem Sommer neigt sich auch die Strassenmusikersaison dem Ende zu. Diese stand dieses Jahr unter besonderer Beobachtung: Seit dem 1. März gelten in Basel neue, strengere Regeln für die Strassenmusikanten, nachdem die Beschwerden in den Jahren zuvor stark zugenommen hatten. Und tatsächlich zeigt sich: Der Ärger über die Beschallung in den Strassen ist verflogen - zumindest fast. «Die Zahl der Reklamationen ist spürbar zurückgegangen», sagt Martin Schütz von der Basler Polizei. «Im Jahr 2011 hatten wir 300 Einträge unter dem Stichwort ‹Strassenmusik› im System. Dieses Jahr sind es 130», führt er aus.

Mehr Bussen verteilt

Schütz kommt deshalb zum Schluss: «Nach einer ersten groben Bilanz scheint die Rechnung aufzugehen.» Interessant ist der Vergleich der ausgesprochenen Bussen: 2011 wurden 23 Strassenkünstler gebüsst, weil sie zur falschen Zeit oder am falschen Ort musizierten. 2012 waren es 34, wobei 21 dieser Bussen in den Monaten März und April - also kurz nach der Einführung der neuen Regelung - ausgesprochen wurden. «Ganz am Anfang haben wir auf Aufklärung gesetzt. Danach haben wir angefangen, Bussen zu verteilen», erklärt Schütz. Dass dies seit April nur noch 13 Mal geschah, deutet für ihn darauf hin, dass sich die meisten Strassenmusiker an die Regeln halten. Wobei auch Schütz weiss: «Schwarze Schafe gibt es immer.»

Bedauern bei Surprise

Nicht glücklich mit der neuen Situation ist Paola Gallo vom Verein Surprise. Sie setzt sich für die Interessen der Strassenmusiker ein. Diesen Sommer hat sie Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass schon einen Brief geschrieben und gegen die strengeren Regelungen demonstriert. Auch Gallo findet: «Natürlich wirkt die verschärfte Regelung gegen Strassenmusik.» Für Sie ist das aber keine positive Entwicklung: «Auf den Strassen ist bedeutend weniger Musik zu hören - was schade ist.»

Polizeisprecher Schütz entgegnet jedoch: «Nach der Surprise-Demonstration hatten wir Mails, die uns aufforderten, nicht einzuknicken.» Der Kanton hält denn auch an den neuen Regeln fest. Schütz hält fest: «Basel ist immer noch eine der liberalsten Städte der Schweiz.»

Nicht alle Ladenbesitzer glücklich

Fragt man bei den Direktbetroffenen in der Freien Strasse nach, fällt das Fazit unterschiedlich aus. Dorit Schneider vom Optiker-Geschäft Visilab ist zufrieden: «Mit der neuen Regel ist die Strassenmusik in einen vernünftigen Rahmen gelenkt worden.» Vorher habe man wegen der Non-Stop-Beschallung kaum noch die Kunden bedienen können.
Für Peter Schmidli, Filialleiter der Papeterie Waser, ist es allerdings immer noch zu laut: «Ich komme aus Zürich. Dort ist das Musizieren in der Haupteinkaufsstrasse verboten.» Trotz der neuen Regeln sind die Diskussionen um die Strassenmusiker in der Basler Innenstadt also noch nicht ganz verstummt.